Reinigungstechnik

Kärcher: Für jede Anwendung den richtigen Wasserdruck

Das schwäbische Familienunternehmen Kärcher feiert sein 75-jähriges Jubiläum. 60 Jahre ist es her, dass Alfred Kärcher den ersten Hochdruckreiniger auf den europäischen Markt gebracht hat.

Mit Innovation vor allem beim Zubehör will Kärcher für jede Anwendung in Industrie und Gewerbe, im Haushalt und für Kommunen das richtige Gerät bereitstellen. Weltmarktführer mit S-Bahn-Anschluss gibt es im Großraum Stuttgart so manche. Vom Stuttgarter Hauptbahnhof aus geht es in einer halben Stunde in nordöstliche Richtung weiter nach Winnenden. Traurige Berühmtheit erlangte das 27 500 Einwohner zählende schwäbische Städtchen durch den Amoklauf an der Albertville-Realschule – fast eineinhalb Jahre ist das her. Dass hier die Konzernzentrale von Kärcher ist, weltweit größter Anbieter von Reinigungstechnik, wissen dagegen weniger Menschen.

Firmenchef Hartmut Jenner umreißt knapp die Erfolgszahlen: „6,4 Mio. verkaufte Produkte waren es 2009, mehr als die Hälfte davon sind Hochdruckreiniger. Für den gewerblichen Bereich gibt es sie in weit mehr Varianten als für die Endkunden.“

Dabei reichen die Einsatzgebiete vom Ausspritzen der riesigen Schokoladentiegel in der Lebensmittelindustrie über Lkw-Waschanlagen bis hin zur Hochdruckreinigung der Präsidentenköpfe am Mount Rushmore. Kenner wissen, dass Kärcher auch für Scheuersaugmaschinen, multifunktionale Kehrmaschinen für Kommunen, Industriesauger aller Art, Wasseraufbereitungsanlagen und -spender und vieles mehr steht.

Privatkunden, die im Haus und Garten alles nur Erdenkliche reinigen wollen, finden unzählige Geräte im charakteristischen Kärcher-Gelb bislang im Baumarkt. Das soll sich mit der neuen weißen „Home Line“ ändern. „Vor allem Frauen wollen wir über den Elektrofachhandel als Kunden erschließen“, sagt Firmenchef Jenner.

Stolz rasselt er herunter, dass dieses riesige Sortiment von 2200 Produkten 7194 Mitarbeiter in 17 Werken weltweit stemmen. Allein 600 kümmerten sich um nichts anderes als Innovation. Über 1000 Patente hat Kärcher in der 75-jährigen Firmengeschichte angemeldet, aktuell hält das Unternehmen 355.

Eine der wichtigsten Erfindungen von Alfred Kärcher ist heute noch legendär. 1950 präsentierte er den ersten europäischen Heißwasser-Hochdruckreiniger. Für die amerikanischen Streitkräfte hat er ihre „Steam Cleaner“, die in den 20er-Jahren in den USA erfunden wurden, gewartet und repariert. Er verbesserte das gängige Reinigungsverfahren, indem er dem Dampfkreislauf eine Pumpe vorschaltete und dadurch den entstehenden Druck auf 10 bar erhöhte.

Damit war der Grundstein für ein neues Geschäftsfeld gelegt. In den vergangenen 30 Jahren wandelte sich Kärcher vom alleinigen Hersteller von Hochdruckreinigern zum Vollsortimenter für Reinigungsgeräte. Das ist es auch, was ihn von Wettbewerbern wie Kränzle, Stihl oder Bosch unterscheidet.

„Wir schielen nicht auf den Wettbewerb“, sagt der 45-jährige Chef. „Die Nr. 1 muss sich immer von innen heraus verbessern und nicht nur wirtschaftlich eigene Ziele setzen, sondern auch bei der Fokussierung auf die Kunden, bei der Globalisierung und der Innovation.“ Und dann wird Jenner in breitem Schwäbisch richtig emotional. „Wenn Bayern München nicht Erster ist, dann ist der Teufel los“, sagt der bekennende VfB-Stuttgart-Fan und man nimmt ihm ab, dass das auch für die eigene Firma gilt.

Seit fast 20 Jahren ist Hartmut Jenner jetzt bei Kärcher, zwei Praktika während seines Studiums an der Uni Stuttgart, das er als Diplom-Ingenieur für Maschinenbau und Diplom-Kaufmann abschloss, führten ihn direkt in die Entwicklungsabteilung. „Ein Praktikum habe ich sogar in der Vorentwicklung gemacht. Das ist ja eher Forschung auf Tüftelniveau“, erinnert er sich. „Ich wollte kein Berater werden, sondern physische Produkte in einem mittelständischen Unternehmen bauen und sie auf dem Weltmarkt verkaufen.“ Vier Bewerbungen bei „Unternehmen, die ähnlich wie Kärcher waren“, ergaben vier Zusagen.

Mit 26 Jahren steigt Jenner als Assistent der Geschäftsführung bei Kärcher ein, hatte in kurzer Zeit viele leitende Posten, war lange in den USA, bevor er im Jahr 2000 Geschäftsführer wurde. Auf Schwäbisch sagt man dazu „a Käpsele“ – ein Überflieger, der bis „heute gerne reist und die unglaubliche technische Neugier auf Innovation“ von Firmengründer Alfred Kärcher bewundert.

Die Grundlage für die vielen Innovationen der letzten Jahre liegt für Jenner in der „bis heute guten Tüftlerkultur“. So dürften die mehr als 600 Luft- und Raumfahrttechniker, Physiker, Metallurgen, Elektroingenieure, Maschinenbauer und Akustiker durchaus „Entwicklungen in den Sand setzen, ohne dass sie gleich an den Pranger gestellt werden“. Es komme nur darauf an, rechtzeitig die Handbremse zu ziehen.

Die 425 Forscher an der Konzernzentrale Winnenden legen mit technisch aufwendigem Equipment die Grundlagen für die lange Liste an Innovationen. Darunter ist z. B. die Rotordüse aus den 90er-Jahren. Das ist eine kreisende Punktdüse, mit der sich durch den drehenden Wasserstrahl großflächiger und effizienter Verkrustungen lösen lassen. Oder neue Walzenbürsten, die im Vergleich zu Scheibensystemen bei Scheuersaugmaschinen durch den gleichmäßigen und sechsmal höheren Anpressdruck über die Breite der Bürste ebenfalls effizienter reinigen.

Derzeit entstehe in der Entwicklungsabteilung und im Prototypenbau ein Spezialgerät für die Reinigung von Dachrinnen, munkelt man auf dem über 80 000 m2 großen Firmengelände.

Wenn es um die Zukunft geht, wird Jenner recht einsilbig. Zubehör für spezielle Anwendungen optimieren, heißt es da und: „Innovation ist bei allem möglich, weil wir sehr junge Produkte haben.“ 80 % der Geräte sind jünger als fünf Jahre. Insgesamt gebe es genügend Details und Spielraum für Verbesserungen bei Antrieb, Brenner und Düsen.

Auch nachwachsende Rohstoffe haben die Schwaben im Blick. Diese könnten bei explodierenden Weltmarktpreisen für Kupfer wichtig werden. Schließlich besteht das Druckaggregat, Herzstück der Industrie-Hochdruckreiniger, zu großen Teilen aus Messing. Getestet werden zudem Kunststoffe auf biologischer Basis als Material für Hauben. Und natürlich interessieren Jenner auch Fortschritte in der Brennstoffzellentechnik und bei Lithium-Ionen-Akkus.

Doch das Hauptaugenmerk legt der Kärcher-Chef weiterhin auf die Reinigung. Bis jetzt habe sich in Privathaushalten außer dem Staubsauger oder der Geschirrspülmaschine kein technisches Produkt gegenüber manuellem Putzen durchgesetzt. „Das wollen wir weiter mechanisieren, um umweltfreundlicher, hygienischer, schneller und ökonomischer zu reinigen.“

 

Von N. Wohllaib

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