Management

In vielen Chefetagen herrscht Selbstbedienung

Der gerade anstehende „Mannesmann-Prozess“ weist nur auf die Spitze des Eisbergs. Immer häufiger langen Vorstände kräftig zu. Die Wirtschaftsexperten Michael Adams und Volker Arnold kritisieren eine zunehmende Selbstbedienungsmentalität.

Großzügige Bonusregelungen, üppige Gehälter, maßlose Abfindungen. In den deutschen Führungsetagen hat sich eine Selbstbedienungsmentalität breitgemacht, die nichts mit den Anforderungen des Marktes zu tun hat, kritisieren Wirtschaftsexperten.
Die üppigen Gehälter seien auf keinen Fall marktgerecht, betont etwa Michael Adams, Professor für Wirtschaftsrecht an der Uni Hamburg. Auch das Globalisierungsargument – wenn die Konzerne die besten Manager wollen, müssen sie eben auch Gehälter wie in den USA bezahlen – sei einfach nur absurd. So bekäme etwa der BMW-Vorstand nur ein Viertel von dem, was der Vorstand bei DaimlerChrysler verdiene, BMW baue aber qualitativ gleichwertige Autos, der Markt würde also gleiche Gehälter nahe legen. „Dass BMW weniger zahlt, hat natürlich damit zu tun, dass dort die Quandt-Familie als Hauptaktionäre den Vorstand effektiv kontrolliert,“ erläutert Adams.
Mit solchen Gehältern, wie sie jetzt auch bei DaimlerChrysler gezahlt werden – immerhin 100 Mio. ` für 13 Personen im Jahr 2002 – würde die Motivation aller Beschäftigten bis in die unterste Etage zerstört. Schließlich müssten letztlich die Investoren und die Mitarbeiter diese Riesensummen aufbringen. Als Folge nehme die „Brutalität“ gegenüber den Mitarbeitern zu. Und: „Wenn man versucht, das Geld über die Börse reinzuholen, ist langfristig das gesamte Unternehmen gefährdet“, erklärt der Jurist und Wirtschaftswissenschaftler Adams.
Bei den heute üblichen Zielvereinbarungen und Bonusregelungen ist es für viele Manager besonders verlockend, zum Karriereende noch einmal richtig abzukassieren. Wenn keine Aussicht besteht, wieder in den Vorstand gewählt zu werden, und die eigenen Entscheidungen nach dem Ausscheiden nicht sanktioniert werden können, gibt es Mittel und Wege, in die eigene Tasche zu wirtschaften, hat nicht nur Volker Arnold, Professor für Volkswirtschaftslehre an der FernUniversität Hagen, beobachtet.
„Es gibt immer noch viele ehrbare Kaufleute, die ihnen anvertraute Unternehmen gewissenhaft führen und nicht alle Manager sind Lumpen: das auf keinen Fall. Aber bei den Kapitalgesellschaften haben wir das Problem, dass nicht jeder Manager am Ende seiner Karriere das langfristige Wohl des Unternehmens im Auge hat. Und diese Fälle häufen sich“, erklärt Arnold. In einer individualisierten, marktwirtschaftlichen Gesellschaft müssten deshalb die Rahmenbedingungen immer wieder überprüft werden, damit individuelles Handeln auch das sozial erwünschte Ergebnis hervorbringe. Und bestehende Regeln, wie gesetzliche Normen, etwa im Steuerrecht, seien nun mal dazu da, eingehalten zu werden, erläutert der überzeugte Marktwirtschaftler.
Wichtig wäre deshalb zuallererst, dass die Justizbehörden den Druck auf Wirtschaftsstraftäter erhöhten. Darüber hinaus könnte auch der Gesetzgeber etwas tun: Wirtschaftsprüfer sollten nach drei oder vier Jahren zwangsweise ausgetauscht werden müssen. Und vom Vorstand dürften nicht mehr als zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat wechseln, um dann ihre eigenen Entscheidungen mitzukontrollieren. Auch wäre eventuell darüber nachzudenken, die Ruhestandsregelungen für ausscheidende Vorstände an die zukünftigen Jahresbilanzen zu koppeln. „Wenn jemand langfristig Schaden angerichtet hat, sollte sich das auf seine Ruhestandsbezüge auswirken“, schlägt Arnold vor.
Es wäre schlimm, wenn der Gesetzgeber wie in einem Tarifsystem direkt Einfluss auf die Managergehälter nehmen wollte, das ginge ja auch gar nicht, betont Ex-Topmanager Daniel Goeudevert. „Es wäre aber schön, wenn Beispiele bekannt würden, dass Manager erklären, wir haben uns selbst eingeschränkt, wir wollen nicht die höchstmögliche Summe bekommen, sondern wir wollen, dass unsere Firma funktioniert“, belässt es der Franzose mit langer Deutschlanderfahrung bei einem Appell an Ehre und Moral und weist darauf hin, dass die Aufsichtsräte der entscheidende Schwachpunkt sind. Die seien eben nur so gut, wie es die Kompetenz ihrer Mitglieder zulasse. Unsinnig sei auf jeden Fall die häufige Praxis, gleichzeitig mehreren Aufsichtsräten anzugehören. Ein oder höchstens zwei Mandate seien sinnvoll, mehr auf keinen Fall, betont Goeudevert.
„Ein ausgebuffter Vorstand macht doch mit den Aufsichtsratsmitgliedern, was er will, wenn die nicht wirklich qualifiziert sind,“ bestätigt Michael Adams. Engagement und Kompetenz der Aufsichtsräte müssten auf jeden Fall zunehmen. Reformvorschläge zur Verhinderung unangemessener Vergütungen, die nur auf eine verbesserte Transparenz setzen, könnten allerdings nur fehlschlagen, wie das US-Beispiel gerade gezeigt habe. In Deutschland habe sich das Aktiengesetz mit seiner schwammigen Leerformel von der Angemessenheit der Vergütung als untauglicher Schutz erwiesen. Sinnvoll sei es, die vom Aufsichtsrat festsetzbare Vorstandsvergütung auf die Gehaltskosten der Beschäftigten zu beziehen.
„2001 betrugen die durchschnittlichen Arbeitnehmerkosten in Deutschland 31 900 `, davon das 150fache als Obergrenze müsste genügen. Wenn mehr als 4,8 Mio. ` pro Jahr und Vorstandsmitglied bezahlt werden sollen, müsste die Aktionärshauptversammlung entscheiden. Und was die Aktionäre mit ihrem Geld machen, ist ja ganz allein deren Entscheidung,“ empfiehlt Michael Adams.
MANFRED BURAZEROVIC

Von Manfred Burazerovic

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