Macht nicht ausspielen 23.09.2013, 16:11 Uhr

Führungskräfte mit sozialen Fertigkeiten erreichen bessere Ergebnisse

Unkluge Chefs behandeln ihre Mitarbeiter wie die Bauern auf dem Schachbrett: Sie werden hin und her geschoben, vorgeschickt oder geopfert. Kluge Chefs dagegen versuchen, ihre Mitarbeiter für sich zu gewinnen und zu motivieren.  Der Bonner Prof. Gerhard Blickle erklärt, worauf es bei Führung ankommt.

Manager müssen nicht nur fachlich top sein. Die Führung von Mitarbeitern fordert zudem wachsende soziale Kompetenz. Wer seine Mitarbeiter gut behandelt, darf auf bessere Leistungen seiner Belegschaft setzen.

Manager müssen nicht nur fachlich top sein. Die Führung von Mitarbeitern fordert zudem wachsende soziale Kompetenz. Wer seine Mitarbeiter gut behandelt, darf auf bessere Leistungen seiner Belegschaft setzen.

Foto: Dmitriy Shironosov/Panthermedia

Was Führungskräfte brauchen, um kluge Chefs zu sein, hat Prof. Gerhard Blickle, Leiter der Abteilung für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Bonn, in einer Studie untersucht. Die Bonner Forscher befragten 476 Mitarbeiter und 190 Vorgesetzte der Metall-, Chemie- und Elektroindustrie sowie in Krankenhäusern. Das Interview führte ingenieur.de-Redakteurin Anne Sengpiel.

ingenieur.de: Herr Prof. Blickle, was macht Führungskräfte zu erfolgreichen Führungskräften?

Prof. Blickle: Vorgesetzte sollten ihren Mitarbeitern klar machen, was sie von ihnen erwarten: Was sind die Aufgaben, die zu erledigen sind? Welche Ziele sollen erreicht werden? Bis wann soll das Ergebnis vorliegen? Und Führungskräfte sollen Rückmeldungen geben, ob die Aufgaben erledigt und die Ziele erreicht sind. Das nennt man einen aufgabenorientierten Führungsstil.

Gleichzeitig sollen Vorgesetzte höflich und respektvoll mit ihren Mitarbeitern umgehen, ihre Rechte achten, Entscheidungen faktenbasiert und nicht willkürlich treffen, keine Günstlingswirtschaft zulassen und auf die individuelle Situation von Mitarbeitern eingehen. Das nennt man einen mitarbeiterorientierten Führungsstil.

Führen Rücksicht und Höflichkeit zu besseren Arbeitsergebnissen?

Klare Ansage einerseits und Höflichkeit und Respekt anderseits führen zum besten Ergebnis. Vorgesetze, die viel Macht haben, die also einstellen, entlassen, befördern und das Gehalt festlegen können, meinen manchmal, für sie gilt das alles nicht. Aber genau das ist falsch. Ein kluger Vorgesetzter versucht, seine  Mitarbeiter für sich zu gewinnen, obwohl er mächtig ist, es also scheinbar nicht nötig hätte.

Prof. Gerhard Blicklevon der Universität Bonn

Prof. Gerhard Blicklevon der Universität Bonn

Foto: Uni Bonn

Der kluge Vorgesetzte legt großen Wert darauf, zufriedene Mitarbeiter zu haben, denn zufriedene Mitarbeiter sind bereit, herausfordernde Aufgaben anzugehen, sie lösen selbstständig ganz viele Aufgaben, um die sich der Chef überhaupt nicht kümmern muss. Und sie haben eine hohe Firmenbindung.

Was passiert, wenn Vorgesetzte nur ihre Macht ausspielen? 

Politisch unkluge Vorgesetzte, die viel Macht haben, behandeln ihre Mitarbeiter wie Bauern auf einem Schachbrett, die in einem großen Spiel hin und her geschoben und gegebenenfalls geopfert werden. Dem Mitarbeiter wird nichts erklärt, sondern er oder sie bekommt nur Anordnungen. Sie oder er soll nicht denken, sondern ausführen. Der mächtige, aber unkluge Chef erliegt dem Wahn, er wüsste alles besser und nur durch seine weitsichtige Strategie würde die Organisation in Richtung Erfolg laufen. Das ist natürlich Unsinn. Organisationen sind erfolgreich, wenn Mitarbeiter eingebunden werden, wenn sie mitdenken und dadurch zu Mitleistern werden.

Macht und Motivation schließen sich nicht gegenseitig aus?  

Der Vorgesetzte ist wie der Dirigent eines Orchesters, ein Koordinator. Mächtige Chefs mit hohen politischen Fertigkeiten wissen das. Sie geben keine Anweisungen, sondern Ratschläge. Sie helfen ihren Mitarbeitern, anstatt sie abzukanzeln, sie stärken deren Selbstbewusstsein, anstatt es zu schwächen. Solche Mitarbeiter stehen voll hinter ihrem Chef und bringen Leistungen, die weit über das Geforderte hinaus gehen.

Können Vorgesetzte die politischen Fertigkeiten erlernen?

Um Chef zu sein, sollte man eine bestimmte Neigung dafür mitbringen, auf andere zuzugehen. Man sollte Talent dafür haben, aus den nonverbalen Signalen des Körpers wie Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimme herauslesen zu können, was andere umtreibt und was sie wollen, auch wenn sie es nicht sagen.

Wer Chef sein will, muss ein hohes Maß an Aktivität an den Tag legen und sehr flexibel in seinem Verhalten sein. Außerdem muss er überzeugungsstark sein und sich darstellen können, um Vertrauen zu gewinnen. Psychologen nennen das als Persönlichkeitsmerkmal Extraversion. Aber es gibt auch Extravertierte, die all das nicht können, weil sie ihr Führungstalent nicht entwickelt haben.

Führungskräfte brauchen also Trainingseinheiten?

Ja, das ist wie mit der Musikalität. Wer musikalisch ist, ist noch lange kein guter Dirigent. Um aus dem Talent eine Kompetenz zu machen, ist es gut, Mentoren zu haben, die einen an der Hand nehmen, und denen man beim Lösen von Führungsproblemen erst mal zuschauen kann.

Dann sollte man soziale Koordinationsaufgaben übernehmen, bei denen man andere zusammenbringen muss, obwohl man ihnen nichts anzuweisen hat. Dadurch entwickeln sich die politischen Fertigkeiten ebenfalls sehr positiv. Und schließlich sollte man die Spielregeln vor Ort jeweils genau studieren. In einem Industriebetrieb gibt es andere Spielregeln der Macht als in einer Behörde, und in einem Familienbetrieb gelten wieder andere Spielregeln als in einer großen Aktiengesellschaft.

Man muss also Talent mitbringen, gute Mentoren haben, soziale Koordinationsaufgaben gelöst haben und immer aufmerksam für die Spielregeln der Macht vor Ort sein, um gute politische Fertigkeiten zu entwickeln, die einem dann entscheidend dabei helfen, als Führungskraft nicht nur mächtig, sondern auch erfolgreich zu sein.

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