Management

„In der Forschung kann sich der Westen behaupten“  

Noch immer laufen in den USA Asbestklagen gegen eine ABB-Tochter, ein Vergleich in Milliardenhöhe scheiterte. Im Interview erklärt Kindle die ehrgeizigen Margenziele, beurteilt die Chancen in China und den Stellenwert des Werkplatzes Europa.

VDI nachrichten: Herr Kindle, ABB hat vor kurzem die Jahresresultate 2004 präsentiert. Sind Sie zufrieden?

Kindle: Ja, wir konnten das Ergebnis um 1 Mrd. $ verbessern. Nach drei Verlustjahren wiesen wir zum ersten Mal wieder einen Gewinn aus. Es gibt aber auch kritische Punkte: Das Asbestproblem ist noch nicht gelöst, die Verwaltungskosten müssen weiter gesenkt werden und Einmalaufwendungen haben den Gewinn zu stark verwässert.

VDI nachrichten: Ihre Ziele für 2005?

Kindle: Als erstes möchten wir das Thema Asbest endgültig lösen und damit für den Konzern diesen Störfaktor beseitigen. Operativ haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Marge bis Ende 2005 von heute 5,2 % auf 7,7 % zu erhöhen. Das ist ambitiös, aber realistisch.

VDI nachrichten: Die Marge für die Division Energietechnik betrug 2004 nur 7 % und ist damit recht weit vom vorgegebenen Ziel für 2005 von 10 % entfernt. Ist das nicht unrealistisch?

Kindle: Nein, das ist nicht unrealistisch, aber ehrgeizig. Wir konnten im Vergleich zu 2004 einige wichtige Ertragsprobleme lösen. Das uns belastende Geschäft im Leitungsbau wurde größtenteils restrukturiert und befindet sich im Verkaufsprozess. Dies kostet uns 2005 noch einen kleineren Millionen-Betrag, was gegenüber den Abschreibungen von 75 Mio. $ in 2004 vergleichsweise gering ist. Dann haben wir im Systemgeschäft auf Grund des guten Bestellungseingangs eine wesentlich bessere Situation als noch vor einem Jahr. Somit haben wir ein gutes Fundament für die 10 % Marge, zumal der Bereich sehr erfolgreich wirtschaftet.

VDI nachrichten: Das Programm zur Produktivitätssteigerung, Step Change, wurde letztes Jahr abgeschlossen, nachdem Kosten von mehr als 900 Mio. $ eingespart werden konnten. Wird es ein Nachfolgeprogramm geben?

Kindle: Nein. Der Grund liegt darin, dass Step Change eine nachhaltige Wirkung entfaltet hat. In der Zwischenzeit ist ABB stark gewachsen und wir haben keinen außerordentlichen Restrukturierungsbedarf. Aber die Konzernkosten wollen wir dieses Jahr von über 500 Mio. $ auf 450 Mio. $ runter drücken.

VDI nachrichten: Es besteht ein gewaltiger Kostendruck durch die Dynamisierung der Märkte, und der Druck zur Verlagerung von Arbeitsplätzen wird nicht nachlassen. Sehen Sie Chancen für Europa?

Kindle: Als Märkte sind China und Indien eine riesige Chance für uns. Unsere europäischen Werke profitieren ganz erheblich von der Entwicklung in Asien. Aber Europa ist einem großen und zunehmenden Wettbewerbsdruck aufgrund der sehr niedrigen Produktionskosten dort ausgesetzt. Für Europa bestehen Chancen bei solchen Produkten, die sich durch einen beträchtlichen Innovationsgrad auszeichnen und einen hohen Qualitätsanspruch erfüllen, sowie für Produkte, die geringe Lohnkosten in der Herstellung erzeugen.

VDI nachrichten: 2004 gab ABB eine 100 Mio. $-Investition in ein indisches Forschungszentrum bekannt. Ist das der Beginn der Verlagerung der Forschung in die Wachstumsmärkte?

Kindle: Grundsätzlich gibt es in der Forschung und Entwicklung Projekte, die in Indien oder China günstiger realisiert werden. Auch gibt es dort ganz hervorragende Fachleute. Aber die Forschungsstandorte von ABB in Europa sind gut aufgestellt. In der Forschung kann sich der Westen behaupten.

VDI nachrichten: Junge Ingenieure winken beim Namen ABB ab. Ist ABB als Arbeitgeber nicht mehr attraktiv?

Kindle: Wir erhalten viele sehr gute Bewerbungen. Gerade für Ingenieure haben wir als weltgrößtes Unternehmen für Energietechnik und führendes Unternehmen in der Automation spannende Aufgaben.

VDI nachrichten: Auch ABB Deutschland hat die Rückkehr zu schwarzen Zahlen geschafft. Sind Sie zufrieden?

Kindle: ABB Deutschland verdient ein Lob. Die Herausforderung wird nun darin bestehen, eine Rentabilität auf höherem Niveau zu erreichen.

VDI nachrichten: In Deutschland gibt es noch eine Baustelle: die Gebäudetechnik. Wie weit ist man mit dem Verkauf?

Kindle: Operativ hat die Gebäudetechnik den Break-even erreicht und ist verkaufsbereit. Aber das Umfeld der schlechten Baukonjunktur in Deutschland erleichtert den Verkauf nicht.

VDI nachrichten: ABB Deutschland gehört mit 13 000 Beschäftigten zu den größten Landesgesellschaften. Wie wichtig ist der Standort?

Kindle: Deutschland ist ein sehr wichtiger Standort, und es gibt keine Absicht, dies zu ändern.

VDI nachrichten: Jürgen Dormann hat den Turnaround geschafft. Sie müssen das Wachstum in Gang bringen. Wie?

Kindle: Ich glaube nicht, dass ich das Wachstum in Gang bringen muss, da wir bereits sehr gut in den Kerngeschäften wachsen.

VDI nachrichten: ABB wird vermutlich erst mittelfristig wieder extern wachsen. Ihr Vorgänger Dormann hat entsprechende Absichten angekündigt. Ist der Wiedereinstieg in den Kraftwerksbau, z.B. mit Alstom beziehungsweise Areva, eine Option?

Kindle: Wenn ABB soweit gerüstet ist, dass größere Themen angepackt werden können, könnte auch die Energieerzeugung ein Thema sein. Das muss nicht durch eine Übernahme geschehen, auch Partnerschaften sind durchaus denkbar. Aber das sind Spekulationen, die sich heute nicht lohnen.

VDI nachrichten: China ist nach den USA und Deutschland der drittgrößte Markt. Wie sehen Sie die Entwicklung für ABB für die einzelnen Länder in den nächsten fünf Jahren?

Kindle: Positiv für China. Ich bin überzeugt, dass ABB vom kontinuierlichen Wachstum dort profitieren kann. Für den amerikanischen Markt haben wir Zuversicht, da wir sehen, dass sich die Automatisierungstechnik gut entwickelt und ein riesiger Nachholbedarf für Investitionen in der Elektrizitätsübertragung besteht. Anders sehe ich leider Deutschland, wo der Konjunkturmotor wieder stottert.

VDI nachrichten: Wie ist ABB in Amerika, Europa und China gegenüber der Konkurrenz positioniert?

Kindle: In allen Märkten sind wir in der Energietechnik hervorragend platziert und in vielen Ländern Marktführer. Unser Automationsgeschäft hat ein breites Portfolio, dennoch gehören wir in den großen Märkten in den meisten Geschäftsfeldern zu den drei führenden Unternehmen.

VDI nachrichten: Gemäß einer Studie des World Energy Council rechnet man im Stromsektor weltweit mit einem überdurchschnittlichen Wachstum. Allein in Deutschland sind bis 2020 mindestens 45 neue Kraftwerke sowie Laufzeit verlängernde und leistungserhöhende Maßnahmen bei über 200 Kraftwerken notwendig. Geschätztes Investitionsvolumen: über 30 Mrd. €. Sind das nicht verlockende Aussichten für ABB?

Kindle: Im Bereich Energieübertragung besteht tatsächlich ein großer Nachholbedarf. In China wird dies konsequent angegangen. Das Problem besteht in Nordamerika und in Europa darin, dass aus regulatorischer Sicht zu wenig Klarheit besteht, welche Renditen ein Investor erwarten kann. Und solange diese Unklarheit besteht, werden vor allem in Nordamerika nur die nötigsten Investitionen getätigt.

VDI nachrichten: Bei all dem geht es auch um eine sichere und verlässliche Netzstruktur. Ist es da nicht falsch, wenn man die Aktivitäten im Leitungsbau jetzt einstellt?

Kindle: Nein, Leitungsbau ist vom Technologiegehalt ein vergleichsweise wenig anspruchsvolles Geschäft und zudem vom Umsatz her völlig unbedeutend für ABB. ANDRÉ SCHÄPPI

Von AndrÉ Schäppi

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