Top-Thema Familie

Freitags bleibt der Mann zu Hause  

Das mittelständische Maschinenbauunternehmen Schönberger wurde für seine familienfreundliche Firmenpolitik belohnt. Bundeskanzler Gerhard Schröder zeichnete das von zwei Frauen geführte Siegerunternehmen im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Erfolgsfaktor Familie 2005“ aus.

Vor vier Jahren fühlte sich Mathias Lahrmann reif für das Haifischbecken. Nach seinem Diplom zum Wirtschaftsingenieur und erfolgreichem Berufseinstieg bei einem Verkehrsdienstleister bewarb er sich bei der Unternehmensberatung BSL Management Consultants in Hamburg. Dabei schränkte er für sich ein, dass „für mich die Arbeitsbelastung auch Grenzen hat“, opfern würde er dafür nicht seine gesamte Freizeit. Doch ausgerechnet eine Unternehmensberatung, die mit ihren oft üblichen 14-Stunden-Tagen zum Schrecken jedes Privatlebens wird?

„Ich habe schon in den Bewerbungsgesprächen gemerkt, dass es bei BSL anders ist, weil dort das Thema familienfreundliches Arbeiten bereits damals in Ansätzen eine Rolle spielte“, so Lahrmann in der Rückschau. Heute zählt BSL zu den Schrittmachern seiner Branche, was familienfreundliche Arbeitsbedingungen angeht. Ein flexibles Teilzeitmodell speziell für Berater bietet ihm die Chance, dem Privatleben mehr Platz einzuräumen. Während Mathias Lahrmann nach einer Teilzeit-Phase inzwischen wieder projektbedingt in Vollzeit arbeitet, stieg sein Kollege auf die Teilzeitlösung um, als dessen Frau Zwillinge erwartete. „Eigentlich hätte das in meiner Branche einen Jobwechsel zur Folge gehabt“, so Stefan Weigele, doch seine Chefs zeigten sich einsichtig und legten kräftig nach: Neben den Teilzeitmodellen übernehmen sie Kita-Beiträge und richten vernetzte Homeoffice-Plätze ein. So arbeitet er inzwischen nur noch 80 %, freitags macht er frei. Das freut seine Frau, die nun wieder arbeiten gehen kann.

Solche familienfreundlichen Modelle finden sich inzwischen immer häufiger in Unternehmen. Das beweist auch der Unternehmenswettbewerb „Erfolgsfaktor Familie 2005“, den das Bundesfamilienministerium bereits zum vierten Mal durchgeführt hat. Diesmal bewarben sich in drei Kategorien mit 366 Firmen gleich fünf Mal mehr Betriebe als beim letzten Mal. Sieger bei den Kleinbetrieben wurde die Anton Schönberger Stahlbau und Metalltechnik aus dem oberpfälzischen Wölsendorf. Das Traditionsunternehmen wird von den Schwestern Andrea und Sabine Schönberger geleitet und legt viel Wert auf familienfreundliche Problemlösungen: So gibt es im Firmengebäude eine „Notfallstube“, in der die Kinder der Mitarbeiter betreut werden, wenn kurzfristig der Kindergarten ausfällt oder die Oma krank geworden ist.

Hier springen auch mal die beiden Chefinnen höchstpersönlich ein, um die Mitarbeiterkinder zu beaufsichtigen, „unsere Arbeit holen wir dann eben später nach“, so Sabine Schönberger, kaufmännische Leiterin des Unternehmens, das sich auf einzelgefertigte Stahl- und Schweißkonstruktionen spezialisiert hat. Ihre Schwester Andrea sorgt als Maschinenbau- und Schweißfachingenieurin dafür, dass das Unternehmensmotto „Wir schweißen Qualität zusammen“ beim Kunden auch ankommt. Der Preis dafür ist hoch, denn die Kunden erwarten von Schönberger viel Flexibilität. „Unsere Leute haben oft zwölf- bis 13-Stunden-Einsätze und müssen über Stunden in Zwangslagen schweißen“, so Sabine Schönberger.

Hinzu kommen Belastungen aus dem angebotenen 24-Stunden-Kundenservice und den vielen Aufträgen an Wochenenden und in den Schulferien. „Da müssen wir schon einiges bieten, zumal BMW nur 8 km von uns entfernt ist und eine 37-Stunden-Woche mit weitaus bequemerer Fließbandarbeit bietet.“ Doch Sabine Schönberger ist stolz darauf, dass ihre Mitarbeiter treu sind. Es ist ein Geben und Nehmen, schließlich dürfen die 28 Mitarbeiter ihre Stellenanforderungen selbst mitgestalten. Kindergartenzuschüsse, Freistellung von heimatfernen Einsätzen in den letzten drei Schwangerschaftsmonaten der Partnerin, zinslose Darlehen oder Hilfen bei der Wohnungssuche gehören ebenfalls zu den gebotenen Entlastungen.

„Wir bekommen zwar von anderen Firmen schon mal zu hören: Euch muss es ja gut gehen!“, so Sabine Schönberger, „aber sie sehen nicht, dass es sich für uns tausendfach auszahlt, weil wir von unseren Leuten so viel zurückbekommen.“ Zu ähnlichen Ergebnissen kommen auch Studien wie die der Prognos AG, die erhebliche Kostenvorteile für familienfreundliche Programme in Betrieben errechnet haben, von eingesparten Kosten für die Wiederbeschaffung von Personal, geringeren Fehlzeiten und höherer Arbeitsmotivation bis hin zum Imagegewinn.

Und doch halten sich Vorurteile von Personalchefs hartnäckig, die eine bevorstehende Familienplanung von Bewerbern eben doch als Karrierebelastung bilanzieren und vor drohenden Beeinträchtigungen des Arbeitsalltags zurückschrecken. Dazu passt auch, dass sich BSL-Chef Knut Petersen schon Sorgen macht, „dass wir mit unseren familienfreundlichen Maßnahmen nun in die soziale Ecke gestellt werden und Kunden glauben könnten, in unseren Büros würden Kinder spielen und die Arbeit würde nicht rechtzeitig fertig.“ Dabei ist genau das Gegenteil Ziel der familienfreundlichen Firmen: Mitarbeitern sollen Probleme rund um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf abgenommen werden.

„Die wichtigste Hilfe für meine eigene Hochschulkarriere war der Satz in der Betriebsvereinbarung meines Mannes: Aus familiären Gründen ist die Abwesenheit in Kernzeiten erlaubt“, bestätigt auch Burghilde Wieneke-Toutaoui, Professorin für Maschinenbau an der Technischen Fachhochschule Berlin. Daher konnte ihr Mann mal einspringen, wenn ein Kind krank vom Kindergarten abgeholt werden musste. „Die Zeit hat er dann nachgearbeitet, so dass der Arbeitgeber dadurch nicht geschädigt wurde.“

Unterdessen freute sich Renate Schmidt bei der Preisverleihung im Bundeskanzleramt darüber, „dass das Thema Familie endlich dort angekommen ist, wo es hingehört: im Zentrum der Macht.“ Wenn das auch Unternehmen für sich in Anspruch nehmen, haben sie eines bald gelöst: ihr Nachwuchsproblem. ANDREAS LEIMBACH

Von Andreas Leimbach

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