Management

Fusionen und Übernahmen  

VDI nachrichten, Frankfurt am Main, 11. 1. 08, elb – 2007 gab es einen neuen Rekord bei Fusionen und Übernahmen, auch wenn Finanzinvestoren seit der Subprimekrise hier und da vor ungeahnten Finanzierungshürden standen. Wie Carsten Burger von Close Brothers im folgenden Beitrag schreibt, rechnet er für 2008 mit weiter hohen M&A-Aktivitäten in Deutschland – vor allem im Mittelstand. In den Bereichen Automobil, Maschinenbau, Elektronik oder Chemie kann es seiner Meinung nach aber auch zu vereinzelten Zukäufen großer Konzerne kommen.

Besonders Finanzinvestoren haben in der ersten Jahreshälfte 2007 eine große Rolle bei Unternehmenskäufen gespielt. Finanzinvestoren (Private Equity) halten ihre Beteiligungen lediglich für einen begrenzten Zeitraum von drei bis fünf Jahren. Die Übernahmen finanzieren sie vorwiegend mittels Fremdkapital. Dies war bis zur Mitte des Jahres auch problemlos möglich. Finanzinvestoren profitierten von historisch günstigen Finanzierungskonditionen sowie einer hohen Liquidität im Markt. Im Jahr 2006 wurde die Rekordsumme von 112 Mrd. € an Eigenkapital von europäischen Finanzinvestoren eingesammelt.

Mit diesem Kapital und dem damals hohen Fremdkapitalanteil wären sie in der Lage gewesen, Übernahmen mit einem Gesamtwert von 500 Mrd. € zu finanzieren. Die erste Übernahme eines Dax-30-Unternehmens schien damit durchaus möglich und wurde in den Fällen Continental, Daimler, Siemens oder TUI offen diskutiert.

Im Sommer 2007 hat sich dieses Bild gewandelt. In der sogenannten Subprimekrise mussten Banken Milliardenabschreibungen vornehmen. Hausbesitzer in den USA mit geringer Bonität konnten aufgrund steigender Zinsen und fallender Hauspreise ihre Zins- und Tilgungszahlungen nicht mehr erfüllen. Seitdem handhaben Banken die Neuvergabe von Krediten restriktiver, und Finanzinvestoren stehen vor der Herausforderung, Übernahmefinanzierungen zu realisieren. Ursprünglich hatten Banken die vergebenen Kredite an andere Institute bzw. Kapitalmarktteilnehmer weiter verkauft, um das Risiko nicht in den eigenen Büchern halten zu müssen.

Im Rahmen der Subprimekrise kam es zu einem starken Vertrauensrückgang. Banken blieben, wie im Falle der Übernahme von Chrysler durch Cerberus mit 4 Mrd. €, auf Kredittranchen sitzen. Da Banken selbst das Risiko scheuen, sind sie nur noch bedingt bereit, neue Kredite an Finanzinvestoren zu vergeben. Die geplante Übernahme der britischen Supermarktkette Sainsbury durch den Finanzinvestor Delta Two musste aufgrund gestiegener Finanzierungskosten abgesagt werden. Auch Blackstone konnte die Kredite für die Übernahme des Hypotheken- und Autoflottenspezialisten PHH Corporation nicht aufbringen.

Finanzierungsengpässe treffen jedoch vor allem Megatransaktionen von Finanzinvestoren über 1 Mrd. €. Strategische Käufer sind von den Engpässen kaum betroffen. Sie können Übernahmen aufgrund von Rekordgewinnen theoretisch ohne Fremdmittel finanzieren. Alleine die im DAX-30 gelisteten Automobilhersteller BMW, Daimler und Volkswagen verfügen gemeinsam über eine Kriegskasse von mehr als 34 Mrd. €.

Mittelständische Transaktionen sind von den derzeitigen Turbulenzen an den Finanzmärkten kaum betroffen. Unternehmen mit einzigartigen Produkten oder überlegenen Geschäftsmodellen sind weiter attraktive Übernahmekandidaten für strategische Käufer und Finanzinvestoren.

Trotz der Turbulenzen in der zweiten Jahreshälfte gab es 2007 insgesamt einen neuen Rekord für globale Fusionen und Übernahmen. Der Finanzdienstleister Thomson Financial berichtet, dass in dem Jahr weltweit Unternehmensverkäufe für fast 3,3 Billionen € angekündigt wurden. Das sind 14,8 % mehr als 2006 mit 2,9 Billionen €. Auch die Anzahl der Transaktionen liegt mit 42 659 in 2007 um 10,5 % über den 38 605 Transaktionen im Jahr 2006. 2007 waren an den 20 größten Transaktionen weltweit vier deutsche Unternehmen beteiligt.

Einzelne Industrien haben sich die generelle Entwicklung unterschiedlich zu Nutze gemacht. Der Maschinenbau etwa profitierte trotz des starken Euros von dem hohen weltweiten Wirtschaftswachstum und stellte neue Exportrekorde auf. Dies lenkte das Interesse von Investoren insbesondere auf Unternehmen, die international durch Technologieführerschaft und überlegene Produkte glänzen. Das positive Wirtschaftsumfeld genießt auch die Kautex Maschinenbau, die über 80 % ihres Umsatzes im Ausland erzielt und im März 2007 an Steadfast Capital verkauft wurde. Kautex ist Weltmarktführer bei Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Service hochwertiger Extrusionsblasmaschinen für technische Teile.

Der Automobilzulieferbereich ist von Überkapazitäten und einem hohen Margendruck seitens der Automobilkonzerne geprägt. Ausnahmen bilden Nischen- und technologisch komplexe Produkte, deren Anbieter weiterhin attraktive Margen und in Bezug auf Übernahmen auch überdurchschnittlich hohe Bewertungen erzielen.

Im Falle Siemens VDO hat zudem der Bieterwettstreit zwischen Continental und dem US-Automobilzulieferer TRW, an dem der Finanzinvestor Blackstone mehrheitlich beteiligt ist, zu einem attraktiven Verkaufserlös für Siemens geführt. Für 11,4 Mrd. € erhielt Continental den endgültigen Zuschlag und avancierte zum fünftgrößten Automobilzulieferer weltweit. Der Preis wird mit der Bündelung der Innovationskraft beider Unternehmen sowie der Verbreiterung des Produktportfolios mit Top-Technologien begründet, aus der sich ab 2010 jährliche Synergien von mindestens 170 Mio. € ergeben sollen.

Die europäische Chemieindustrie konzentriert sich mehr und mehr auf Spezialchemiebereiche. So verkaufte Lanxess im letzten Juni 51 % seines Kunststoffgeschäfts Lustran Polymers an Ineos und hat, um andere Bereiche weiter zu stärken, 70 % am brasilianischen Chemiekonzern Petroflex S.A. erworben. Damit hat Lanxess sein Produktportfolio in einem der wichtigsten Wachstumsmärkte der Welt ergänzt. Petroflex ist einer der bedeutendsten Hersteller von Synthese Kautschuk weltweit.

Im Bereich der Elektronik hat der Finanzinvestor HgCapital die Hirschmann Automation and Control GmbH, ein führender Spezialist für Automatisierungs- und Netzwerktechnik, an Belden CDT Inc. verkauft.

Belden ist ein weltweit führender Hersteller von Signalübertragungsprodukten. Der Kaufpreis betrug 245 Mio. €. Beide Unternehmen ergänzen sich nicht nur bei den Produkten, sondern auch bei ihren jeweiligen geographischen Stärken. So will Hirschmann Automation and Control seine Aktivitäten in den USA und im asiatischen Raum signifikant stärken. Belden wiederum kann seine Präsenz in Europa deutlich ausbauen.

Die aktuellen Finanzmarktturbulenzen scheinen sich hartnäckiger zu gestalten als von vielen Marktteilnehmern ursprünglich erwartet. Zentralbanken und Wirtschaftsforschungsinstitute gehen davon aus, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum 2008 etwas abschwächen wird, wobei eine Rezession in den USA nicht ganz ausgeschlossen wird.

Ein weiterhin prognostiziert hoher Ölpreis sowie der hohe Außenwert des Euros gegenüber dem Dollar stellen die exportorientierten deutschen Unternehmen vor Herausforderungen.

Sofern sich negative Konjunktur-Schlagzeilen nicht häufen ist weiterhin von einer hohen M&A-Aktivität in Deutschland auszugehen. Vor allem im Mittelstand werden Transaktionen an der Tagesordnung sein. Zum einen gibt es noch viele Unternehmen mit ungeklärter Nachfolge. Zum anderen ermöglicht der Zusammenschluss mit einem größeren Partner oder eine Kapitalspritze von einem Finanzinvestor, ein Unternehmen auf einen neuen Wachstumspfad zu bringen. Adcuram, Axa Private Equity, DZ Equity Partner, Hannover Finanz und Steadfast Capital sind Finanzinvestoren, die bei mittelgroßen Transaktionen in Deutschland sehr aktiv sind.

Auch wenn Finanzinvestoren vor allem bei Megatransaktionen kurzfristig als Käufer ins Hintertreffen geraten sind, wird ihre Bedeutung mittel- bis langfristig weltweit eher zunehmen. Insbesondere in Deutschland ist Private Equity im Vergleich zu angloamerikanischen Ländern noch unterrepräsentiert. Anstatt einer generellen Trendumkehr aufgrund der derzeitigen Turbulenzen an den Finanzmärkten ist eher damit zu rechnen, dass sich bei den Private-Equity-Fonds die Spreu vom Weizen trennen wird. Bei renommierten Adressen, wie Blackstone, Carlyle oder KKR, ist dann sogar mit einem Anstieg der verwalteten Volumina zu rechnen.

Die M&A-Aktivität innerhalb einzelner Industrien wird neben dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld insbesondere von der zugrunde liegenden Industriestruktur abhängig sein. In den Bereichen Automobil, Maschinenbau, Elektronik oder Chemie können weiterhin vereinzelte Zukäufe großer Konzerne erwartet werden. Im Bankensektor oder in der Luftfahrtindustrie herrscht weiterhin ein global hoher Konsolidierungsdruck.

CARSTEN BURGER

Volkswagen, BMW und Daimler: genügend Geld in der Kasse

Von Carsten Burger

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