Management

Gute Kenntnis der Zulieferer mindert Risiken

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 9. 04 -Outsourcing kann Kosten sparen, birgt aber auch das Risiko größerer Abhängigkeit. Fällt ein Zulieferer aus, kann die gesamte Produktion stocken. Mit EDV-gestützten Lieferanten-Management-Systemen lassen sich Beschaffungsrisiken minimieren. Doch im Mittelstand sind die Instrumente kaum bekannt.

Auf 100 Mio. DM bezifferte Ford den Schaden, verursacht durch einen Produktionsausfall beim Zulieferer. Mangels Türschlösser konnten tagelang keine Autos komplett hergestellt werden. Dieser spektakuläre Fall, der vor einigen Jahren von den Medien vielfach aufgegriffen wurde, offenbarte den wunden Punkt von Outsourcing. Unternehmen erhöhen damit zwar ihre Rentabilität sie begeben sich aber zugleich in die Abhängigkeit von Fremdfirmen. „Supply Risk Management“ soll dieses Risiko beherrschbar machen.
Der gestandene Einkäufer verlässt sich traditionell auf seine gute Nase. Aus diversen Quellen erfährt er, ob sich beim Lieferanten womöglich Probleme anbahnen – eine Liquiditätskrise etwa, ob die Qualität nachlässt oder es im Produktionsablauf hakt.
In den Einkaufssitzungen gibt es dann häufig ein allgemeines Palaver darüber, ob den so gesammelten Informationen überhaupt hundertprozentig vertraut werden kann. Taugen sie als Basis für folgenschwere Entscheidungen, zum Beispiel einen Wechsel des Lieferpartners? „If you can“t measure it, you can“t manage it!“ Die Erkenntnis bestätigt sich immer wieder. Allzu plötzlich ist der Ernstfall da – der Nachschub akut gefährdet oder bereits unterbrochen.
„Obwohl die Risiken in den Versorgungsketten in den letzten Jahren zugenommen haben, ist ein präventives Risikomanagement im Einkauf immer noch unterentwickelt“, kritisiert Robert Fieten, Vorstandsmitglied im Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), Frankfurt. Nicht einmal 10 % der Einkaufsabteilungen verfügten über entsprechende Instrumente, im Mittelstand sogar noch weniger. Fieten und sein Kollege Professor Horst Wildemann vom Institut für Betriebswirtschaftslehre an TU München gelten als „Spin-Doktoren“ im Bereich industrieller Prozesssteuerung.
Umfassendes Supply Risk Management habe allerdings nicht nur die physische Verfügbarkeit von Teilen für die Produktion im Blick. „Unternehmen müssen beispielsweise auch nach Preis, Qualitäts- und Technologierisiken unterscheiden“, so Wildemann.
Enormes Risikopotenzial liegt nach Ansicht der Experten im wirtschaftlichen Bereich. Das von Basel II geforderte Banken-Rating decke finanzielle Schwachstellen schonungslos auf. Folglich müssten auch finanzwirtschaftliche Kennzahlen erfasst werden. Frühzeitiges Wissen soll Handlungsoptionen eröffnen. Wenn ein strategisch wichtiger Lieferant vor Problemen steht, könne es sinnvoll sein, dem eingespielten Partner unter die Arme zu greifen, statt mit größerem Aufwand einen neuen Zulieferer zu suchen.
Software- und IT-Häuser erkennen den Bedarf. SAP zum Beispiel ermöglicht mit dem standardisierten „Business-Warehouse“ die Erstellung von Lieferanten-Profilen nach Branche und Umsatz einschließlich Abhängigkeitsfaktor. Die Münchener Xcitec GmbH entwickelte mit Dun & Bradstreet, einem Spezialisten für B2B-Informationen und -Analyse, für das Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS das konzerneigene System „SourceIT“. Es bietet 60 Einkaufsabteilungen mit 2200 Mitarbeitern eine einheitliche web-basierte Informationsplattform mit Reports und Auswertungen über rund 50 000 Lieferanten.
Großunternehmen wie EADS verfügen in ihrem Beschaffungswesen zwar schon heute über ein DV-gestütztes Lieferantenmanagement, jedoch arbeiten die einzelnen Einheiten oft mit unterschiedlichen Programmen. „Die Daten müssen bereinigt, identifiziert, zusammengeführt und fortlaufend aktualisiert werden“, so Olaf von Plathen, Consultant Partner Manager bei D&B.
Leistungsfähige Systeme verfügen nach den Vorstellungen der Risk-Doktoren über Schnittstellen zur Übernahme externer Daten, zum Beispiel von Wirtschaftsinformationen mit der so genannten „D-U-N-S-Nummer“, einem weltweiten Standard zur Identifizierung und Qualifizierung von Unternehmen. Sie enthalten Kennziffern zur Kreditwürdigkeit und zeigen Konzernverflechtungen auf.
Solche Datensätze sind je nach Inhalt und Tiefe ab 5 € zu haben. Kleinere Unternehmen können damit schon für einen geringen Jahresbetrag ihre Beschaffungsrisiken minimieren. Nach oben bestimmen Konzerndimensionen die Grenzen. Die größten Zulieferer der Autoindustrie etwa kooperieren ihrerseits mit bis zu 12 000 Zulieferern.
Mit Zugriff auf globale Wirtschaftsinformationen ist Supply-Risk-Management nicht nur ein defensives System im Sinne von „Sicherung des Nachschubs“. Es liefert ebenso Anhaltspunkte für Optimierungen und Ertragssteigerungen. Aufgedeckte Konzernverbindungen im Lieferantenbereich können etwa dazu genutzt werden, Rahmenverträge mit günstigeren Konditionen anzuschließen. Weil das Unternehmen seine Geschäftsprozessrisiken minimiert, sind auch bessere Ratings und damit günstigere Finanzierungskonditionen sowie niedrigere Prämien für die Produktionsausfallversicherung möglich. Aus Daten werden Chancen. MANFRED GODEK

Von Manfred Godek

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