Personalmanagement

„In der Personalentwicklung greifen immer noch Stereotype“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 5. 08, jul – Mitte Juni fällt in Berlin der offizielle Startschuss für die neue Initiative „Talentschmiede Deutschland – Nationaler Pakt für Frauen in MINT-Berufen“. Christina Haaf koordiniert mit zwei Kolleginnen im Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit an der Bielefelder Fachhochschule die Öffentlichkeitsarbeit für die Initiative.

Haaf: Es gibt bereits sehr viele gute Maßnahmen in kleinem und regionalem Umfang, die durchaus sehr erfolgreich sind. Ein gutes Beispiel dafür ist das Modellprojekt „Techno-Club“ an der TU Berlin. In einer vom Techno-Club organisierten Veranstaltungsreihe lernen Schülerinnen die Uni von innen kennen und können sich nachhaltig mit Studentinnen und berufstätigen Frauen vernetzen. Der Pakt hat den Anspruch, die unterschiedlichen Partner, die in diesem Bereich aktiv sind, zusammenzubringen, um ganz gezielt herauszufiltern, welche Projekte besonders gut funktionieren und welche Projekte so gut sind, um in die Breite gestellt zu werden. Wir wollen genauer sehen, mit welchen Partnern wir das umsetzen können.

VDI nachrichten: Wo muss Ihrer Meinung nach angesetzt werden, um das Bild des Ingenieurberufs in der Gesellschaft zu ändern?

Haaf: Auf jeden Fall muss in die Gesellschaft getragen werden, was es in diesen Berufen an spannenden Tätigkeiten gibt. Im Informatik-Jahr 2007 ist die Broschüre „Zukunft gestalten – Ich werde Informatikerin“ erschienen. Die Beispiele dort zeigen auf, dass Informatik nicht nur heißt, nächtelang vor dem Rechner zu sitzen, sondern sich beispielsweise ein Kunststudium mit Informatik kombinieren lässt. Es gibt viele kleine Beispiele. Und so eine Kampagne soll dazu beitragen, diese Bilder in relevanten Medien, möglichst auch im Fernsehen, zu positionieren, um auf breiter Basis das immer wieder stereotype Bild, dass Technik unkommunikativ sei und Menschen überflüssig macht, aufzubrechen. Wir wollen die Vielfalt aufzeigen, die technische Berufe bieten.

VDI nachrichten: Was müssen Unternehmen, Netzwerke und Organisationen anders machen als bisher, um junge Frauen für den Ingenieurberuf zu begeistern?

Haaf: Es ist wirklich so, dass Unternehmen quasi einen Imagewandel vollziehen müssen. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Ingenieurinnen teilweise gar nicht eingestellt wurden. Man wollte keine weiblichen Ingenieure. Man hat es Frauen ganz einfach nicht zugetraut. Mittlerweile hat sich vieles in den Betrieben geändert. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Unternehmen mit Teams aus Männern und Frauen erfolgreicher arbeiten, weil die Technikentwicklung so schnell auf so vielfältige Zielgruppen hin ausgerichtet ist, dass es nur logisch ist, dass Teams, in denen diese Zielgruppen mitarbeiten, erfolgreicher sind. In der Personalentwicklung greifen nach wie vor Stereotype.

VDI nachrichten: Und wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht?

Haaf: Wenn man etwa an Teilzeit denkt, sind für kleine und mittelständische Unternehmen solche Regelungen nicht einfach. Für diese Unternehmen sind Ingenieure und Ingenieurinnen das Kapital. Sie schrecken aber zurück, wenn Frauen für kurze Zeit befristet aussteigen wollen, obwohl diese betriebstreuer sind als ihre männlichen Kollegen. Diese wechseln schneller den Betrieb und gehen diesem aus anderen Gründen verloren. Also ist es nicht unbedingt von Vorteil, überwiegend Männer in der Technik im Unternehmen zu haben. Hier ist die Gesellschaft insgesamt gefragt, ihre Perspektive zu verändern.

VDI nachrichten: Welche Maßnahmen an der Schnittstelle von Studium und Beruf können Sie sich vorstellen, damit sich junge Frauen leichter entscheiden, in die Wirtschaft zu gehen?

Haaf: Eine Maßnahme ist gezieltes Mentoring, d. h. Studentinnen sollten früh mit den Frauen in Kontakt kommen, die in diesen Unternehmen arbeiten. Die gezielte Vergabe von Praktika muss verbessert werden. Ein Düsseldorfer Fachhochschullehrer berichtete mir, wie schwierig es ist, für seine Maschinenbauerinnen im Hauptstudium Plätze zu finden. Wie sollen sich Absolventinnen dann in der Wirtschaft bewerben, wenn sie erleben, dass sie nicht gewollt sind. Die Stärkung von Schlüsselqualifikationen ist wichtig, d. h. sich durchsetzen zu können. Es sollte auch besser deutlich gemacht werden, dass in Unternehmen und nicht nur an der Hochschule geforscht werden kann. Da fehlt es noch an Aufklärungsarbeit.

VDI nachrichten: Sie wollen das erfolgreiche Prinzip von Vorbild und Nachahmung aufgreifen. Wie sieht das genau aus?

Haaf: Es ist ein Rollenvorbild-Projekt in Planung. Daran beteiligen sich zahlreiche Frauentechnik-Projekte und Verbände. Eine Institution koordiniert es federführend. Durch die Kampagne sollen bundesweit Strukturen geschaffen werden, um in den Schulen Rollenvorbilder einsetzen zu können. Diese Rollenvorbilder – sprich diese erfolgreichen Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen – werden mit Trainings unterstützt. Ziel ist, ein Veranstaltungsformat zu kreieren, das den Schülern und Schülerinnen etwas bringt und spannend ist.

Das Interview führte Ines Gollnick.

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