Personalmanagement

„Im Bereich Engineering müssen wir unseren guten Ruf verteidigen“

Opel will in den kommenden vier Jahren seine Produktpalette zu 80 % umstellen. Neu im Angebot wird auch das Elektro-Auto Ampera sein. Der Suche nach rund 250 Ingenieuren, die den neuen Herausforderungen gewachsen sind, stehen zahlreiche Entlassungen gegenüber. Wie Opel sich personell aufstellt, erläutert Arbeitsdirektor Holger Kimmes im Gespräch mit den VDI nachrichten.

VDI nachrichten: Die Automobilbranche hat unter der Konjunkturkrise besonders stark gelitten. Junge und angehende Ingenieure wird das nicht unbeeindruckt lassen.

Kimmes: Trotz Krise ist der Zulauf ungebrochen. Das gilt für Opel, das ist aber nach meinen Kenntnissen bei anderen Automobilbauern nicht anders.

Als Personalverantwortlicher haben Sie in Krisenzeiten keine dankbare Aufgabe. Wie planbar ist Personalarbeit in diesen schwierigen Phasen?

Zunächst blieb uns keine andere Wahl, als an die weniger schöne Seite von Personalarbeit denken zu müssen, nämlich an Personalabbau. Um Kapazitätsanpassungen kam wohl kein Unternehmen unserer Größe herum. Inzwischen wissen wir, wo wir kürzen und wo wir investieren müssen. Hier geht es nicht nur um Geld, sondern auch um Humankapital, vor allem im Engineeringbereich. Weil dieser Bereich bei uns vom Abbau nicht betroffen ist, haben wir eine gute Möglichkeit, hoch qualifizierten Mitarbeitern das Angebot zu machen, sich über Weiterbildung auf diese Stellen zu qualifizieren. Wir haben also trotz Krise die Chance, neue, attraktive Arbeitsfelder zu schaffen und an die Mitarbeiter zu appellieren: Bleibt am Ball, es lohnt sich!

Und Opel übernimmt die Weiterbildung?

Das kann sowohl intern als auch extern geschehen. Wir werden genau betrachten, wie wir in dieser Restrukturierungsphase Qualifikationen anbieten können. Facharbeiter sind uns dabei genauso wichtig wie Mitarbeiter mit Hochschulabschluss. Wir wollen die gesamte Belegschaft in Deutschland ansprechen.

Können Sie diese Verschiebung der Qualifikationen in Zahlen fassen?

Vor 15 Jahren hatte General Motors europaweit 94 000 Mitarbeiter, davon rund 8000 im Engineering. Nach der Umstrukturierung werden wir zwischen 40 000 und 45 000 Mitarbeiter haben, unter ihnen 6000 bis 7000 im Engineering. Die Entwicklung ist unter dem parallel laufenden Trend zu kostengünstigeren Fertigungsstandorten, vor allem in Polen und Ungarn, zu betrachten.

In Antwerpen wird bis Juli die Hälfte der Opel-Belegschaft gehen müssen, das Werk in Bochum könnte stark betroffen sein. Wie sieht die Verschiebung innerhalb der Standorte aus?

Wir werden im Produktionsbereich in der Regel nur die zuvor bereits erwähnten Verschiebungen vornehmen. Die Einstellungen beschränken sich insbesondere auf Ingenieure an den Entwicklungszentren, unter anderem hier in Rüsselsheim. Im Bereich Engineering müssen wir stark bleiben und unseren guten Ruf verteidigen.

Das hört sich nicht gut an für die Mitarbeiter in der Produktion.

Der Aufbau neuer Arbeitsplätze im Produktionsbereich ist stark abhängig von der Produktnachfrage, die zwangsläufig in der Krise gelitten hat. Keiner weiß genau, was in den nächsten Monaten passieren wird. Deshalb ist – auch hier im Hause – jeder bei Planungsvorhaben sehr vorsichtig. Fest steht: Zur Zeit wird die Kapazität rausgenommen, die man rausnehmen muss. Das Werk Antwerpen ist dafür ein gutes Beispiel. Dort ist es uns gelungen, zum Personalabbau sozialverträgliche Lösungen zu finden. Die Hälfte der Belegschaft in Antwerpen geht, für die andere Hälfte suchen wir einen Investor – idealerweise aus dem Bereich der Automobilbauer –, der das Werk in attraktiver Hafenlage übernimmt.

Das Elektro-Auto Opel Ampera soll Ende nächsten Jahres von den Bändern rollen. Wo wird er produziert? Darf sich Bochum Hoffnung machen?

Der Ampera wird am Anfang nur an einem Standort, und zwar in den USA, produziert. Dann werden wir die Nachfrage anschauen – ist sie groß genug, wird es einen weiteren Standort geben. Wir hoffen, dass der Ampera mehr wird als ein Nischenmodell.

Wie viele Ingenieure suchen Sie und wo sollen sie zum Einsatz kommen?

Wir brauchen rund 250 Projektingenieure und Entwicklungsingenieure für die Fahrzeug-, Motoren- und Getriebe-Entwicklung in unserem Entwicklungszentrum in Rüsselsheim. Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der Elektrobatterietechnik, vermutlich ein Thema aller meiner Kollegen in anderen Unternehmen. Da haben wir in Deutschland lange genug geschlafen.

Wie müssen diese Ingenieure „gestrickt“ sein?

Sie müssen neben den fachlichen Fähigkeiten vor allem interkulturelle Kompetenz mitbringen. Das ist keine Plattitüde. In der Kooperation mit den beiden anderen Entwicklungszentren in den USA und Südkorea werden besondere Anforderungen an die Teamfähigkeit gestellt. Die Art der Zusammenarbeit entscheidet über den Erfolg.

Mit Technologien wie der Elektrobatterietechnik ist längst nicht jeder Ingenieur vertraut. Wird die Suche nach Fachleuten eine neue Qualität beim Wettbewerb um „kluge Köpfe“ gewinnen?

In bestimmten Bereichen ist der Pool klein, spezialisiert und gesucht – das bedeutet eine riesige Herausforderung für alle Wettbewerber. Wie ich schon sagte: Womöglich haben wir bei der Elektrobatterietechnik zu lange zugeschaut. Die größten Ressourcen in diesem Bereich sitzen in anderen Ländern, etwa in Israel, künftig vermutlich in China.

Ohne hier jemandem die Schuld in die Schuhe zu schieben, aber vielleicht haben die Hochschulen hier zu wenige Angebote unterbreitet und die Studierenden den Bedarf nicht gesehen. Für Facharbeiter bieten wir deshalb mit der IHK ein Qualifizierungsprogramm zum Systemtechniker Elektromobilität an. In allen elektrotechnisch ausgerichteten Unternehmensbereichen können auch Absolventen eines dualen Studiengangs an der RheinMain University of Applied Sciences unterkommen, an dem wir uns beteiligen.

Nicht jedes Unternehmen ist mit der Qualität der neuen Bachelorabsolventen zufrieden.

Ich bin in meiner Beurteilung noch vorsichtig. Gut ist, dass die Studiengänge kürzer sind.

Ist es denn wirklich wichtig, ob ein Absolvent 24 oder 25 Jahre alt ist?

Es ist kein K.-o.-Kriterium, ob jemand 24 oder 25 Jahre alt ist. Wichtig ist aber, dass wir möglichst bald ausreichend Ingenieure mit guter Ausbildung zur Verfügung haben.

Warum sollten sich Ingenieure für Opel als Arbeitgeber entscheiden?

Opel ist ein Traditionsunternehmen mit starken, international aufgestellten Teams. Die Produkte sind so erfolgreich, wie sie es lange nicht mehr waren und sehen gut aus – was auch unsere ansehnliche Sammlung an Design-Preisen zeigt. Die Erneuerung unserer Produktpalette um 80 % bis zum Jahr 2014 ist zudem eine attraktive Herausforderung gerade für Ingenieure.

WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz
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