Management

Gutes Gewissen, bessere Geschäfte

Niedrigstlöhne, Umweltsünden, Menschenrechtsverletzungen – multinationale Konzerne stehen seit Jahren unter Beschuss von Globalisierungsgegnern. Jetzt gehen Manager und Kritiker aufeinander zu.

William Anderson hat sich in die Höhle des Löwen gewagt. Der Abteilungsleiter Umwelt und Soziales in Asien des Sportartikelherstellers Adidas-Salomon ist Teilnehmer einer Diskussion an der Kölner Sporthochschule. Unter dem Motto „Menschenwürde am Arbeitsplatz global verwirklichen“ hat die Kampagne für Saubere Kleidung, ein internationaler Zusammenschluss von Menschenrechtskämpfern und Gewerkschaftern, aufs Podium gebeten.
Anderson muss sich von den versammelten Aktivisten einige unangenehme Fragen gefallen lassen. Warum zahlt seine Firma in Indonesien nur den vorgeschriebenen Mindestlohn, der dort kaum zum Leben reicht? Warum weigert sich Adidas einen Verhaltenskodex der Kampagne für Saubere Kleidung zu unterschreiben? Dieser sieht etwa eine unabhängige Kontrolle der Arbeitsbedingungen in Zuliefererfabriken vor. Warum verweigert sich Adidas der Überprüfung durch Dritte?
Anderson hat auf jede Frage eine Antwort. Er verweist auf die firmeneigenen „Standards of Engagement“, die von Zulieferern verlangen, grundlegende Beschäftigungsstandards einzuhalten. Außerdem habe Adidas den Kodex der Fair Labour Association (FLA) unterschrieben. Was die Löhne angehe, sei der Konzern gerade dabei zu untersuchen, wie hoch eine ausreichende Bezahlung sein müsse.
Ohne Verhaltensrichtlinien, die die eigene soziale Verantwortung beschwören, und Sozialberichte kommt inzwischen kaum noch ein Konzern aus. Die Lieblingsfeinde von Umweltschützern und Menschenrechtlern haben erkannt, dass sich ohne ein Fünkchen gutes Gewissen schlecht Geschäfte machen lassen – eine kritische Öffentlichkeit und Nichtregierungsorganisationen (NGO) lassen dies nicht zu.
Besonders hart musste das in der Vergangenheit der Öl-Riese Shell lernen. Mitte der 90er Jahre geriet er wegen seiner Aktivitäten in Nigeria unter Beschuss. Der Vorwurf: Der Konzern zerstöre die Umwelt im Fördergebiet und missachte die Rechte der lokalen Bevölkerung.
Als 1995 der Menschenrechtsaktivist Ken Saro Wiwa hingerichtet wurde und der Konzern zusätzlich wegen der geplanten Versenkung der Ölplattform Brent Spar in die Kritik geriet, war der PR-Gau perfekt. Inzwischen haben sich die Wogen merklich geglättet. Aber das Unternehmen kann die alte Geschichte noch nicht zu den Akten legen. Wie es aussieht, muss sich der Konzern demnächst vor einem US-Gericht wegen seiner Rolle bei der Hinrichtung von Ken Saro Wiwa verantworten.
Shell ist nicht der einzige Multi, dem NGOs Druck machen. So kritisiert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) Siemens unter anderem für sein Engagement bei umstrittenen Staudammprojekten weltweit. Nach Angaben der GfbV will etwa ein Beteiligungsunternehmen des Konzerns Turbinen für den indischen Maheshwar-Staudamm liefern. Für dessen Bau sollen 35 000 Menschen gegen ihren Willen umgesiedelt werden.
Auch die UN versuchen, multinationale Unternehmen in die soziale Pflicht zu nehmen. So initiierte Generalsekretär Kofi Annan bereits 1999 den Global Compact. Er formulierte neun Prinzipien zu Menschenrechten, Umwelt und Arbeitsbeziehungen. Die teilnehmenden Unternehmen sind nun aufgefordert, sich an diese Regeln zu halten und regelmäßig über Fortschritte zu berichten. Eine Kontrolle der Teilnehmer oder Sanktionen sind nicht vorgesehen. Deshalb wird der Pakt von einigen Organisationen auch kritisiert.
Die Diskussion über die soziale Seite der Globalisierung ist in vollem Gange. Und manchmal scheinen NGOs tatsächlich mehr zu erreichen als Regierungen. „Die Verhandlungsmacht des Staates gegenüber der Wirtschaft hat stark gelitten“, glaubt Ernst Ulrich von Weizsäcker, Vorsitzender der Bundestags-Enquete-Kommission „Globalisierung der Weltwirtschaft“. Anders als die öffentliche Hand haben NGOs kein Interesse an Steuereinnahmen. Im Gegensatz zu Politikern wollen sie auch keine Wahl gewinnen. „Sie können ihr Anliegen direkter und quasi unverdünnt verfolgen“, erklärt Weizsäcker. Das wiederum mache sie anziehend für politikmüde Menschen.
Weizsäcker glaubt, dass die Ehrenamtlichen in Zukunft eine noch größere Rolle spielen werden. „Die Zivilgesellschaft ist in den vergangenen zwölf Jahren immer stärker geworden“, meint er. „Sie ist auch weiter auf dem aufsteigenden Ast.“
Dieser Trend geht auch nicht spurlos an den traditionellen Verbänden vorbei. So hat der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) zwar keine offizielle Position zur Zusammenarbeit mit NGOs. Doch auch die Wirtschaftslobby kann sich der neuen politischen Kraft nicht entziehen. „Wir sind an zahlreichen Dialog-Foren beteiligt“, erklärt Gunter Schall, Globalisierungsexperte des Verbandes. Nach seiner Einschätzung hat die Zahl der Gespräche in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Erfreulich: Dort wird nicht nur gequasselt. „Wir kommen auch zu immer mehr Ergebnissen“, sagt Schall.
Dennoch scheint sich der BDI von den Nichtregierungsorganisationen bedroht zu fühlen. Besonders von deren Anspruch, dem Allgemeinwohl zu dienen. „Das macht sie attraktiv für eine Öffentlichkeit, die zum Populismus und zum Schwarz-Weiß-Denken tendiert“, heißt es im aktuellen BDI-Jahresbericht. Und weiter: „Die Verbände müssen sich also positionieren, wenn sie im Wettbewerb um öffentliche Aufmerksamkeit und damit auch um politischen Einfluss an erster Stelle dabei bleiben wollen.“  SILKE LINNEWEBER

Hintergrund
Infos im Internet
Hintergrundwissen zu Erdölförderung und Staudämmen bietet die Gesellschaft für bedrohte Völker (www.gfbv.de). Über Arbeitsbedingungen informiert die Kampagne für Saubere Kleidung (www.saubere-kleidung.de). Auf den meisten Seiten finden sich außerdem Links zu weiteren Initiativen und Organisationen. Kleiner Haken: Ohne Englisch kommt der Wissensdurstige nicht weit. Auch viele Konzerne setzen sich im Netz mit Globalisierungsthemen auseinander. Adidas hat einen Bereich „Social and Environmental“ eingerichtet (www.adidas-salomon.com). Shell informiert über seine Nigeria-Aktivitäten (www.shellnigeria.com)             sil

Von Silke Linneweber

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