Personalmanagement 25.06.2004, 18:31 Uhr

IG Metall flirtet mit dem Mittelstand

VDI nachrichten, Berlin, 25.6.04 -Mittelständische Unternehmen seien – entgegen den Verlautbarungen aus Politik und Verbänden – kein Jobmotor. Sie ständen unter dem Druck von Großunter- nehmen und seien oft selbst Opfer neoliberaler Politik, die von den eigenen Verbänden forciert würde, so Experten auf einem Kongress der IG Metall vergangene Woche in Berlin.

Traditionell haben es Gewerkschaften in Deutschland schwer, in mittelständischen Unternehmen Fuß zu fassen. Das soll sich jetzt ändern. Jetzt hat IG-Metall-Chef Jürgen Peters zur Offensive geblasen.
Auch mittelständische Unternehmen, so Peters, würden von einer Politik profitieren, die zu einer Stärkung der Binnennachfrage führe. Auf dem Mittelstandskongress der IG Metall vergangenen Woche in Berlin forderte er deshalb ein Investitionsprogramm, das vor allem kleineren Unternehmen zugute komme.
Quer durch alle Parteien herrscht Konsens: Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und verdient entsprechende Förderung. Schließlich gilt er als „Innovationsmotor“ und „Jobmaschine“.
Doch mit den Gemeinsamkeiten ist es schnell vorbei, wenn es darum geht, was den Mittelstand wieder auf Touren bringen könnte, vor allem bei Einstellungen. Während die Regierungskoalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen ihre bereits umgesetzten Reformen – Agenda 2010, Hartz-Gesetze und Steuersenkungen – für einen Anstoß hält, klagen die Oppositionsparteien von CDU/CSU und FDP über unzureichende Optionen in der Arbeitsmarkt- und Steuerpolitik, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) auf die Beine helfen könnten.
Um den KMU wieder auf die Beine zu helfen, fordert der „Mittelstandsabgeordnete“ Ernst Hinsken von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter anderem einen „Steuerabbauplan für die nächsten fünf Jahre, weniger Bürokratie, eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn“. Gemeinsam mit Arbeitgeberverbänden hat die Union aber auch noch eine weitere Hürde im Visier: Die Tarifpolitik der Gewerkschaften und ein zu weit reichender Kündigungsschutz würden einen Aufschwung im Mittelstand verhindern.
Nach einer Konjunkturumfrage des Bundesverbandes Junger Unternehmer (BJU), der ausschließlich Mittelständler vertritt, vom Mai diesen Jahres blicken die Firmenvertreter zwar „optimistisch in die Zukunft“, dennoch erwartet der Verband, dass die Regierung „die Lohnkosten umfassend“ senkt und die „Abgaben- und Steuerbelastung“ weiter mindert.
Doch die Wahrnehmung von Politikern und Verbandsvertretern deckt sich nicht immer mit der Einschätzung von Unternehmern oder Geschäftsführern. So kommt eine Umfrage, die Ende vergangenen Jahres vom Manager-Magazin unter Mittelständlern durchgeführt wurde, zu dem Ergebnis, dass Arbeits- und Tarifrecht von nur knapp einem Drittel der Befragten als Problem empfunden wurde. Als schwerwiegender für die eigene betriebliche Situation wurden die schlechte wirtschaftliche Lage der Kunden, ein steigender Preis- und Konkurrenzdruck, die nachlassende Zahlungsmoral der Kunden und die politischen Rahmenbedingungen gewertet.
Zum Mittelstand zählen nach einer Definition des Bonner Institutes für Mittelstandsforschung Unternehmen mit bis zu 499 Beschäftigten und einem Umsatz bis zu 50 Mio. €. Sie machen immerhin mehr als 99 % der deutschen Unternehmen aus und beschäftigen 70 % aller Arbeitnehmer.
Allerdings: Ein Job-Motor seien mittelständische Unternehmen in dem Maße, wie es ihnen nachgesagt wird, nicht, erklärte auf der IG-Metall-Konferenz der Wirtschafts-Professor Heinz-J. Bontrup von der Fachhochschule Gelsenkirchen. So würde in 70 % der Neugründungen – außer der „Stelle“ für den Inhaber – kein einziger neuer Arbeitsplatz geschaffen.
Ökonomisch stehen Mittelständler unter dem Druck großer Konzerne. Sie müssen teurer einkaufen und werden von den Großen zu Preisnachlässen gezwungen. Auch die Finanzierungsmöglichkeiten der KMU seien, so Bontrup, schlechter als die von Konzernen. So liegt nach Angaben von Bontrup die Eigenkapitalquote der Mittelständler bei 7 %, die der der Großen bei 25 %, die Rückstellungsquote beträgt 8 %, bei Großunternehmen fast 28 %.
Obwohl selbst Unternehmer, seien Mittelständler oft auch Opfer der neoliberalen Politik, die von den eigenen Verbänden sogar noch forciert würde, kritisiert Bontrup. Er verlangt von der Politik, Wettbewerbsnachteile für Mittelständler auszugleichen und fordert die mittelständischen Unternehmen auf, „darüber nachzudenken, ob sie nicht lieber die Beschäftigten und die Gewerkschaften als Bündnispartner suchen sollten.“
Doch bis dahin dürfte es noch ein weiter Weg sein. Nach Ansicht von Wolfgang Rohde, der in der Frankfurter Gewerkschaftszentrale für Mittelstandspolitik zuständig ist, müsse die IG Metall „die im Mittelstand weit verbreitete Kooperationsphobie“ überwinden. Und das gehe „nur über Kontakt und Kommunikation“.
B. BÖHRET/H. STEIGER

 

Ein Beitrag von:

  • Birgit Böhret

  • Hartmut Steiger

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Aus- und Weiterbildung, Studium, Beruf.

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