Personalmanagement

Ingenieure leiden unter mangelhafter Führung  

VDI nachrichten, Bochum, 21. 9. 07, has – Ingenieure und Naturwissenschaftler sind mit ihren Arbeitsbedingungen zufriedener als Arbeitnehmer mit geringerer Qualifikation und schlechterem Einkommen. Dennoch klagen auch höher Qualifizierte über geringe Aufstiegschancen oder schlechte Arbeitsplanung durch Vorgesetzte. Zu diesem Ergebnis kommt der DGB-Index „Gute Arbeit“.

Die „gefühlte“ Arbeitswirklichkeit bildet der DGB mit einem erstmals vorgestellten statistischen Index ab. Nur 12 % der Arbeitsplätze in Deutschland werden darin von den Beschäftigten als umfassend positiv beschrieben. 54 % liegen im Mittelfeld, ein gutes Drittel der Arbeitsplätze (34 %) ist mangelhaft.

Der Index beruht auf den Aussagen von 6000 Beschäftigten aus allen Regionen, Branchen, Einkommensgruppen und Arbeitsverhältnissen und ist damit repräsentativ für die arbeitenden Menschen in Deutschland. Ingenieure und Naturwissenschaftler schneiden in dem Index „Gute Arbeit“am Besten ab. Immerhin 23 % dieser Gruppe schätzen ihre Arbeitsbedingungen in einem solchen Maße als entwicklungs- und lernförderlich ein, dass sie das Prädikate „Gute Arbeit“ erreichen. Aber auch dort klagen 21 % über mangelhafte Arbeitsbedingungen. Woran liegt“s?

Für Tatjana Fuchs vom untersuchenden Institut Inifes (Internationales Institut für empirische Sozialökonomie) in Augsburg ist auffällig, dass Ingenieure und Naturwissenschaftler, insgesamt lagen von ihnen 600 Antwortbögen vor, vor allem mangelhafte Führung beklagen. Durch Vorgesetzte gebe es beispielsweise bei mehr als der Hälfte keine gute Arbeitsplanung. Einen eigenen und relevanten Einfluss auf die zu erledigende Arbeitsmenge haben nur 36 % der Beschäftigten (siehe Tabelle).

Wie wird in diesem Index Arbeitszufriedenheit ermittelt? Sie ergibt sich „aus dem Verhältnis der Ansprüche, die Menschen an eine Arbeit stellen, und den Erfahrungen, die sie machen.“ Es zeigt sich dabei, dass die Arbeitszufriedenheit sprunghaft mit den besseren Arbeitsbedingungen zunimmt.

In den Index „Gute Arbeit“ fließen 15 Kategorien ein, von Qualifizierungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bis Einkommen. Gefragt wurde sowohl nach positiven Faktoren der Arbeitsgestaltung wie Aufstiegs- oder Weiterbildungsmöglichkeiten wie auch nach Belastungen, z. B. hoher Arbeitsintensität, und nach Einkommen und Arbeitsplatzsicherheit. Die Ergebnisse werden auf einer Skala von 0 bis 100 eingestuft. Erreicht ein Job weniger als 50 Punkte, handelt es sich um „schlechte oder unzumutbare Arbeit“. Ab 80 Punkte beginnt die Kategorie „Gute Arbeit“, mit angemessenem Einkommen, geringen Belastungen und ausreichenden Entwicklungschancen.

Im Startjahr 2007 erreicht er für alle Berufe im Schnitt einen Wert von 58 Punkten und liegt damit 22 Punkte hinter den Mindestanforderungen an „Gute Arbeit“, aber nur acht Punkte oberhalb der Grenze zu schlechter Arbeit. „Der Indexwert zeigt große Defizite und ein erhebliches Verbesserungspotenzial,“ sagte der DGB-Vorsitzende Michael Sommer. Im Schnitt sei der berufliche Alltag geprägt von Arbeits- und Zeitdruck, fehlenden Aufstiegsperspektiven, geringer beruflicher Zukunftssicherheit und einem nicht angemessenen Einkommen.

Entstanden ist der Index als Projekt der gewerkschaftsübergreifenden „Initiative Trendwende“. Er wird künftig von einer Servicestelle, getragen von DGB und seinen Mitgliedsgewerkschaften, fortgeführt. Sie bietet neben weiteren Auswertungen des Datenmaterials Unternehmen oder Betriebsräten Mitarbeiterbefragungen und deren Auswertung an. Die Servicestelle will die Unternehmen auch dabei unterstützen, Konsequenzen aus den Ergebnissen zu ziehen.

Denn der Index mache transparent, was konkret verbessert werden könne. „Wir wollen einen Wettbewerb um Gute Arbeit“, betonte DGB-Chef Michael Sommer bei der Index-Präsentation.

Die detaillierten Ergebnisse sind aber auch für die Gewerkschaften innerorganisatorisch relevant. Das betont Yasmin Fahimi von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) gerade im Hinblick auf so genannte „gewerkschaftsferne“ Zielgruppen.

Für Fahimi, die an der Entwicklung des Indexes mitgearbeitet hat, bestätigt die Untersuchung, dass gerade qualifizierte Beschäftigte ein großes Bedürfnis nach individueller Gestaltung ihrer Arbeitszeit haben. Bei dem geringen eigenen Einfluss auf die zu erledigende Arbeitsmenge drohen allerdings gesundheitliche Überbelastungen dieser Beschäftigtengruppe.

 

„Wir müssen uns als Gewerkschaft damit auseinandersetzen, wie wir Vertrauensarbeitszeit regeln können.“ Vorstellbar sind für sie Vereinbarungen mit Arbeitgebern, die sich an den tariflichen Regelungen bei der Schichtarbeit orientieren. „Wenn die Arbeitszeit nicht mehr erfasst, aber vom Mitarbeiter erwartet wird, dass er sich auch unterwegs oder zu Hause mit seinem Laptop ins Firmennetzwerk einklinkt, muss es sich für ihn auch finanziell lohnen.“

Nach Ansicht des IG-Metall-Vorsitzenden Jürgen Peters spiegeln diese Ergebnisse die Kostensenkung in den Unternehmen wider. Doch mit dieser Strategie würden nur Leistungsbereitschaft und Motivation der Beschäftigten untergraben und letztlich die Wettbewerbsfähigkeit gemindert. ANDREAS UPHUES

Von Andreas Uphues

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