Management

„Führen, motivieren und die Bälle in der Luft halten“  

VDI nachrichten, Süßen, 16. 5. 08, ps – Seit Jahrzehnten glänzt die Carl Stahl GmbH mit kontinuierlichem Wachstum. Der Seil-, Hebe- und Sicherheitstechnikspezialist mit Sitz im schwäbischen Süßen ist weltweit aktiv. Geschäftsführer Wolfgang Schwenger über die Perspektiven des Familienunternehmens.

Schwenger: Unsere Kernkompetenz liegt im Drahtseil, das wir zum Teil auf eigenen Maschinen in verschiedensten Stärken fertigen und für die unterschiedlichsten Einsätze konfektionieren. Das reicht vom haarfeinen Seil für die Elektronik von Computern über armdicke Stahlseile für Stahlwerke, Werften oder Bohrinseln bis hin zum Feinseilseilbereich für Architektur oder Medizintechnik.

VDI nachrichten: 20 Jahre lang hat es Ihr Vater geschafft, den Umatz alle fünf Jahre zu verdoppeln. Und auch heute legt Ihr Umsatz jährlich noch um 15 % zu. Wie gelingt Ihnen das?

Schwenger: In den 80er/90er-Jahren resultierte das Wachstum stark aus strategischen Zukäufen bundesweit, mit denen mein Vater interessante Zielmärkte erschloss. Wir schauten aber stets, dass wir auch branchenverwandtes Know-how zukauften, wie etwa die Balancer von Kromer in Freiburg oder die Greiferlösungen von Nordgreif in Hamburg. Seit knapp 20 Jahren duplizieren wir diesen Erfolg weltweit und durchdringen zugleich den bestehenden Markt mit unserem Außendienst.

VDI nachrichten: Wie verkraftet Ihr Unternehmen dieses dauerhafte Wachstum?

Schwenger: Das ist im Kern unsere Führungsaufgabe, die Prozesse schlank zu halten und das Unternehmen schnell und flexibel. 2007 haben wir hierfür bionische Strukturen eingeführt. Das heißt, wir haben die klassischen Abteilungen, wie Vertrieb und Einkauf, aufgelöst und haben sämtliche Prozesse entlang der Wertschöpfungskette, von der Bestellung bis zur Auslieferung, an Teams übertragen. Diese umfassen jeweils sieben bis 13 Mitarbeiter, die für bestimmte Marktgebiete zuständig sind. Sobald der 14. Mitarbeiter hinzukäme, zerfällt das Team in zwei neue, die dann wieder mit ihren Aufgaben auf bis zu 13 Personen wachsen.

VDI nachrichten: Wie hat sich das System bewährt?

Schwenger: Nach anfänglichen Schwierigkeiten, bei denen es primär um Kompetenzgerangel ging, sehr gut. Wir denken, die Prozesse um rund ein Drittel beschleunigt zu haben. Die Kosten wurden fast in ähnlicher Größe reduziert und vor allem die Fehlerquote wurde unter 1 % gedrückt. Vor allem aber spüren wir eine größere Zufriedenheit unserer Mitarbeiter, weil sich ihr Gestaltungsfreiraum deutlich vergrößert hat.

VDI nachrichten: Wie finanzieren Sie Ihr Wachstum?

Schwenger: Wie der gesamte gesunde und inhabergeführte Mittelstand. Wir reinvestieren die Gewinne, und wo das nicht reicht, finanzieren wir über Banken. Aktuell liegt unsere Eigenkapitalquote bei rund 43 %. Das waren auch schon 52 %. Aber wenn man bedenkt, welches Wachstum wir hinter uns haben, brauchen wir uns nicht zu verstecken. Nun wollen wir zunächst einige Jahre konsolidieren.

VDI nachrichten: In Indien und Indonesien stehen dieses Jahr aber jeweils Joint Ventures an.

Schwenger: Da müssen wir mit dem Rhythmus der Weltkonjunktur gehen und die Chancen ergreifen, die sich uns bieten. Mit Tata und Mahindra stehen in Indien gleich zwei Autobauer am Start, deren Montagestraßen wir mit unseren Greifer- und Hebelösungen ausstatten wollen. Und in Indonesien haben wir die Möglichkeit, mit einem der weltweit größten Hersteller von Bohrinseln zu kooperieren.

In beiden Ländern rechne ich in zwei bis drei Jahren mit einem zusätzlichen Jahresumsatz von je rund 2 Mio. € – und das ist jeweils erst der Einstieg in diese boomenden Märkte. Für beide Länder produzieren wir übrigens in Europa, die sind Vertriebsmärkte für uns.

VDI nachrichten: Was ist Ihre vordingliche Aufgabe als Geschäftsführer?

Schwenger: Führen und motivieren, führen und motivieren. Außerdem müssen wir die Bälle, die unser Unternehmen spielt, alle in der Luft halten und parallel dürfen wir auf dem Weltmarkt keine Chancen verpassen, die sich unserer Gruppe bieten.

VDI nachrichten: Wie setzt sich aktuell der Umsatz der Gruppe zusammen?

Schwenger: Im Bereich der Hebetechnik, wo wir bis zum einzeln gefertigten sensorgestützten Coilgreifer oder elektrohydraulischen Baustahlmattengreifer individuelle Kundenlösungen bieten, machen wir 125 von insgesamt 210 Mio. € Umsatz. Je 40 Mio. € entfallen auf Feinseile für die Mikroelektronik, Zentralverriegelungen für Autos, mikrochirurgisches OP-Besteck oder Bowdenzüge für Elektrogeräte und auf Architekturseile, die in Gebäudeabspannungen oder Geländern verbaut werden oder im Projektgeschäft etwa für Flughafentower und Zoogehege.

VDI nachrichten: Was erwarten Sie für das laufende Jahr?

Schwenger: Nachdem die Weltkonjunktur noch gut läuft, dürften wir beim Umsatz erneut um 15 % zulegen. Viel wichtiger aber wird, was in den nächsten Jahren passiert, wenn sich die Konjunktur eintrübt. Unser mittelfristiges Ziel ist es, uns immer mehr vom klassischen Produkt zu lösen und parallel Wartung, Training und Beratung als separate Dienstleistungen zu verkaufen.

VDI nachrichten: Wie weit sind Sie auf diesem Weg?

Schwenger: Mit unserem Prüfservice und unseren Inhouse-Seminaren beim Kunden, bei denen wir auf der Rechtsbasis der Berufgenossenschaften befähigte Personen ausbilden, sind wir schon auf dem richtigen Kurs. In vielen Unternehmen ist unser Außendienst auch ein willkommener Ratgeber, der Tipps gibt, wie man Rundschlingen verschleißfreier anlegt oder wie Mitarbeiter rückenschonender Be- oder Entladen. Meine Vision sind Prozessingenieure, die den Kunden bereits beraten, wenn er eine neue Halle einrichtet. Denn wir sind die Experten für den Materialfluss wie die einzelnen Komponenten von Bearbeitungsplatz zu Bearbeitungsplatz kommen.

VDI nachrichten: Mit der Carl Stahl Academy weihen Sie dieses Jahr noch einen Meilenstein auf diesem Weg ein.

Schwenger: Ja, die Academy bündelt alle Aktivitäten im Bereich Weiterbildung, die wir seit 1988 als eigenständige Dienstleistungen verkaufen. Neben den klassischen Transport- und Ladungsthemen kam 2007 der Managementbereich hinzu. In unserem 3,5 Mio. € teuren Schulungszentrum, in dem wir unser gesamtes Produktportfolio zeigen, wollen wir mittelfristig 1 Mio. € Umsatz im Jahr machen.

VDI nachrichten: Wie hat sich Ihre Premiumproduktlinie Condor angelassen?

Schwenger: 2005 aus der Taufe gehoben, sind mittlerweile acht von 300 Hebetechnikprodukten im Condorstyle im Carl Stahl-Design auf dem Markt. Diese absolute Premiumlinie mit ausgewählten, europäischen Zulieferern macht bereits 4 Mio. € Umsatz, davon die Hälfte mit Neukunden, die diese perfekte Qualität anspricht. Bis 2015 wollen wir die komplette Produktlinie in Condorqualität anbieten.

VDI nachrichten: Wo soll Carl Stahl in fünf Jahren stehen?

Schwenger: Wenn wir alles richtig machen, könnten wir dann 500 Mio. € Umsatz erzielen. Denn je größer man wird, desto attraktiver wird man auch für andere, beobachten wir. Schon heute stellen wir fest, dass uns auf dem Weltmarkt immer mehr zugetragen wird, weil man uns kennt. Entsprechend können wir durch strategische Zukäufe reagieren oder durch organisches Wachstum von der Globalisierung profitieren.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielen dabei Innovationen?

Schwenger: Primär geht es um Verfügbarkeit, aber schon heute haben 80 % all unserer Produkte ein Alleinstellungsmerkmal. Das können Patente sein, Stahlsondergüten oder Spezialanfertigungen. Unsere Produkte immer besser zu machen, ist eine Daueraufgabe, an der unsere Ingenieure dran sind. Die Schlagworte heißen hohe Tragfähigkeit, Festigkeit und Verschleißresistenz. Auch wenn es zum Stahl derzeit noch kaum Alternativen gibt, arbeiten unsere Ingenieure an Materialersatz aus Kunststoff oder Keramik, aber auch an Klebeverfahren, die im vielfältigen Alltag aber zu meist noch an fettigen, öligen Flächen oder heißen Oberflächen scheitern.

MICHAEL SUDAHL

Von Michael Sudahl

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Die Autobahn GmbH des Bundes Abteilungsleitung (w/m/d) Planung Ingenieurbauwerke Heilbronn
KRATZER AUTOMATION AG-Firmenlogo
KRATZER AUTOMATION AG Leiter (m/w/d) Entwicklung Konstruktion Gesamtsysteme Unterschleißheim bei München
Jungbunzlauer Ladenburg GmbH-Firmenlogo
Jungbunzlauer Ladenburg GmbH Projektingenieur (m/w/d) Ladenburg
Hafen Krefeld GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Hafen Krefeld GmbH & Co. KG Leitung des Eisenbahninfrastrukturunternehmens und der Technikabteilung (m/w/d) Krefeld
NEW AG-Firmenlogo
NEW AG Ingenieur TGA/Elektrotechnik (m/w/d) Mönchengladbach
Jungbunzlauer Ladenburg GmbH-Firmenlogo
Jungbunzlauer Ladenburg GmbH Projektleiter/Projektingenieur – Elektrotechnik (m/w/d) Ladenburg
BYK-Chemie GmbH-Firmenlogo
BYK-Chemie GmbH (Industrial) Engineer as Head of Process Control Systems (m/f/d) Wesel
eppendorf-Firmenlogo
eppendorf Abteilungsleiter Entwicklung Zubehör (m/w/d) Leipzig
Adolf Würth GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Adolf Würth GmbH & Co. KG Führungskraft (m/w/d) Projektkoordination Akkuprodukte/ Versuchsbetrieb Künzelsau
Physik Instrumente (PI) GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Physik Instrumente (PI) GmbH & Co. KG Leiter Operational Excellence (m/w/d) Karlsruhe

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.