Personalmanagement

„Innovationskraft beginnt mit der richtigen Qualifizierung“

VDI nachrichten, Ettlingen, 18. 2. 05 -Warum es im Eigeninteresse von Unternehmen liegen muss, sich selbst um die Qualifikation von Fachkräften zu kümmern anstatt nur über die Politik zu schimpfen, schildert Dr. Eberhard Veit, Vorstandssprecher beim Automatisierungsspezialisten Festo in Esslingen.

VDI nachrichten: Können es sich Unternehmen leisten, Bildungsprobleme auf die Politik abzuwälzen oder müssen Unternehmen selbst tätig werden?
Eberhard Veit: Innovationskraft und Produktivität beginnen mit Qualifizierung. Für Unternehmen ist das Thema „Bildung“ daher wettbewerbsentscheidend. Eine erstklassige Schul-, Universitäts- und Forschungslandschaft bildet dafür die Voraussetzung. Hier ist die Politik gefragt.
Besonders in anspruchsvollen Märkten, wie der Automatisierungstechnik, sind darüber hinaus innovative Lösungen gefragt, um die Qualifizierung fortlaufend an die steigenden Anforderungen durch technischen Fortschritt und Globalisierung anzupassen. Wir sehen daher die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter im eigenen Unternehmen, aber auch von Fachkräften im gesamten Spektrum der Fertigungs- und Prozessautomation als strategischen Erfolgsfaktor.
Wir bieten unseren Mitarbeitern und Kunden in allen Wirtschaftsregionen innovative wettbewerbsfähige Lernsysteme, ausgerichtet an dem Bedarf in der Praxis. Neben Unternehmen unterstützen wir mit einem eigenen Geschäftsbereich „Didactic“ dabei auch Berufsschulen, Hochschulen und andere universitäre und öffentliche Bildungseinrichtungen.
VDI nachrichten: Gibt es neben dem globalen Preiskampf und Wettbewerb bei Technologien auch einen Wettbewerb der „Köpfe“?
Eberhard Veit: Gerade deutsche Unternehmen stehen unter einem enormen Kosten- und Wettbewerbsdruck. Unbestritten bleibt die Tatsache, dass die Ressource Mensch mit ihrem Wissen und Können in jedem Unternehmen ein absolutes Alleinstellungsmerkmal darstellt, durch deren Management es gelingen kann, nachhaltig Erfolge zu erzielen.
Unternehmen werden, um überleben zu können, ständig auf der Suche nach den Mitarbeitern mit der höchsten „Employability“, d. h. „Beschäftigungsfähigkeit“ sein. Kreativer zu sein als andere und die Kreativität schneller in Ergebnisse und Erfolge umzusetzen, wird künftig für die Wettbewerbsfähigkeit noch entscheidender sein. Ein primäres Ziel muss es sein, die Fähigkeiten, Talente und das Know-how der Mitarbeiter zu kennen, ihre Stärken zum Einsatz zu bringen und durch Weiterbildung gezielt zu fördern.
VDI nachrichten: Wie können wir es schaffen, bei jungen Menschen mehr Interesse für technische Berufe zu wecken?
Eberhard Veit: Wir sehen eine Kernaufgabe darin, junge Menschen für Technik zu begeistern und ihnen Chancen in Zukunftsberufen, wie der Mechatronik, aufzuzeigen. Die öffentliche Wahrnehmung technischer Berufe ist leider noch zu gering.
Viele Initiativen im Jahr der Technik, wie „Go for High Tech“ während der Hannover Messe, „Wissenschaftssommer“ oder „Science Days“, haben eindrucksvoll bewiesen: Technik ist spannend und Gegenstand für eine faszinierende berufliche Laufbahn. Techniktage, Schulkooperationen, Informationstage für Schüler, Lehrer und Studierende bieten die Chance zum spielerischen Erfahrungsaustausch und für langjährige Partnerschaften. Technikinteresse beginnt mit der richtigen Fächerwahl in der Schule und dem gemeinsamen Engagement von Lehrern und Unternehmen.Wir setzen uns darüber hinaus für Höchstleistungen in der Ausbildung und internationale Bildungsstandards ein — als Hauptorganisator der alle zwei Jahre stattfindenden Berufsweltmeisterschaften „WorldSkills Mechatronik“ und diverser nationaler Vorentscheidungen.
Wettkämpfe sind das Salz in der Suppe überall dort, wo Jugendliche Leistung bringen wollen oder sollen. Für die berufliche Qualifizierung ist die WorldSkills Competition das, was 2006 in Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaften sind: Alle zwei Jahre treffen sich die besten Auszubildenden aus aller Welt, um vor rund 180 000 Zuschauern das beste Team in den verschiedenen Berufen zu ermitteln. Dieses Jahr im Frühsommer in Helsinki.
VDI nachrichten: Welchen Beitrag können Unternehmen zur Know-how-Bildung am Standort Deutschland leisten? Und welche Konzepte gibt es dazu?
Eberhard Veit: Bei klassischer Ausbildung und Studium steht eher abstraktes Wissen im Vordergrund. Da dieses eine immer kürzere Halbwertzeit hat, ist es wichtig, darüber hinaus praxisnahes anwendbares Wissen zu vermitteln. Hierzu können Unternehmen einen maßgeblichen Beitrag leisten.
Wir unterstützen z. B. unsere Mitarbeiter und Kunden, aber auch Hochschulen und Bildungsträger mit Qualifizierungslösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Automation bis hin zur schlüsselfertigen Ausrüstung von Lernzentren. Industrielle Prozessabläufe sind an praxisnahen modularen Systemen erlernbar, ohne dass an den Industrieanlagen geübt werden muss. Anstelle des abstrakten inhaltsbezogenen Lernens ist prozessbegleitendes Lernen gefragt. Wir betrachten das Thema „Bildung“ im Kontext der Globalisierung für alle Wirtschaftsregionen. Durch Kooperationen mit lokalen Bildungsträgern leisten wir einen direkten Wissenstransfer in wichtige lokale Industrien, wie z. B. in Indonesien oder in Vietnam.
VDI nachrichten: Wie können Unternehmen sicherstellen, dass sie von ihrem Einsatz für die Bildung auch selbst profitieren?
Eberhard Veit: Qualifizierung ist immer eine längerfristige, ganzheitliche und nachhaltige Investition in die Zukunft. Sie erschließt neue Märkte, bindet Kunden und Mitarbeiter. Unternehmen und Bildungsträger profitieren von Kooperationen gleichermaßen.
Ziel muss es sein, das im Unternehmen vorhandene sowie von Mitarbeitern durch Weiterbildung erworbene Wissen in neue betriebliche Zusammenhänge zu stellen und produktivitätssteigernd umzusetzen. Entscheidend ist, dass dieses Wissen dem Unternehmen als Organisation über den einzelnen Mitarbeiter hinaus zugänglich gemacht wird. Für die Weiterbildung von Fach- und Führungskräften haben wir dafür den „C-Master“ entwickelt. Experten-Netzwerke mit „Communities of Practice“ ermöglichen über einzelne Maßnahmen hinaus das lebenslange Lernen im Prozess.
Hoch qualifizierte Mitarbeiter an den Standorten sind die Voraussetzung für Wachstum. Public Private Partnerships ermöglichen die Zusammenarbeit auch in der Aus- und Weiterbildung. Wir haben mit unserem überbetrieblichen Lernzentrum im Saarland positive Erfahrungen gemacht und Nutzen für die eigenen Mitarbeiter und die Region generiert und damit zusätzliche Ausbildungsplätze, gerade auch in neuen Berufen, Wirklichkeit werden lassen.
Weltweit qualifizieren wir dazu pro Jahr rund 42 000 Kunden und rüsten 50 000 Unternehmen, Hochschulen und Bildungseinrichtungen mit Lernsystemen der Automatisierungstechnik aus. Durch die breite Qualifizierung standen nach kurzer Zeit in wichtigen Wirtschaftsregionen qualifizierte Fachkräfte für uns und unsere Kunden zur Verfügung. Diese brachten zusätzlich wichtiges regionales Know-how in ihre Arbeit ein, z.B. zur Entwicklung und Produktion regionaler Produkte.
VDI nachrichten: Kurzfristig wird die Politik das Bildungssystem wohl kaum praxisgerechter gestalten können. Aber welche Maßnahmen sind für Sie mittelfristig zu realisieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern?
Eberhard Veit: Die aktuelle Entwicklung in Deutschland zeigt ein eher abnehmendes Interesse an Naturwissenschaften, Informatik, Mathematik und Technik. Das öffentliche Bewusstsein für die Zukunfts-Chancen im Bereich Technik muss also weiter geschärft werden.
Viele Unternehmen, Hochschulen und Nationen haben bereits erkannt, dass qualifizierte Arbeitskräfte der Erfolgsfaktor für die Zukunft sind. Sie machen Bildung zu ihrem Thema, z.B. in dem sie die Berufsweltmeisterschaften in ihr Land holen, und sichern sich so den Ausbau ihrer technologischen Leistungsspitze. Entscheidend wird der Dialog und die enge Zusammenarbeit von Unternehmen und Bildungsträgern im Bereich der anwendungsorientierten Aus- und Weiterbildung sein.MARTIN CIUPEK

Von Ciupek

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