Management

Geborgenheit im Weltkonzern

jedem Mitarbeiter – auch dem an der Maschine – Verantwortung übertragen.

Montagmorgen in der Bäckerei Brehm. Juniorchef Uwe stellt seine Lieferung für die Freudenberg-Kantine zusammen: Container mit Brötchen, Laugenstangen, Tabletts mit Apfel- und Pflaumenkuchen werden im Transporter verstaut. „Freudenberg ist ein wichtiger Kunde und sichert seit zwölf Jahren einen zusätzlichen Arbeitsplatz in unserem Betrieb“, freut sich Bäckermeister Brehm.
Die Odenwälder Dorfbäckerei in Birkenau ist einer von vielen kleinen Handwerksbetrieben und Dienstleistern, für die der Global Player als Auftraggeber nicht mehr wegzudenken ist: „Als traditionsreiches Familienunternehmen legt Freudenberg großen Wert auf gute Nachbarschaft, und zwar an allen 140 Standorten weltweit“, betont Wolfgang Orians, Leiter der Unternehmenskommunikation.
Im Jahr 2002 betrug das Einkaufsvolumen der Unternehmensgruppe am Standort Weinheim und im Rhein-Neckar-Dreieck rund 805 Mio. «, gut 25 % davon blieben in der Region. Zusammen mit Gehältern und Rentenzahlungen von reichlich 290 Mio. « resultierte daraus eine Kaufkraft von 500 Mio. «.
In Weinheim sind mehr als 6700 Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen 1200 Arbeitsplätze externer Dienstleister. Insgesamt stehen bei der Freudenberg-Gruppe 28 000 Menschen in Lohn und Brot, etwa 60 % davon werden im Ausland beschäftigt. In 43 Ländern wird ein Umsatz von rund 4 Mrd. « erwirtschaftet.
Der Schlüssel zum Erfolg ist ein außergewöhnlich breit gefächertes Portfolio: Es umfasst die Geschäftsfelder Dichtungs- und Schwingungstechnik, Vliesstoffe, Haushaltsprodukte, Spezialschmierstoffe, Bausysteme, flexible Leiterplatten, Anlagen- und Werkzeugtechnik sowie IT-Dienstleistungen. Inzwischen kamen Aktivitäten in den Bereichen PET-Flaschen-Recycling, Brennstoffzellen-Komponenten und in der Nanotechnologie hinzu.
Freudenberg ist in erster Linie Zulieferer verschiedener Branchen. Wichtigste Abnehmer sind die Kraftfahrzeug-, die Investitionsgüter- sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie. Knapp ein Viertel der Herstellung sind Enderzeugnisse, wie etwa die Haushaltsprodukte mit dem Markennamen Vileda oder die Nora-Kautschuk-Bodenbeläge aus Weinheim.
Das Weinheimer Werk „Zwischen Dämmen“ präsentiert sich als als 10 ha großer, grüner Industriepark. Durchs Gelände plätschert die Weschnitz, in der sich Forellen tummeln. Ab und an fischt ein Graureiher in dem Flüsschen, Straßen sind von Bäumen gesäumt, die Energie kommt aus dem umweltfreundlichen Dampfkraftwerk. Vor dem Besucherzentrum erinnert die Bronzeplastik eines Gerbers, der kraftvoll ein Stück Leder durchwalkt, an den Ursprung der heute weltweit aktiven Holding: eine 1849 von Carl Johann Freudenberg erworbene Gerberei.
Bereits als Gerberei galt das Unternehmen als Technologieführer. Zündende Ideen beim Recycling, bei der Werkstoff- und Verfahrensentwicklung hatten von Beginn an Priorität. Schon in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde mit der Verwertung von Lederabfällen und der Entwicklung von Lederersatzstoffen der Grundstock für eine reichhaltige Produktpalette gelegt.
So entwickelte Walter Simmering 1929 bei Freudenberg den Simmering. Als Dichtungselement diente zunächst Chromleder, das sich indes als wenig hitzebeständig erwies und erst durch Synthesekautschuk, später dann durch eine Vielzahl von im Hause entwickelten Elastomeren ersetzt wurde. Heute ist Freudenberg Dichtungs- und Schwingungstechnik (Simrit) Weltmarktführer mit einem einzigartigen Sortiment von mehr als 30 000 Produkten, bis hin zu Radialwellendichtungen mit integriertem Leckagesensor.
Durch die Kooperation mit der japanischen NOK Corporation (seit 1960) und das Jointventure Freudenberg-NOK General Partnership in den USA entstand ein Verbund, der seinen Kunden weltweit maßgefertigte Komplettlösungen in der Dichtungs- und Schwingungstechnik bietet.
Mit der Entwicklung von Vliesstoffen aus Kunstfaser, die Freudenberg 1948 als Erster auf den Markt brachte, wurde das Unternehmen bald die Nummer eins in dieser Branche. Die Einsatzgebiete reichen von der Bekleidungsindustrie über den Hygienebereich bis hin zu technischen Anwendungen wie Autoinnenfiltern.
Erfolg durch Vielfalt, Hingabe zum Detail mit dem Anspruch auf „Null-Fehler-Qualität“ und den Blick stets zehn Jahre in die Zukunft richten. So lautet im Kern die Philosophie des Unternehmens, das sich im Besitz von rund 300 Nachkommen des Gründers Carl Johann Freudenberg befindet.
„In unserer besonderen Art der Unternehmenskultur spiegelt sich bis heute ein Stück handwerklicher Tradition der Gründerzeit wider“, sagt Dr. Hans-Jochen Hüchting, Mitglied der Unternehmensleitung und einer der persönlich haftenden Gesellschafter. „Neben einer sehr breiten Diversifizierung beruht der Erfolg unseres Unternehmens vor allem auf dem Vertrauensvorschuss, den wir unseren Mitarbeitern geben, und der großen Eigenverantwortung, die sie übernehmen können.“ Dies gelte bis zu jedem Mitarbeiter, der an einer Maschine steht.
So war es nur konsequent, das Unternehmen 1995 komplett umzukrempeln: „Das Stammhaus Karl Freudenberg mit seinem enormen Verwaltungsapparat wurde in einem ziemlichen Kraftakt auseinander genommen“, so Hüchting. Aus den bisherigen „Sparten“ entstanden selbstständige, für ihr operatives Geschäft eigenverantwortliche Gesellschaften, die in Geschäftsgruppen gebündelt wurden.
Freudenberg & Co., die in Weinheim ansässige Führungsgesellschaft, agiert als Managementholding, koordiniert die weltumspannenden Aktivitäten, berät und unterstützt die Teilkonzerne.
„Im Jungforscherprogramm der Freudenberg Forschungsdienste suchen wir an den Hochschulen gezielt nach begabten Nachwuchswissenschaftlern für unsere Gesellschaften“, erläutert Dr. Markus Grass, Leiter Vertrieb & Marketing Forschungsdienste. So wurden auch Anke Held, Gunter Scharfenberger und Matthias Soddemann direkt nach ihrer Promotion engagiert. Held befasst sich mit der Entwicklung flexibler Flachleiterkabel, Scharfenberger mit Gas-Diffusionsschichten für Brennstoffzellen, Soddemann arbeitet an polymeren Netzwerken für neue Plastomere.
„Das ist fast wie ein Sechser im Lotto“, so die Jungforscher: Man könne sich intensiv mit der Materie auseinander setzen, ohne gleich ins „kalte Wasser“ des Alltagsgeschäftes springen zu müssen, nach zwei bis drei Jahren werde man an die entsprechende Freudenberg-Gesellschaft „weitergereicht“.
Bei Freudenberg zu arbeiten, ist in vielen Weinheimer Familien gleichsam Ehrensache. So auch – in vierter Generation – für Erich Schaffert: „1962 begann ich mit einer Ausbildung zum Elektromechaniker, ich konnte drei Meisterbriefe erwerben, heute leite ich die Lehrwerkstatt“, sagt der 57-Jährige und erinnert sich an seinen Einstieg: „Damals war zum Einstellungsgespräch Hans Freudenberg persönlich dabei, der sich stets darüber freute, wenn ein Sohn oder Enkel eines Mitarbeiters in die Firma eintrat.“
Ganz im Sinn dieser Tradition wurde zum 150-jährigen Jubiläum im Jahr 1999 das Projekt „Tanner“ (engl. Gerber) ins Leben gerufen. Kindern und Enkeln von Mitarbeitern wird die Möglichkeit geboten, einige Wochen in einer ausländischen Mitarbeiterfamilie zu verbringen. „Damit wird ein Gefühl der Zusammengehörigkeit im Unternehmen geweckt, vor allem aber erfahren die Jugendlichen, wie wichtig es für ihre Zukunft ist, sich mit anderen Kulturen auseinander zu setzen, weltoffen zu sein“, so Hüchting.
BURCKHARD JUNGHANSS
www.freudenberg.de

Weinheim
an der Bergstraße ist Kreisstadt mit 42 000 Einwohnern. Neben Freudenberg haben hier weitere international agierende Firmen ihren Sitz wie ASG Luftfahrttechnik und Sensorik, die Spedition Transoflex, Wiley-VCH Verlag Chemie und Kukident. bj
www.weinheim-online.de/
Die roten Punkte geben diejenigen „Perlen“ an, die bereits in den VDI nachrichten vorgestellt wurden.

Von Burckhard Junghanss

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