Berufsbild Ingenieur

Ingenieure wollen mehr Freiraum für Engineering und Konstruktion

Für das eigentliche Engineering bleibt den Ingenieuren nur wenig Zeit, der Aufwand für interne Kommunikation und Projektkoordination wird oft als zu groß wahrgenommen und nicht selten fällt die Informationsbeschaffung schwer. Auf soziale Netzwerke als Informationsquelle aber legen sie wenig Wert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Gemeinschaftsstudie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) mit dem Fraunhofer-Institut IPK und dem Systemhaus Contact Software.

„Produktentwicklung und Produktdatenmanagement (PDM) sind heute im dynamischen und komplexen Zusammenspiel vieler Unternehmen und Prozesse eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Das gilt für große Unternehmen wie auch für Mittelständler und kleinere Firmen“, betont Prof. Rainer Stark, Direktor des Geschäftsfeldes Virtuelle Produktentstehung am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) in Berlin. Zwar ständen zahlreiche Hilfsmittel den Ingenieuren zur Verfügung – doch sorgten diese manchmal eher für mehr Frustration als für weniger Arbeitsaufwand.

In einer gemeinsamen Online-Umfrage des Fraunhofer IPK, der Contact Software GmbH, Bremen, und des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf zum Thema „Kollaborative Produktentwicklung und digitale Werkzeuge“ wurde deshalb den Potenzialen und Defiziten bei der Arbeit der Produktentwickler auf den Grund gegangen: Rund 1400 Ingenieure – Entwickler, Konstrukteure, Projektleiter, Projektmanager, Verantwortliche für Engineering sowie Verantwortliche aus der Geschäftsführung antworteten.

Ingenieure: Konzentration auf Kernaufgabe Konstruktion besonders wichtig

„Über die fachliche Zuordnung, die unsere Mitglieder selbst vornehmen, konnten wir die richtige Zielgruppe für den Fragebogen präzise ansprechen. Die hohe Zahl an Antworten der Ingenieure, Entwickler und Projektleiter, von Engineering-IT-Verantwortlichen und Geschäftsführern zeigt, dass das gelungen ist. Und sie zeigt auch die Wichtigkeit des Themas für Ingenieure“, kommentiert Heinz Bedenbender, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Abteilung Technik und Wissenschaft, VDI. Die Umfrageergebnisse sollen für den Einsatz bedarfsgerechter Engineeringsoftware in eine IT-Roadmap des VDI-Fachbeirats IT einfließen, die im Jahr 2013 veröffentlicht wird, so die Planung.

„Es ging um mehr als eine Bestandsaufnahme der Arbeitssituation der Ingenieure. Wir wollten genauer verstehen, wie der Ingenieur im Entwicklungsprozess mit anderen zusammenarbeitet, welche Werkzeuge und Systeme er dabei einsetzt und wie er seine eigene Arbeitssituation bewertet“, erklärt Dipl.-Ing. Patrick Müller, Forscher im Bereich Virtuelle Produktentstehung am IPK.

Bestätigt hat sich in der Auswertung vor allem der ungebrochen hohe Einsatz des E-Mail-Verkehrs in der täglichen Ingenieurspraxis. Rund drei Viertel aller Befragten nutzen E-Mails zur Kommunikation, Koordination, aber insbesondere auch zur Übermittlung von Produktdaten – trotz der vergleichsweise hohen Sicherheitsrisiken.

Die Studie weise zudem nach, dass Ingenieure nur sehr wenig Zeit für ihre Kernaufgaben wie Konstruktion und Absichern neuer Systeme oder Systemkomponenten haben. Aufgaben der Kommunikation und Koordination binden laut Umfrage viel Zeit, die an anderer Stelle für kreatives, zielgerichtetes Arbeiten fehlt. „Die Koordination moderner Entwicklungsprojekte verdrängt zunehmend technisch fundiertes Engineering und konstruktive Tätigkeiten“, so Stark weiter.

Ungenügende Informationsbeschaffung schränkt Ingenieure zusätzlich ein

Zusätzlich empfinden die Ingenieure eine große Arbeitsbeeinträchtigung durch oftmals eingeschränkte Informationsbeschaffung und plädieren für ein Projektmanagement, das Zuständigkeiten, Arbeitsumfänge und Projektfortschritte transparenter macht, sowie für ein Google-ähnliches Suchsystem für alle Unternehmens- und Projektdaten. Die Zusammenarbeit wiederum ist in fast 80 % der Fälle betriebsintern am intensivsten. Mehr als 50 % der Befragten betonen laut Umfrage, dass die Zusammenarbeit mit Externen nur gelegentlich bzw. fast nie stattfinde.

„In Anbetracht des großen Out-sourcing-Anteils gerade in der Automobilindustrie wäre eine größere Zusammenarbeit mit Externen zu erwarten“, sagt Müller. Das ist allerdings nicht der Fall. Dazu passe auch, dass die Mehrheit der Ingenieure den Wert sozialer Netzwerke als interne oder externe Informationsplattform eher als weniger nützlich einschätzt.

„Wichtiges Ziel der Studie ist es, Ingenieure für solche Thematiken zu sensibilisieren und ihnen einen Weg zur Positionierung ihrer Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen aufzuzeigen“, betont Müller. Darüber hinaus sollen Softwareanbieter über die Auswertung mit aktuellen Fakten versorgt und zur Entwicklung geeigneter digitaler Werkzeuge angeregt werden – von denen wiederum die Produktentwickler bei ihrer täglichen Arbeit profitieren. 

Von O. Klempert
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