Management

Investoren wollen Märklin Dampf machen  

Die Traditionsfirma Märklin gehört jetzt für vier bis sechs Jahre einem österreichischen Investor. Doch die mittelständisch strukturierte Branche kämpft weiter mit der Überalterung ihrer Kundschaft, unklaren Positionierungen und hausgemachten Problemen.

Nur noch drei Tage blieben Märklin bis zur Insolvenz. Dann, am Freitag vergangener Woche, herrschte endlich Klarheit: Die weltbekannte Modellbahn-Marke gehört jetzt Kingsbridge Capital Advisors, einem Private Equity Unternehmen der Investmentfirma Hardt Group in Wien. Bis zuletzt hatten sich drei der 22 Eigner aus dem Märklin-Clan, von denen einer seit Jahren Hausverbot haben soll, gegen den Verkauf gewehrt. Die Belegschaft hatte dafür kein Verständnis, die Betriebräte flehten um Einlenken.

„Die Belegschaft ist erleichtert, die Stimmung aber gedämpft“, sagt eine Mitarbeiterin der Göppinger IG Metall, obwohl im Sanierungskurs angeblich nur an den Kosten, nicht aber am Personal gespart werden soll. Schon 2005 hatte Geschäftsführer Paul Adams, dem nun ein dreiköpfiger Beirat zugeordnet wird, einen Unternehmensberater eingeschaltet. Der soll vorgeschlagen haben, den alten Trix-Standort Nürnberg mit gut 64 Mitarbeitern und die moderne Fabrikation in Sonneberg mit rund 230 Arbeitern und Ingenieuren zu schließen.

„Märklin ist eine der besten Marken der Welt“, sagt Dr. Mathias Hink, Vorstand des neuen Eigentümers. Mit der Stärkung der Gleichstrom-Marke Trix (H0 und N), mehr Online-Angeboten, Kostenabbau und mehr Investitionen soll sie wieder zum Glänzen gebracht werden. Hink will auch die Jugend wieder an die Modellbahn heranführen. Heute sind Modellbahner eher im reifen Alter, die teure Hightech-Modellbahn ist ein Erwachsenenhobby.

Märklin ist an dem Absturz auch selbst schuld: Da ist von chaotischer Logistik, von arrogantem Gehabe gegenüber Händlern und Kunden die Rede, von verfehlter Produktpolitik mit spektakulären, aber kaum verkäuflichen Neuheiten und von unerschwinglichen Preisen. Die drei Märklin-Kataloge in edelster Machart wiegen um die 3 kg und haben knapp 800 Seiten. Schätzungsweise 3000 Produkte sind das, in drei Baugrößen, von „Z“ in 1:220, über den gängigen H0-Maßstab 1:87, bis zu „1“ in 1:32. Die Gleichstrom-Marke Trix bringt weitere Kataloge. So ein Sortiment scheint weder wirtschaftlich sinnvoll zu fertigen noch vorrätig zu halten, zumal sich Märklin einer hohen Fertigungstiefe rühmt. Andere Branchen arbeiten längst mit mehr Zulieferern. Märklin leistet sich als einziger ein Wechselstromsystem und eine eigene Digitaltechnik jenseits des Weltstandards DCC.

Und wo gibt es noch eine Eisenbahn im Schaufenster? Der Spielzeughandel, auf rasch drehende Artikel angewiesen, hat in den letzten zehn Jahren die beratungsintensiven Modelleisenbahnen aus dem Sortiment genommen. Wo es sie noch gibt, reduzieren sich Verkaufsgespräche oft auf das Abfragen der Artikelnummer und die Antwort: „Ist nicht da, müsste ich Ihnen bestellen.“

„Der Modellbahnbranche fehlt eine Gesamtstrategie, um die 300 000 verbliebenen Kunden zu halten“, findet Robert Schuh von der IG Metall-Bezirksleitung Nürnberg. Auf Betriebsräte-Ebene redeten die Hersteller schon miteinander und würden gern auch Mängel in Betriebsabläufen aufdecken. Doch auf Geschäftsleitungsebene täten sich die Firmen schwer.

Lehmann, in Sachen Großbahn eine Leitmarke wie Märklin in H0, schotte sich ab, sagt Schuh. Auf einer Betriebsversammlung im April, berichten mehrere Informanten, wurde die Belegschaft auf den notwendigen Erfolg des 125-jährigen Jubiläums im Juli eingeschworen – und ein Personalabbau um 10 % angekündigt. Zurzeit beschäftigt das Ernst Paul Lehmann Patentwerk noch 200 Mitarbeiter.

Große Absatzprobleme erzeugten bei der Modellbahnbranche der Kaufkraftschwund und die Flut von Sammlermodellen, die über Ebay auf den Markt drängen. Die wegsterbenden Sammler hinterlassen oft seit 30 Jahren unverändert gebaute, neuwertige Modelle. 15 000 Märklin-Artikel sind laufend im Internet preiswert zu haben. Für 72 € geht eine einfache digitalisierte Dampflok über den virtuellen Tresen, die beim Händler 280 € kostet – zu teuer für Familienväter.

Märklin setzte 2005 nur noch 123 Mio. € um und war mit 55 Mio. € Schulden belastet. „Es fehlt am klaren Profil und günstigen Einsteigermodellen“, bemängelt ein Branchenspezialist. Märklin hatte die Preise trotz Absatzschwäche branchentypisch jährlich um ca. 6 % erhöht. Piko in Sonneberg dagegen bietet in China gefertigte Loks und Wagen sehr günstig auch über Lebensmitteldiscounter und Elektronikhändler an – und hat damit Erfolg.

Fleischmann hat seine treue Fangemeinde und fertigt mit knapp 400 Mitarbeitern in Deutschland. „Der Absatz ist bei über 20 % Export stabil“, sagt Vertriebschef Gerhard Scholz.

Die Spezialisierung auf Themen und Kundengruppen bringt auch andere deutsche Modellbahnhersteller voran: So baut Bemo in Deutschland einen Großteil der Schweizer Schmalspurmodelle und lagert nur sehr arbeitsintensive Kleinserienmodelle nach Tschechien aus.

Gützold und Tillig fertigen in Ostdeutschland hochfeine Spezialitäten, und Brawa in Remshalden lebt von hochdetaillierten Modellen in mehreren Maßstäben, wenn auch aus chinesischer Produktion.

Über Geschäftszahlen schweigen sich die Inhaber-geführten Firmen aus. Sie haben ihr Auskommen, doch hohe Renditen dürften sie nur selten erreichen. Kann sein, dass sich daher Kingsbridge bei dem hochkomplexen Gebräu aus der Produktion in mehreren Ländern, fordernden Fans, zähem Fachhandel, schrumpfendem Kundenpotenzial und überkommenen Traditionen verschluckt.

FRIEDHELM WEIDELICH

Von Friedhelm Weidelich

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