Management

Im organisierten Chaos wachsen Ideen auf Bestellung

Wo die überbordende Kreativität junger Menschen mit dem Fachwissen erfahrener Experten kombiniert wird, entstehen völlig neue aber doch realisierbare Ideen. Das jedenfalls dachten sich drei Schweizer, als sie vor Jahren den Grundstein für Brainstore legten. Und sie hatten recht – ihr Laden brummt

Wir suchen noch Experten im Bereich Astrologie und Mystik für einen eintägigen Workshop.“ „Wir suchen Trendscouts, die sich in Afrika nach Joghurtprodukten umschauen.“ „Wir suchen Psychologen…“ „Wir suchen Freelancer….“

Im Schaufenster des kleinen Eckladens an der Rüschlikonstraße in Biel hängen etliche Jobanzeigen, täglich frisch. Was für ein Laden: Die Wände pink, das Mobiliar aus unbehandeltem Metall, kalte Betonbänke, eine Bahnhofsuhr, am Eingang eine Badewanne mit Goldfischen. „Kultig“, möchte man sagen. Hinter der halbrunden Stahltheke sitzen trotz vorgerückter Stunde – es ist schon nach 21 Uhr – blutjunge Workaholicer wie hypnotisiert hinter Designerbildschirmen. Ab und zu hechtet jemand unvermittelt durch die Hintertüre in die Fabrikhalle. Irgendwo, in großen Lettern, steht geschreiben: Brainstore. Der Name ist in der Schweiz ein Begriff: die Ideenfabrik.

Wie jeden Mittwochabend findet auch diesmal eine kleine interne Party statt. An der Bar im Herzen der Fabrik stehen Getränke und Kekse. Stimmengewirr mischt sich mit Zigarettenqualm und dem unruhigen Arbeitsdrang, der unter den Fingernägeln kribbelt. Denn morgen ist Großkampftag. Einige werden hier übernachten. Es geht um viel Geld. Und um Joghurt.

Mehrere 100 000 Franken hat eine Genfer Frischproduktefirma investiert, um zwei oder drei geniale Produktideen entwickeln zu lassen und möglichst genau den Nerv der Zeit zu treffen. Unternehmensriesen wie Coca Cola, Novartis oder Microsoft sind bereits Stammkunden und vertrauen auf die Trefferquote von Brainstore. Etwa zehn Großaufträge kommen jährlich herein. Dazwischen immer wieder Kleinaufträge: Wie kann ich für einen 86-Jährigen Gesellschaft finden? Was schenke ich meinem Geliebten? Wie stoppe ich die Dauertelefonitis meiner Töchter? 9,90 Franken sind da nicht zu teuer und 30 Minuten Wartezeit nicht zu lang.

Zehn Stunden später ist alles wieder auf den Beinen. Die Ideenfabrik gleicht jetzt einem Ameisenhaufen. Erste Helfer treffen ein, erhalten Kurzeinweisungen in preußischem Stakkato-Ton bald schlurfen auch Schüler durch den riesigen Flur, schauen, staunen. Jede Räumlichkeit hat eine andere Farbe, verwoben mit Rauminstallationen. Gesehen haben sie so etwas noch nie. Die Geschäftsführung des Auftraggebers kennt das schon. Sie war bereits vor 14 Tagen hier, in der Orientierungsphase. Heute geht es um die Verfeinerung: um knallige Namen, griffige Slogans, abgefahrene Geschmäcker, eigentlich um eine neue Joghurt-Kultur.

Schlag 10 Uhr beginnt das Programm. Ab nun schnurrt alles mit der Genauigkeit eines Uhrwerks. „Je mehr Stress und Disziplin wir haben, um so mehr fällt uns ein“, sagt der angeheuerte Chief-Moderator Mark Strähl. Er selbst definiert sich als Drill-Instructor, „weil ich einfach megastraff, megaautoritär, mit Megadisziplin alles durchpushe, wie beim amerikanischen Militär“.

Alles andere wäre auch ineffizient. Das zeigt sich bereits bei der Begrüßungsrede, als ein Hauch von Klassenausflugsstimmung aufkommt. Einige Jugendliche – manche sind erst zwölf – scannen kaugummikauend das Ambiente, eine sündhaft knapp bekleidete junge Dame spielt mit ihrem Bauchnabelpiercing, eine andere bläst heimlich Seifenblasen.

Plötzlich laute Musik. Abrupt verfliegt die Zuhör-Lethargie. Aufstehen, Stühle rücken, Vorhänge als Raumteiler einziehen, Gruppen bilden. Straffe Rhythmen sorgen für Tempo. Wäschekörbe voll Stifte und Schreibmaterial flattern auf herbeigezauberte Tische – Transportwagen mit aufgesetzter Metallplatte. Und die Moderatoren brüllen ihre Instruktionen gegen den Lärm.

Das alles hat Methode. Elf Jahre Erfahrung stecken dahinter. Als Markus Mettler 1990 zusammen mit zwei Kompagnons und einem Bankkredit von 100 000 Franken die Firma gründete, hieß sie noch Dactis. Der Büroraum war klein, die Geschäftsidee einfach: „Wir wollten die überbordende Kreativität der jungen Leute mit dem überbordenden Fachwissen der Profigeneration kurzschließen und daraus einen Innovationsprozess managen.“ Das war vom ersten Tag an profitabel. Seither sind sie ständig gewachsen, von drei Mitarbeitern auf rund 30, von 20 m2 auf 2000 m2, und das, ohne ein einziges mal umziehen zu müssen. Als 1997 auch noch der kleine Laden neben der Fabrikhalle frei wurde, war die Zeit reif für eine Neuorientierung. Was tun mit diesem Shop? Büroraum, Internetcafé, Verkaufsladen? „Wir wurden unser eigener Kunde“, erinnert sich Markus Mettler. Die Zukunft des Raums wurde einfach in der Fabrik zur Diskussion gestellt. Heraus kam Brainstore, ein Laden, wo man Ideen kaufen kann wie andernorts Zigaretten. Und der Laden brummt…

Drei verschiedene Rhythmen wummern gleichzeitig durch die Fabrik, jede Gruppe hat ihren eigenen Sound. Dazwischen Satzfetzen: „Wer könnte so einen Joghurt brauchen?“ „Was kann der Joghurt bewirken?“ „Zwei Minuten Zeit. Und los!“ Zeitdruck. Das ist wichtig. Schweifen zunächst noch verstohlene Blicke zum Nachbarn, kritzeln nach wenigen Minuten die meisten schon halbautomatisch jeden Nonsens aufs Papier, was ihnen gerade einfällt. So soll es sein. Die Kärtchen werden an Wände gepinnt, mit Klebepunkten bewertet, aussortiert neue Zettel, neue Stichworte, stempeln gehen. Stempeln? „Die Stempel haben keine Bedeutung“, erklärt Tristan, ein 19-jähriger Moderator, „sie sorgen nur für Bewegung.“ Denken ist Bewegung, Denken ist Rhythmus. Alles fließt. 100 Minuten. Dann Mittagspause.

„Ich bin beeindruckt, die Arbeit ist sehr professionell“, sagt der Geschäftsführer der Joghurtfirma. „Wir entdecken, dass die Kinder nicht so denken, wie wir dachten, dass sie denken.“ Philosoph hätte er werden sollen.

Am Nachmittag folgen zwei weitere 100 Minuten-Blöcke. Das Schema bleibt gleich: Nicht direkt nach fetzigen Slogans fragen, sondern Assoziationsfelder aufbauen, herantasten, anregen lassen, Zeitschriften blättern, Plakate zusammen schnibbeln. Ideen fallen nicht vom Himmel, sie werden produziert.

Nadelstreifige Herren betreten den Laden, potenzielle Neukunden – bis dahin war Markus Mettler der einzige beschlipste. Sie wollen selbst sehen, wie ein Haufen Jugendlicher, angeleitet von Dreiviertelwüchsigen, professionelle Arbeit leisten kann. Sie können – und das, obwohl die fest angestellten Mitarbeiter im Regelfall kaum länger als ein Jahr bei Brainstore bleiben. Das liegt zum Teil an der Bezahlung, gehört aber auch zur Firmenphilosophie. Wer frische Ideen produzieren will, muss sich ständig selbst erneuern.

Um 17 Uhr leeren sich die Räume. Alle sind erschöpft. Mitarbeiter bleiben noch zur Nachbesprechung, holen Feedbacks ein, beurteilen Teilnehmer. Rund 10 000 Ideen sind gesammelt und dokumentiert worden. Nur 2 Promille müssen brauchbar sein, dann hat sich der Tag gelohnt. Hat er sich gelohnt?

Die Joghurt-Kulturisten sind zufrieden – und frustriert zugleich. Eigentlich hatten sie gehofft, am Abend ein, zwei fertige Konzepte in ihre Koffer packen zu können. Jetzt stehen sie vor einem neuen Ideen-Universum. Der Think-Tank wird in den nächsten Tagen alle Einfälle verdauen und verdichten. Danach geht‘s in die Bewertungs- und Testphase. Auf Wunsch übernimmt Brainstore auch die Realisation. Aber das dauert – wie bei allen industriellen Fertigungsprozessen. FALK FISCHER

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