Management

Gelöste Probleme machen Firmen fit für Krisen  

Wer Krisenszenarien kennt, der kann besser damit umgehen und schwerwiegende Fehler eher vermeiden, so der Tenor eines Seminars, das Mitte Mai in Düsseldorf stattfand.

Christoph Kleuters ist überzeugt: „Am Standort Deutschland ist immer noch viel Lebensenergie vorhanden. Wichtig ist nur der richtige Umgang mit der Krise“, weiß der Geschäftsführer von Wirth Maschinen und Bohrgeräte GmbH in Erkelenz aus eigener Erfahrung. Auf der Veranstaltung „Erfolgreich Krisen managen“ am 18. Mai in Düsseldorf berichtete er und andere Fachleute über Entwicklungen, die zu Krisen führen und Maßnahmen, um diesen entgegenzuwirken.

Die Abläufe ähneln sich. Das Krisenmanagement teilt den Prozess in vier Phasen: Nach der strategischen Krise folgen Erfolgskrise, Liquiditätskrise und schließlich Insolvenz. Das Muster passt auch auf den Bohrmaschinenhersteller: Die Suche nach einem strategischen Investor und anschließende Bindung mit diesem hatte im Unternehmen zur Krise geführt. Man hatte zu dieser Zeit zwar strategisch in wichtige Wirtschaftsregionen investiert, „die Projekte aber nicht mit der notwendigen Nachhaltigkeit begleitet“, analysiert Kleuters. Hinzu kam der Einbruch im Russlandgeschäft und die Zahlungsunfähigkeit der Tigerstaaten, wodurch die bis dahin stabile Grundauslastung wegbrach.

Es folgte eine Ertragskrise, weil Mindestpreise unterschritten und kostenlose Zusatzleistungen erbracht wurden. Kleuters stellt fest: „Es wurde nur noch Geld zum Erhalt von Arbeitsplätzen erwirtschaftet, aber nicht mehr zur Zukunftsentwicklung. Nachlassende Disziplin, fehlende Nachhaltigkeit und hohe Fixkosten waren die fatale Folge.“

Nur die ungeheuren Reserven im Unternehmen hätten letztendlich verhindert, das es ganz zugrunde ging. Kleuters Fazit lautet: „Wenn ausländische Investoren kein Interesse am Standort Deutschland haben, ist die Krise vorprogrammiert. Zuvor hatte der Erfolg die Notwendigkeit zur Einführung zuverlässiger Kontrollmechanismen verschleiert.“ Die Fehler seiner Vorgänger möchte er nicht wiederholen. Aber er formuliert auch klare Ziele für seine Mitarbeiter: „Für sie gilt es zu lernen, ihr Wissen in neue Lösungen und Produkte zu stecken, statt damit etwas Altes am Leben zu halten.“

Auch Uwe Bindler nutzt seine Erfahrungen aus Krisentagen nun in seinem neuen Unternehmen Ubitec in Bergneustadt. Der ehemaliger Geschäftsführer der Gebr. Bindler GmbH stellt im Nachhinein fest: „Es reicht nicht, Wirtschaftlichkeit oder Produkt- sowie Produktionsstrategien einzeln zu betrachten. Wirtschaftszahlen können trügen.“ Wenn man im Maschinenbau einen großen Umsatz erziele, habe man das Geld aufgrund von Rückständen nicht sofort. „Bei der Bindler Maschinenfabrik machten sich 1998 so, trotz erfolgreicher Geschäftsabschlüsse, Rückstände von bis zu 20 Mio. DM negativ bemerkbar“, erklärt er. Dazu habe im gleichen Jahr die Rubelkrise zu einem Nachfrageeinbruch bei Maschinen zur Schokoladenherstellung geführt und ein Strategiewechsel bei den Banken den Abschluss von Anzahlungsbürgschaften erschwert.

„1999 kamen zwei gut ausgebildete Turn-Around-Spezialisten, denen aber die notwendige Branchenkenntnis fehlte. So wurden ungeeignete Maßnahmen zur Kostenreduzierung ergriffen, die sich negativ auf Produktion und Liquidität auswirkten. Banken hatten das Ganze lediglich kritisch beäugt, waren aber nicht bereit finanziell einzugreifen“, erinnert sich Bindler. Als „operatives Chaos“ beurteilt er die Situation nach seinem Ausscheiden im Jahr 2000. „Personal wurde abgebaut, wesentliche Mitarbeiter verließen das Unternehmen. Es kam zur Insolvenz.“ Im Nachhinein betrachtet er die „zu starke Fokussierung auf die Produktentwicklung, bei der die steigende Variantenvielfalt unterschätzt wurde“, als interne Hauptursache für die Krise. Extern hätten gleichzeitig die Banker die spezifischen Besonderheiten der Branche nicht einschätzen können.

Dr. Kurt Demmer, Chefökonom der IKB Deutsche Industriebank AG, Düsseldorf, sieht hier aber auch Bewegung in seiner Branche: „Natürlich haben die harten Daten des Jahresabschlusses bei der Bewertung für uns eine klare Wirkung. In unserem speziell für mittelständische Unternehmen entwickelten Rating nehmen wir darüber hinaus aber auch Faktoren wie Unternehmensumfeld, Wertschöpfung und Managementstrategien in den Blick.“

Diese und ähnliche Fälle im deutschen Maschinen- und Anlagenbau wurden im Projekt „Erfolgreich Krisen vermeiden“ untersucht. Das Ergebnis soll künftig zur Identifikation von möglichen Ursachen beitragen und helfen, Krisen zu vermeiden. M.CIUPEK

Die Ergebnisse der Studie „Erfolgreich Krisen managen“ werden derzeit schriftlich aufbereitet. Sie können am WZL der RWTH Aachen unter Fax: 0241/806-28197 angefordert werden.

Von M.Ciupek

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