Beratung

Heer der Berater marschiert geschlossen ins Netz

Zum einen wollen sie sich die Kunden von morgen sichern. Zum anderen möchten sie im Wettbewerb um High-Potentials die interessantesten Arbeitsplätze bieten.

Den Köpfen von Unternehmensberatern ist schon manch großer Trend entsprungen. Businessplanwettbewerbe etwa. Ohne den McKinsey-Import und seine überall keimenden Ableger säßen etliche deutsche Tüftler noch immer in ihren Garagen. Statt dessen sitzen sie jetzt auf Chefsesseln und stellen Gehaltsschecks aus. Die Zahl der Arbeitsplätze, die durch Förderung innovativer Geschäftsideen entstanden ist, lässt sich nur schätzen. Selbst vorsichtige Prognosen gehen von mehreren Tausend aus.
Nun rüstet sich die Consulting-Branche, den nächsten großen Trend vom Zaun zu brechen. E-Commerce heißt das Gebot der Stunde. Die Gesellschaften erschließen immer neue Wege, die New Economy voran zu treiben. Alle sind bestrebt, sich das Klientel von morgen zu sichern. Mit unterschiedlichen Mitteln versuchen sie, die eigene Kompetenz im sich öffnenden Mega-Markt zu beweisen. Bei den Bemühungen kristallisieren sich vier große Trends heraus:
– Der Markt wird enger: Neben den großen Beratungsgesellschaften bieten immer mehr Spezial-Consulter, Softwarehäuser und Banken E-Beratung und -Produkte.
– Inkubatoren sprießen wie Pilze aus dem Boden: Immer mehr Gesellschaften geben den potenziellen Highflyern von morgen Nestwärme, um am späteren wirtschaftlichen Steigflug zu profitieren.
– Das Angebot an Wagniskapital wächst: Immer mehr Consulter legen eigene Fonds auf. Andere kooperieren mit großen VCs oder vermitteln zumindest zwischen Start-ups und Wagnisfinanzierern.
– Börsengänge: Um Zukäufe von Experten-Unternehmen finanzieren zu können, dürfte es immer mehr Berater an die Börse ziehen – gelten eigene Aktien doch als die maßgebliche Währung im M&A-Geschäft.
Einige Beispiele: Die nach Umsatz und Mitarbeiterzahl größte Unternehmensberatung der Welt, Andersen Consulting, knüpft derzeit ein globales Netz von 17 „Dot.Com Launch Centers“. Innovative Internet-Start-ups sollen hier die für den Markterfolg notwendigen Ressourcen und Werkzeuge erhalten. Im Unterschied zu klassischen Inkubatoren, die Jungunternehmer primär während ihrer ersten Monate im E-Business fördern, unterstützen die Dot.Com-Center Internetfirmen, die bereits über ein Kern-Management-Team, einen Businessplan und finanzielle Unterstützung verfügen. Bewohner erhalten Know-how in den Bereichen Unternehmensstrategie, Technologie und Marketing. Zeitweise können sie gar auf die Hilfe eines kompletten Management-Teams zurück greifen. Profitieren können sie außerdem von Andersen-eigenen E-Commerce-Systemen und -Architekturen oder den Consulting-Allianzen mit führenden Anbietern, etwa Oracle oder SAP. Vorbereitet wird derzeit eine Kooperation mit Microsoft. Sobald die US-Handelskommission der Gründung des 1 Mrd. Dollar-Joint-Ventures „Avanade“ zugestimmt hat, wollen die beiden Unternehmen Windows 2000 basierte Dienstplattformen vermarkten. Gemeinsam sollen neue Geschäftsfelder für Großunternehmen, Start-ups und Spin-offs entwickelt werden. Ganz selbstlos ist dieses Engagement natürlich nicht. Andersen möchte sich den potenziellen Highflyern von morgen empfehlen. Gleichzeitig hoffen die Berater auf einen Schneeballeffekt: Je mehr erfolgreiche Start-ups ihr Haus verlassen, desto mehr neue Interessenten werden um Einlass bitten.
Deutschlands Branchenprimus McKinsey setzt auf die gleiche Karte: Um sowohl etablierte Unternehmen als auch Start-ups beim Aufbruch in die Online-Welt zu begleiten, haben die Düsseldorfer im vergangenen Sommer eigens den Funktionsbereich @McKinsey gegründet. Die Ziele sind hoch gesteckt. Weltweit 500 spezialisierte Berater wollen gemeinsam mit den Klienten in kürzester Zeit E-Business entwickeln, implementieren und im Internet etablieren. Eine wesentliche Rolle bei dem Konzept spielen die „Accelerators“, spezielle Inkubatoren, in denen Gründer und etablierte Unternehmen auf geeignete Infrastruktur und Beratung treffen, um ihr Business-Building zu betreiben. Zehn Einrichtungen sollen entstehen, 60 Mio. DM werden investiert.
Roland Berger & Partner verfolgen eine andere Strategie. Die Münchener haben im Rahmen ihrer E-Business-Initiative einen einschlägigen Lehrstuhl an der Business School Insead in Fontainebleau bei Paris gestiftet. Die Schwerpunkte sollen liegen auf strategischen, strukturellen und prozessorientierten Implikationen von Informatik und Internet für Unternehmen und Gesellschaft. Insgesamt wurden 4 Mio. DM aufgebracht. „Mit der Stiftung wollen wir deutlich machen, welche Bedeutung das Internet für die Wirtschaft hat und zukünftig haben wird“, so Roland Berger. Dass den Studenten nebenbei auch die Bedeutung seiner Gesellschaft vermittelt wird, verschweigt der Chef-Consulter . Cap Gemini und Ernst & Young stellen sich gemeinsam den Anforderungen des großen E. Sie haben sich jüngst über die Bedingungen zum Zusammenschluss ihrer Consulting- und IT-Dienstleistungen verständigt. Gemini-Pressesprecher Thomas Becker: „Hierdurch entsteht ein weltweit führender Anbieter im IT- Consulting-Bereich. Wir sind der erste Beraterkonzern Europas, der den US-Markt erobern will. Eines unserer Hauptziele dabei ist der Ausbau des Umsatzanteils, den wir durch E-Business-Beratung erreichen.“ Derzeit liege er bei 20 %, anvisiert sei die 40 %-Marke. „Ernst & Young ist da genau der richtige Partner.“ Das Unternehmen habe bereits mehrfach Kompetenz in der IT-Beratung bewiesen.
Zu den Kreditinstituten, die ein Stück vom E-Consulting-Kuchen haben wollen, zählt die Deutsche Bank. „Wir bieten ein individuelles E-Commerce-Shop-System“, erklärt Frank Mörler, Leiter des E-Commerce Consulting. „Mit unseren maßgeschneiderten Bauteilen haben wir uns bewusst von standardisierten Click-Shop-Lösungen abgehoben.“ Die Landesbank Baden-Würtemberg (LBBW) bietet seit Anfang des Monats eine „Komplettlösung für den Einstieg in den Bereich E-Commerce“. In Zusammenarbeit mit der Tesion Communikationsnetze Südwest GmbH & Co KG und der dv/d Systempartner GmbH entwickelte die Bank ein Konzept für Mittelständler, die einen Auftritt auf dem virtuellen Markt planen.
Consulter-Konkurrenz erwächst aus den eigenen Reihen Konkurrenz bekommen die Consulter nicht zuletzt auch von der eigenen Basis. Viele Junior-Consultants denken über den Weg in die Selbständigkeit nach. Zu verlockend sind Margen, Zukunftsaussichten und vor allem Arbeitsinhalte im E-Consulting. „Der Job macht einfach Riesenspaß“, bringt es Michael Lorenz, Geschäftsführer der Kienbaum Management Consultants, auf den Punkt. Die Unternehmensberatung Mummert+Partner AG beispielsweise verlor jüngst ein Consulter-Trio. Ulf Koglin, Peter Kutschinski und Andreas Voß, alle erst Mitte 30, gründeten die Best Practice Consulting GmbH & Co KG, Münster. Andere Ex-Consulter wechseln direkt in das Unternehmerlager. „Wir mussten einen Mitarbeiter in Richtung Ebay entlassen“, räumt Boston Consulting-Sprecher Martin Koehler ein. Die McKinseys und Bergers haben es also nicht leicht, ihren Nachwuchs zu halten. Sie tun sich derzeit sogar schwer, frei werdende Stellen neu zu besetzen. Der Pool möglicher Rekruten war angesichts der Anforderungen ohnehin nie sonderlich groß: Nicht älter als 28, herausragende Leistungen an einer Elite-Uni, möglichst Doppelstudium, zwei Auslandspraktika mit projektrelevanten Erfahrungen, überdurchschnittliche analytische Fähigkeiten, Kreativität, soziale Kompetenz sowie zwei Fremdsprachen – natürlich verhandlungssicher.
Gefragt sind herausfordernde, abwechslungsreiche Aufgaben Die Großen im Consulting-Geschäft müssen immer neue Köder auslegen, um High-Potentials zu locken und an sich zu binden. Der schnöde Mammon allein reicht schon lange nicht mehr – Einstiegsgehälter jenseits der 100 000 DM mit hohen Wachstumsraten und Firmenwagen sind fast Standard. Gefragt sind andere Werte. Laut jüngstem Absolventenbarometer des Nürnberger Trendence-Instituts für Personalmarketing stehen für angehende Akademiker im Hauptstudium „abwechslungsreiche, herausfordernde Aufgaben“ ganz oben auf der Wunschliste. Der Verdienst spielt demnach bei der Wahl des ersten Arbeitgebers eine untergeordnete Rolle.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die auf Rekrutierungsveranstaltungen spezialisierte EMDS Consulting Group. Nach einer gemeinsam mit dem britischen Marktforschungsinstitut Mori erhobenen Umfrage möchten sich Nachwuchsmanager weltweit vor allem persönlich entwickeln und herausfordernden Aufgaben stellen. Und eine Möglichkeit, die derzeit en vogue ist, ist das E-Consulting. Im Ergebnis bieten also immer mehr Berater entsprechende Jobs an. Der Kampf um qualifizierten Nachwuchs verschärft sich weiter.
Gleichzeitig wächst mit der Zahl der E-Berater die Summe der Unternehmen, die im Schlepptau auf die Datenautobahn gezogen werden. Dies wiederum zwingt vermeintlich konservative, zurückhaltende Betriebe, sich ebenfalls ins Internet einzubinden. Wie? Mit Beratung natürlich! Und wieder werden neue Consultants gebraucht… Fast stellt sich die Frage, was eigentlich eher da war: E-Business oder E-Consulting? STEFAN ASCHE

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Stadt Leer-Firmenlogo
Stadt Leer Leitung (m/w/d) des Fachdienstes 2.66 Mobilität und Verkehr Leer
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW-Firmenlogo
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Leitung (m/w) für den Bereich Bauaufsichtliche Angelegenheiten Düsseldorf
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Nürnberg (w/m/d) Technisches Büro Nürnberg
Stadt Leer-Firmenlogo
Stadt Leer Leitung (m/w/d) des Fachdienstes 2.66 / Mobilität und Verkehr Leer (Ostfriesland)
Stadt Frankfurt am Main-Firmenlogo
Stadt Frankfurt am Main Abteilungsleiter (m/w/d) für Statik / Baugrund Sonderbaukontrollen Frankfurt am Main
Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit-Firmenlogo
Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit Leitung (m/w/d) KE5 – Atomrechtliche Aufsicht über Endlager für atomare Abfälle Berlin, Salzgitter
Tröger & Cie. Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Tröger & Cie. Aktiengesellschaft Konstruktionsleiter mit Perspektive stellvetretender Technischer Leiter (m/w/d) Freiburg im Breisgau, Lörrach
EITEC GmbH-Firmenlogo
EITEC GmbH Konstruktionsleiter (m/w/d) Schweitenkirchen
Georg-August-Universität Göttingen-Firmenlogo
Georg-August-Universität Göttingen Fachbereichsleitung Bauplanung II Bauunterhaltung / Projektierung (m/w/d) Göttingen
Stadt Leipzig-Firmenlogo
Stadt Leipzig Sachgebietsleiter/-in Straßenbau für das Verkehrs- und Tiefbauamt Leipzig

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung