Management

„Innovationskraft wird nicht ausgeschöpft“

Beschäftigte haben oft keine Gelegenheit, im Betrieb etwas Neues zu lernen, z. B. durch Job-Rotation. Unternehmen bringen sich um die Chance, ihre Innovationskraft zu steigern, so der Fraunhofer Forscher Hartmut Buck.

VDI nachrichten: Welche Folgen hat die Überalterung der Gesellschaft für die Unternehmen?
Buck: Der Anteil der Älteren in den Belegschaften wird vor allem ab dem Jahr 2010 stark zunehmen. Die Personalpolitik der vergangenen Jahre, für Innovationen vor allem junge Mitarbeiter einzustellen, wird so nicht mehr funktionieren.
VDI nachrichten: Sollen jetzt keine Jüngeren mehr eingestellt werden?
Buck: Natürlich sollen weiterhin Jüngere eingestellt werden, sofern sie zur Verfügung stehen. Wichtig ist aber, dass die Altersstruktur in den Betrieben ausgewogen gestaltet wird, dass es nicht zu viele ältere und nicht zu viele jüngere Mitarbeiter gibt. Es sollten sowohl stürmische Rekrutierungs- wie auch Verrentungswellen vermieden werden. Wenn absehbar ist, dass ein bedeutender Anteil der Belegschaft in ein paar Jahren auf einen Schlag in den Ruhestand geht, dann sollten Unternehmenschefs rechtzeitig reagieren und neue Mitarbeiter einstellen, um Verantwortung und Erfahrung frühzeitig auf Jüngere übertragen zu können. Ich bin mir aber auch darüber im klaren, dass die Einstellung zusätzlicher Jüngerer immer von der Auftragslage mit bestimmt wird.
VDI nachrichten: Was können Unternehmen tun, um in einer alternden Gesellschaft ihre Innovationskraft zu sichern?
Buck: Sie müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter technologisch immer auf dem neuesten Stand sind, sie müssen in die Qualifizierung investieren. Und sie dürfen die Älteren bei der Weiterbildung nicht abschreiben. Ideal wäre es beispielsweise, wenn Ältere und Jüngere gemeinsam in Projektgruppen arbeiten, um ihre unterschiedlichen Stärken zusammenzuführen.
VDI nachrichten: Wird das zu selten praktiziert?
Buck: Altersgemischte Arbeitsgruppen sind eher ein Produkt des Zufalls als der systematischen Planung. Meist wird pragmatisch vorgegangen: Jeder wird so eingesetzt, dass nur seine bereits vorhandenen Fähigkeiten zur Geltung kommen. Die Chance, in diesen Gruppen durch Job-Rotation Neues zu lernen, wird häufig vernachlässigt. Das führt oft dazu, dass ältere Arbeitnehmer von innovationsrelevanten Gestaltungs- und Entwicklungsarbeiten ausgeschlossen sind, weil sie ihnen nicht mehr zugetraut werden. In der Regel werden Jüngere dort eingesetzt, wo IT-Qualifikationen gefragt sind, die Erfahrungen der Älteren bleiben außen vor. Die im Betrieb vorhandene Innovationskraft wird nicht voll ausgeschöpft.
VDI nachrichten: Sind ältere Arbeitnehmer noch so leistungsfähig, dass sie in einer dynamischen Wirtschaft mithalten können?
Buck: Ich will nicht ein Bild des älteren Arbeitnehmers verbreiten, der noch alles kann. Es ist aber ein Vorurteil, dass mit zunehmendem Alter die Leistungskraft automatisch rapide nachlässt, wie man bei vielen Führungskräften sehen kann. Die sind mit 65 Jahren oft noch sehr leistungsfähig.
VDI nachrichten: Aber die Leistungskraft sinkt mit dem Alter, das lässt sich medizinisch nachweisen.
Buck: Das stimmt zwar, aber meist nur für einzelne Leistungsparameter und in einem so geringen Maß, dass die Anforderungen in vielen Berufen problemlos bewältigt werden können. Schwierigkeiten sehe ich nur dann, wenn Arbeitnehmer über Jahre in ihrem Beruf einseitig belastet wurden, zum Beispiel in Produktionsbetrieben durch das Heben schwerer Gegenstände, aber auch durch die pausenlose Arbeit am Bildschirm. Nur wenn geistige und körperliche Fähigkeiten während des Arbeitslebens unzureichend genutzt und trainiert werden, lässt später das Leistungsvermögen nach. Zur Vermeidung von Leistungseinbußen reicht im Prinzip ein systematischer physischer und psychischer Belastungswechsel aus.
VDI nachrichten: Jüngere Mitarbeiter bringen, vor allem, wenn sie von der Hochschule kommen, das neueste Wissen mit. Geraten Ältere dadurch nicht ins Hintertreffen?
Buck: Nur dann, wenn sie nicht gelernt haben, wie man sich auf dem neuesten Stand hält. Beispiele aus der IT-Branche belegen, dass gerade Ältere ab Mitte 40 ein ausgeprägtes Bewusstsein dafür haben, wie wichtig es ist, sich neues Wissen anzueigenen, weil sie in der Regel schon mehrere Technologiesprünge erlebt und bewältigt haben. Sie haben begriffen, wie schnell Wissen heute veraltet. Jüngeren fehlt dagegen oft die Motivation weiter zu lernen, weil sie glauben, auf dem neuesten Stand zu sein. Sie sind noch zu wenig für die Notwendigkeit des kontinuierlichen Lernens sensibilisiert.
VDI nachrichten: Ältere Mitarbeiter gelten bei vielen Arbeitgebern als zu teuer. Ist das ein Problem?
Buck: In vielen Ländern steigt das Gehalt nicht mit der Betriebszugehörigkeit, es bemisst sich vor allem danach, wie komplex eine Aufgabe ist oder wie schnell sie erledigt wird. Außerdem wird in Deutschland bei der Bezahlung noch sehr stark zwischen Fach- und Führungsaufgaben unterschieden, auch das wird im Ausland nicht so streng getrennt, vor allem nicht in den USA. Diese Frage wird in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen, vor allem in US-Konzernen mit deutscher Beteiligung. HARTMUT STEIGER

Von Hartmut Steiger

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