Management

Generation 40+ kam, sah, und siegte – manchmal  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 1. 06, cha/Fr – Eine neue Managergeneration hat die Chefsessel erklommen, viele sind erst Mitte 40 und leiten große Konzerne. Was zeichnet sie aus, was hat ihnen das letzte Jahr gebracht und was erwartet sie wohl in diesem Jahr? Die VDI nachrichten haben sich bei einigen ausgewählten Exemplaren der Spezies Shooting-Star auf Spurensuche begeben.

Deutschland hat zwar eine Bundeskanzlerin, aber das darf über eine Tatsache nicht hinwegtäuschen: Es ist doch recht beschämend für ein Land wie Deutschland, dass in den Dax-30-Unternehmen mit Karin Dorrepaal (Schering) gerade mal eine Frau im Vorstand zu finden ist. Andere Länder sind da längst viel weiter. Da haben die Skandinavier mal wieder – nicht nur bei Pisa – einen Vorsprung. In Norwegen beispielsweise liegt die Quote zurzeit bei 22 % Frauen in der Top-Etage, gesetzlich sind seit Januar 2006 sogar 40 % vorgeschrieben. Wer das Ziel nach einer Übergangsfrist nicht erreicht, muss um seine Börsennotierung bangen.

Zumindest Familienunternehmen in Deutschland laufen den Konzernen in puncto modernem Management und Diversity in der Chefetage aber den Rang ab: Ein Beispiel ist die Berufung von Nicola Leibinger-Kammüller (45), Mutter von vier Kindern und Geisteswissenschaftlerin, an die Spitze des Traditionsunternehmens Trumpf in Ditzingen (6000 Mitarbeiter) Mitte November. Sie ist die Tochter des ehemaligen Firmenchefs Berthold Leibinger, der im Alter von 75 Jahren den Chefposten beim Lasertechnikspezialisten abgab. Die Literaturwissenschaftlerin war bereits vorher in unterschiedlichen Leitungsfunktionen des Unternehmens tätig.

Eine der schillerndsten Manager-Figuren in Deutschland ist derweil ein wenig im Hintergrund verschwunden. Wolfgang Bernhard (45), im Mai vergangenen Jahres den Chef-Sessel von Mercedes schon fest im Visier, scheiterte dann aber wegen seiner etwas vorlauten Kritik am „Sanierungsfall Mercedes“ und an der Asienstrategie von Daimler-Übervater Jürgen Schrempp.

Während dieser inzwischen tatsächlich gescheitert ist, fand Bernhard einen neuen Job bei VW. Als Markenvorstand der Wolfsburger soll er das Markenportfolio des Konzerns übersichtlicher gestalten. Also Golf oder Phaeton? Eine seiner ersten Entscheidungen, das Over-Engineering beim neuen Geländewagen Marrakesch zu stoppen, zeigt zudem den Weg in eine effizientere Produktentwicklung. Der Ingenieur Bernhard wird sein Profil als Sanierer in diesem Jahr weiter schärfen und sich dabei sicher an seine erfolgreiche Arbeit beim US-Autohersteller Chrysler erinnern.

Ein alter Bekannter von Bernhard aus den Sanierungstagen bei Chrysler, sein damaliger Chef Dieter Zetsche (52), macht derweil als Supermanager auf ehemaligem Schrempp-Gelände Karriere. Am 1. Januar hat er als Nachfolger von Schrempp den Top-Posten bei DaimlerChrysler übernommen, gleichzeitig kümmert er sich auch um die Edelmarke Mercedes, die in den letzten Jahren einiges von ihrem alten Glanz verloren hat. Seine Handschrift ist schon zu erkennen. Er sprach sich in einem Interview dafür aus, „das Wissen um die schlanke Produktion“ von Chrysler stärker zu nutzen. Ein erstes Beispiel: Die Unternehmen nutzen in Zukunft die gleichen Antriebe. Der Nachteil dieser sicher für Mercedes notwendigen Strategie: 8500 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Mitarbeiter Zetsche bei Mercedes trotz des Personalabbaus genauso verehren werden wie ihre Kollegen bei Chrysler. Immerhin gilt er in der Branche als „Car Guy“, der die Basisarbeit nicht dem Fußvolk überlässt. In Sindelfingen etwa war er der erste Konzernchef seit Ewigkeiten, der in der Betriebsversammlung die schlechte Nachricht vom Verlust der Arbeitsplätze selbst überbrachte.

Mit ähnlich harten Maßnahmen will auch Klaus Kleinfeld (48), der Ende Januar den Chefsessel von Heinrich von Pierer übernahm, Siemens auf Erfolgskurs trimmen. Er hat, amerikanisch geprägt wie Zetsche, dem drittgrößten deutschen Industriekonzern (Umsatz ca. 75 Mrd. €) hohe Rendite-Ziele und eine zügigere Innovationspolitik vorgegeben. Seinen Management-Kollegen hat er dazu in einem Interview mitgeteilt, dass „in Zukunft jeder Konzernbereich sein Mittagessen selbst verdienen möge“. Der Geschäftsbereich Siemens Business Service (SBS) hat das bisher nicht geschafft: Kurz vor Weihnachten wird bekannt, dass die defizitäre Sparte zerschlagen werden soll. Und die Zukunft der Kommunikationssparte Com scheint immer noch ungewiss. Eine weitere unangenehme Nachricht aus dem Mund Kleinfelds: 10 000 Stellen sollen gestrichen oder verlagert werden. Die spannende Frage: Wird US-Fan Kleinfeld, der sich gerne zum „Powerlunch“ mit seinen Kollegen trifft, die Widerstände im eigenen Haus überwinden?

Das gilt auch für ihn: Everybody“s Darling – das war Kai-Uwe Ricke (45) bis November 2005. Er sammelte Sympathien bei Aktionären, Investoren und Arbeitnehmern, denn schließlich bemühte sich der Nachfolger von Ron Sommer redlich darum, den Bodenkontakt nicht zu verlieren. Dazu zählte auch, dass er ein paar Tage im Jahr im T-Punkt-Laden hinterm Tresen verkaufte.

Doch dann kam dieser Tag im November, und auf der Beliebtheitsskala der deutschen Manager rutschte Ricke deutlich nach unten, jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung. Der 1,90 m große Chef der Telekom hatte verkündet, dass er 32 000 Stellen abbauen will – trotz erfolgreicher Zahlen und trotz Abbau des Schuldenstandes um ein Drittel. Das hatte er bis dato ohne größere Kahlschläge hinbekommen, obwohl viele ihn bei seinem Amtsantritt drei Jahre zuvor für zu jung hielten, um die Aufgabe zu bewältigen. 20 000 Mitarbeiter demonstrierten kürzlich gegen die Entscheidung.

Vor einer schwierigen Aufgabe steht auch Thomas Enders (46). Von den meisten seiner Kollegen beim europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS wird er nicht beneidet. Sein Handikap: Er muss sich die Spitze mit seinem französischen Kollegen Noël Forgeard, der den Job gerne allein gemacht hätte, teilen. Das wäre auch so geschehen, wenn der damalige DaimlerChrysler-Chef Schrempp nicht interveniert hätte. Die Aufgaben für den Ex-Fallschirmspringer Enders sind klar: Die Franzosen in Schach halten und den Gegenangriff der Amerikaner auf die wichtigste EADS-Gesellschaft Airbus abwehren. Die erste Schlacht ging nun verloren: Boeing bekam einen Großauftrag von der australischen Fluggesellschaft Quantas. Auf den Deutschen wartet ein spannendes Jahr 2006. cha/Fr

Von Claudia Hantrop/Gregor Frechen

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