Management

Im Chefsessel von Familienunternehmen haben die Söhne gut lachen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 26. 1. 07, ws – Traditionelle Vorbehalte gegen Frauen an der Unternehmensspitze sind grundlos, sagen Frankfurter Wissenschaftler. Und dennoch werden Frauen beim Generationswechsel an der Firmenspitze von Familienunternehmen meist übergangen. Grund dafür sind häufig patriarchale Familienstrukturen. Bekommen Frauen eine Chance, dann häufig nur, weil es an männlicher Nachfolge mangelt.

Ein Familienunternehmen steht vor dem Generationswechsel an der Führungsspitze. Sowohl Tochter als auch Sohn kommen in Frage, beide haben in etwa die gleiche Ausbildung, die gleichen Kompetenzen. Die Wahl fällt auf das männliche Familienmitglied. In der Regel jedenfalls ist das so in Unternehmen des deutschen Mittelstands. Das besagt eine Studie des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften an der Uni Frankfurt in Kooperation mit dem Frankfurter Sigmund-Freud-Institut.

Frauen besetzen demnach häufig Bereiche wie Personal oder Unternehmenspolitik und sind seltener in der Führung des operativen Geschäfts zu finden. Weshalb begrenzen Väter die Verantwortung ihrer Töchter? Sicher sei, so die Wissenschaftler, dass traditionelle Vorbehalte gegen Frauen an der Unternehmensspitze grundlos seien: Selbst in Branchen, die von Männern dominiert werden, setzen sie sich erfolgreich durch – wenn sie ihre Chance bekommen.

Die Mehrzahl der Konflikte resultiere aus dem Fortbestehen patriarchaler Familienstrukturen. Widerstände beim Generationswechsel können so groß sein, dass das vorhandene Potenzial der Frauen zum Schaden des Unternehmens nicht genutzt wird. Gelangen Töchter in die Geschäftsleitung, dann häufig nur deshalb, weil „Not am Mann“ ist: etwa Krankheit oder Tod des Vaters oder Söhne, die sich verweigern.

Wenn unter der Vorgabe einer chancengleichen und leistungsgerechten Geschwisterkonkurrenz letztlich doch das Geschlecht den Ausschlag gäbe, kränke das eine Tochter besonders schwer, denn auf ihr Geschlecht hat sie nun einmal keinen Einfluss.

Das könne zu starken Selbstzweifeln führen, meinen die Frankfurter Forscher. Nicht selten reagierten Töchter auf solche Kränkungen selbstschädigend. „Sie wollen nicht glauben, dass es ihr Geschlecht ist, das sie scheitern lässt, weil das ihre ganze Person entwerten würde. Und so fangen sie an, nach Gründen zu suchen, die denen Recht geben, die sie benachteiligen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Uni Frankfurt.

Die Ergebnisse der Untersuchung beruhen auf einer Auswertung von 53 Interviews mit Töchtern, die in mittelständischen Familienunternehmen erfolgreich die Geschäftsleitung übernommen haben oder an einer angestrebten Übernahme gescheitert sind.

„In den Interviews wurde deutlich, dass die Frauen, die ihren Anspruch auf Nachfolge nicht durchsetzen konnten, über eine ebenso gute berufliche Qualifikation wie die erfolgreichen Nachfolgerinnen verfügen“, heißt es weiter im Presseschreiben. Dass nicht die mangelnde berufliche Qualifikation das Scheitern verursache, zeige sich unter anderem daran, dass sie außerhalb des Unternehmens ihrer Familie sehr wohl Karriere machen.

Die Erkenntnisse der Studie sollen in Beratungskonzepte münden. Das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt arbeitet derzeit an einem Schulungsprogramm, das die Kompetenz von Beraterinnen und Beratern verbessern und „die Beratungsresistenz von mittelständischen Familienunternehmen verringern soll“. idw/ws

www.muk.uni-frankfurt.de/Publikationen/FFFM/index.html
www.sfi-frankfurt.de

Von Idw/Wolfgang Schmitz

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