Management

Firmenverkauf: Auch im Mittelstand steigen die Preise  

VDI nachrichten, Hamburg, 21. 10. 05 – Der Markt für Unternehmenskäufe und -verkäufe hat laut M&A International (MAI) – einem Zusammenschluss unabhängiger Beratungshäuser – im bisherigen Jahresverlauf weltweit um fast 30% zugelegt. Gefragt sind vor allem Unternehmen aus den Branchen Konsumgüter, Energie, Healthcare, IT-Sevices, Pharma und Telekommunikation.

Motor des Marktes sind vor allem die Wachstumsregionen in Asien, etwa China und Südkorea. In Ländern wie Indien, Indonesien, Malaysia oder Singapur stieg zwar die Zahl der Übernahmen, gesunken aber ist das dabei erzielte Transaktionsvolumen.

In Nordamerika ist laut MAI derzeit mehr als 100 Mrd. $ Private-Equity-Kapital auf der Suche nach attraktiven Investments. Das Übernahmekarussell dreht sich in allen Branchen, wobei im Technologiesektor Software dominiert. In der ersten Jahreshälfte stieg das M&A-Volumen im nordamerikanischen Mittelstand um 15 %. Treibende Kräfte waren sowohl Finanzinvestoren als auch strategische Käufer.

Auf dem europäischen M&A-Markt geht es ebenfalls turbulent zu – mit ausgeprägtem Wachstum vor allem in Spanien. Anhaltendes Wirtschaftswachstum und günstige Finanzierungsbedingungen der Banken sprechen dafür, dass der dortige Aufwärtstrend auch im kommenden Jahr anhält.

Anders sieht es in Großbritannien aus, das in den vergangenen Jahren auch mit kräftigen Zuwachsraten geglänzt hatte. Inzwischen scheint auf der Insel der Höhepunkt aber bereits überschritten.

In Deutschland hinkt das mittelständische M&A-Geschäft noch deutlich hinterher. Hans Bethge, MAI-Präsident und geschäftsführender Partner des deutschen Mitgliedsunternehmens Angermann M&A International GmbH, ist jedoch optimistisch. Er erwartet nach einem schwachen Jahr 2003 und einer Belebung des Geschäfts im vergangenen Jahr, dass hierzulande die Zahl der Übernahmen und Zusammenschlüsse zunimmt.

Erfahrungsgemäß würden – um noch im alten Jahr bilanzwirksam zu werden – bis Ende Dezember besonders viele Transaktionen vorgenommen.

Die Belebung wird sich 2006 fortsetzen, ist Bethge überzeugt. Gerade im Ausland sei das Interesse an deutschen Firmen groß, vor allem wegen des – international betrachtet – immer noch günstigen Bewertungsniveaus.

Allerdings spürt der Berater nach dem überraschenden Ausgang der Bundestagswahl auch eine gewisse Verunsicherung: „Deutschland muss international schnell klare Signale senden, dass der begonnene Prozess politischer Reformen wachstumsorientiert fortgesetzt wird.“

Deutsche Unternehmen selbst zieht es verstärkt ins Ausland, um dort kostengünstige Produktionsstätten aufzubauen oder Vertriebswege in Wachstumsmärkten zu erschließen. Zu bevorzugten Zielregionen gehören nach Bethge Mittel- und Osteuropa sowie China und Indien.

Fusionen und Übernahmen mit deutscher Beteiligung sind oftmals Teil weltweiter Konsolidierungsprozesse in bestimmten Branchen, wie z.B. IT, Pharma, Konsumgüter, Nahrungsmittel, Energie und Automotive. Eine weiterhin wichtige Rolle am Markt spielen nach Bethge internationale Konzerne, auch wenn die großen Restrukturierungen weitgehend abgeschlossen seien.

Zu den wachsenden M&A-Aktivitäten aber auch anziehenden Bewertungsniveaus tragen maßgeblich Finanzinvestoren bei. Sie sitzen auf Milliardenbeträgen und können sich bei Banken zusätzlich mit günstigen Krediten versorgen. Deshalb sind sie nicht selten bereit, höhere Preise als strategische Investoren zu zahlen. Nach Bethge wird heute teilweise das 6- bis 8-fache des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) gezahlt, was eine Zunahme des so genannten Multiples (Ebit-Multiplikator) um 1 bis 2 Punkte bedeutet. In Einzelfällen erreichten aktuelle Bewertungen sogar das 10-fache des Ebit.

Immer häufiger werden Mittelständler auch im Auktionsverfahren verkauft, in dessen Rahmen mehrere Investoren oft über viele Runden Gebote abgeben. Kritiker sehen darin sowie durch häufigere Präsenz finanzkräftiger Private-Equity-Investoren die Gefahr, dass der Preis zumindest im Einzelfall auf unrealistische Höhen getrieben wird.

Bisweilen bieten Finanzinvestoren ca. 30 % mehr als strategische Kaufinteressenten. „Gerade Finanzinvestoren rechnen aber doch mit einem spitzen Bleistift“, hält Bethge dagegen. Es gehe darum, dass der strategische Investor auch das hinter dem Preis steckende Potenzial erkenne.

Christian Hollenberg, Geschäftsführer der Münchener Beteiligungsgesellschaft Orlando, registriert bereits seit dem vergangenen Jahr steigende Preise – auch bei kleinen und mittleren Transaktionen. Die Banken seien viel stärker als noch vor Jahren bereit, Deals zu finanzieren. Je profitabler und größer das zum Verkauf stehende Unternehmen, desto höher der Preisaufschlag. Allenfalls bei Mega-Deals gebe es noch ein Preisgefälle gegenüber den USA. Im Mittelstandssegment könne davon kaum noch die Rede sein. „Ich rechne jedoch nicht damit, dass die Preise im kommenden Jahr noch weiter in die Höhe schießen“, so Hollenberg.

Kritisch sieht MAI-Präsident Bethge – vor allem unter Kostengesichtspunkten – die Dauer des Verkaufsprozesses. Die Prüfung der Objekte sei heute – sicherlich nach schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit – oftmals wesentlich eingehender und dauerte damit länger. Auch Preisverhandlungen würden intensiver geführt. Bei einer Auktion steige zudem noch ein Beratungshaus ins Boot ein.

Ein wichtiges Thema im Mittelstand sind auch Nachfolgeregelungen. Hier warnt Bethge allerdings: „Den immer wieder prognostizierten Boom in diesem Bereich wird es nicht geben.“

Bedenklich stimme, dass sich das Klischee vom Senior-Chef, der die von ihm gegründete und aufgebaute Firma im entscheidenden Moment nicht abgeben wolle, in der Praxis oft bestätige. Manches prosperierende Unternehmen sei in der Tat allein deshalb in Schwierigkeiten geraten.

Anders sei dies aber bei Unternehmen jüngerer Branchen wie der Informations- und Kommunikationstechnologie. Die hier meist jüngeren Firmeninhaber wollen nach Bethge die Früchte erfolgreicher Aufbauarbeit ernten oder neue Miteigentümer aufnehmen, um mit frischem Kapital kräftig weiter zu wachsen.

Wenig Einflüsse auf das M&A-Geschäft erwartet Bethge von einer möglichen Wiedereinführung der Besteurung von Veräußerungsgewinnen: Die seit einigen Jahren geltende Steuererleichterung habe die Entflechtung komplizierter Konzernstrukturen zwar beschleunigt, sie allein sei aber kein Grund für das Zustandekommen von Transaktionen. „Der Deal muss passen“, so Unternehmensberater Bethge. Die steuerliche Ausgestaltung sei eines von zahlreichen Beratungsfeldern, auf denen eine Transaktion optimiert werden könne.

DIETER W. HEUMANN/ps

Von Heumann/Peter Schwarz
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