Arbeitsmodelle

„Flexibilität: Patentrezept, das Probleme bereitet“

Ohne finanzielle Absicherung und ohne den Ausbau des Bildungssystems lässt sich die Bereitschaft zu größerer Flexibilität und Mobilität kaum steigern, meint der Bamberger Arbeitswissenschaftler Olaf Struck. Sei diese Sicherheit erst gewährleistet, dankten Mitarbeiter ihren Arbeitgebern in Form höherer Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft.

VDI nachrichten: Ist Flexibilität in der Arbeitswelt ein Problem oder ein Patentrezept?

Struck: Beides: Flexibilität gilt als Patentrezept, sie kann aber auch Probleme bereiten. Dabei sind nicht Flexibilitätsanforderungen selbst ein Problem, sondern fehlende Flexibilitätspotenziale, die notwendig sind, um auf neue Herausforderungen reagieren zu können.

Dabei denkt man zunächst an die eingeforderte Bereitschaft von Arbeitnehmern, sich in modernen Arbeitswelten flexibel zu zeigen. Inwieweit sind Arbeitgeber gefordert?

Die Arbeitgeber müssen Weiterqualifizierung und Kompetenzzuwachs ermöglichen! Wer unmittelbar und flexibel reagieren will, muss auf Flexibilitätspotenziale – wie etwa auf Kompetenzen – zurückgreifen können. Das erfordert Investitionen. Es müssen also allgemeine Qualifikationen im Vorfeld erworben werden, um sie dann, wenn sie benötigt werden, schnell abrufen oder ergänzen zu können.

Flexibilität kann in Bezug auf zeitliche, inhaltliche, räumliche Kriterien und auf Gehaltsaspekte bezogen sein. Wo steht der größte Umbruch bevor?

Der zunehmend beschleunigte Verlauf zu mehr Flexibilität besteht seit Längerem und wird sich auf allen genannten Ebenen fortsetzen. Dies gilt seit Längerem für das Entgelt, das sich stärker an Leistung bemisst und es gilt für flexible Tages- oder Monatsarbeitszeiten, etwa um den flexiblen Kundenbedürfnissen besser begegnen zu können. Künftig werden Kontenregelungen in Bezug auf die Lebensarbeitszeit an Bedeutung gewinnen. Sie sind geeignet, Konjunkturschwünge auszugleichen und flexiblere Altersausstiege zu ermöglichen. Wichtig ist aber auch, dass sie für Weiterqualifizierung genutzt werden, damit Beschäftigte steigende Anforderungen bewältigen können.

Schnelle Veränderungen von Produkten und Absatzmärkten gefährden stabile Beschäftigungssysteme. Kann Leistungsbereitschaft auch in ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen sichergestellt werden?

Ich denke, dass dies geht: Voraussetzung ist, dass Betriebe die Risiken von Betriebswechseln mindern. Dies gelingt etwa durch Weiterqualifizierungsmöglichkeiten und den Aufbau einer Reputation für Qualität und Ausbildungsstandards. Wichtig sind außerdem die Unterstützung von Netzwerken sowie der Wille, einmal erworbene Berufskompetenzen für spätere Arbeitgeber gut sichtbar zu machen.

Sind neue Kontrollmittel nötig, flexible Arbeitsmodelle zu überwachen?

Staatliche Maßnahmen können Positivwirkungen von Flexibilität unterstützen und Negativwirkungen begrenzen. Hierzu gehört der Ausbau des Bildungssystems, um den zu erwartenden Fachkräftemangel zu mindern. Zudem würde eine Beschäftigungsversicherung Sinn ergeben, die Übergänge im Lebensverlauf, wie Wechsel zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit oder Weiterqualifizierung, absichert. In Kombination mit Arbeitszeitkontenregelungen ließe sich die Mobilität am Arbeitsmarkt absichern und steigern.

Studien verdeutlichen, dass junge Ingenieure sich Werte wie Familie und Sicherheit wünschen. Das spricht nicht für einen Hang zu Flexibilität.

Flexibilität wird durchaus gewünscht. Besteht jedoch ein Zwang, sich Flexibilitätsanforderungen beugen zu müssen, erzeugt dies Ängste vor unliebsamen Brüchen. Auf unsicherem Grund sind Schritte klein und zaghaft. Nur eine sichere Basis gewährt flexible Handlungsoptionen und ermöglicht mutige Sprünge. Diese Basis können Familien ebenso bieten wie Kompetenzerwerb. Die größeren Sprünge kommen den Unternehmen in Form höherer Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft zugute.

Kann die akademische Ausbildung auf die Erfordernisse flexibler Arbeitswelten reagieren, etwa mit einer inhaltlich breiteren Ingenieurausbildung?

Ja, in der Ausbildung sind zunächst die Grundlagen zu legen. Es reicht aus, wenn spezifische Qualifikationen mit der Promotion oder im beruflichen Verlauf erworben werden. Wie beim „Dipl.-Ing.“ bietet eine breite Ausbildung eine sichere Basis, um die wechselvollen und spezifischen Anforderungen im beruflichen Verlauf zu bewältigen.

Wie wäre das Instrument Flexibilisierung am besten zu nutzen? Welche Gefahren birgt es?

Jeglicher Flexibilisierung sollte eine Absprache mit den Betroffenen vorausgehen, um Überforderungen, aber auch Flexibilitätsketten zu vermeiden. Ein Beispiel: Denken Sie an eine zeitraubende Anforderung, die an einen Mitarbeiter gestellt wird. Zur Bewältigung greift er auf die Flexibilität seiner Kollegen, auf die seiner Partnerin sowie auf flexible Öffnungszeiten von Betreuungs-, Informations- und Konsumeinrichtungen zurück. Diese Helfer müssen nun ihrerseits Anpassungsanforderungen an andere Personen weitergeben. Wenn solche Flexibilitätsketten vermieden werden sollen, benötigen wir Kompetenzen sowie ein gewisses Maß an Zeitsouveränität. Solange wir auf diese Handlungspotenziale zurückgreifen können, so lange ist Flexibilität kein Problem.

WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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