Management

Firmen fischen nach den „lead-usern“  

Auf der Euram 2005 in München in der vergangenen Woche war der Innovationsmanagement-Professor Eric von Hippel vom MIT Keynotespeaker und überraschte das Auditorium mit der Frage, wer denn an seinem Rucksack Verbesserungen vorgenommen hat. Mit den VDI nachrichten sprach von Hippel über den „user-centered-innovation“-Ansatz und seine Bedeutung für Ingenieure.

VDI nachrichten: In nur wenigen Unternehmen wird das „user-centered“-Konzept zumindest teilweise genutzt, Sie nennen beispielsweise General Electric, IBM, Stata, 3 M und in Deutschland BMW. Welche Vorteile könnten die Skeptiker überzeugen?

von Hippel: Nutzer zielen darauf, Innovationen mit neuen Funktionalitäten zu entwickeln, Hersteller zielen eher darauf, ein bereits vorhandenes Produkt zu verbessern, und selbst da liegt die Fehlerquote bei 75 %. Wir haben also ein gebrochenes System, in dem Innovation von wachsender Bedeutung ist. Unsere Studien haben auch zurückblickend gezeigt, dass funktionelle Innovationen, beispielsweise ein neues Sportgerät, ein neues elektronisches Gerät, durch Nutzer entwickelt wurden. Daraus entstehen dann Produktlinien.

Doch zwischen dem ersten Erscheinen eines Produkts in einer User-Community und dem Punkt, an dem ein Hersteller mit der Produktion beginnt, ensteht eine Verzögerung. Hersteller, die anfangen systematisch das „user-centered“-Konzept umzusetzen, verkürzen diese Zeit. Und dann werden sie das machen, was sie jetzt auch machen: Das Produkt produzierbar machen, es verbessern. Für diese Unternehmen wird sich das rechnen.

VDI nachrichten: Der Ansatz hätte große Veränderungen im ökonomischen System und in der Produktentwicklung zur Folge. Welche Chancen hat er?

von Hippel: Grundsätzlich reagiert wohl niemand auf Veränderungen enthusiastisch. Aber was wirklich passiert, ist, dass die Wirtschaft in diese Richtung drängt und die Kunden es bevorzugen. Wenn jemand aus der Industrie hier die Reihen sprengt und startet, müssen die anderen in der Industrie folgen. Wir haben das sehr deutlich in der Produktion der anwenderspezifischen integrierten Schaltungen (IC) erlebt, die zunächst nach dem traditionellen Muster gefertigt wurden. Nach dem Motto: „Du sagst mir, was Du brauchst und ich entwickle es für Dich“. Ein solcher Prozess ist jedoch ineffizient. Die LSI Company war die erste, die Kunden bis dato geheim gehaltene Design-Tools aus dem eigenen Haus zur Verfügung gestellt hat. Alle anderen Anbieter dachten, was für eine schreckliche Sache, aber LSI hatte sehr viel Erfolg und andere wie Fujitsu und Texas Instruments mussten nachziehen. Es gibt nur die eine Wahl: Erster zu sein oder zu folgen.

VDI nachrichten: Aber Ökonomen dürften der Idee von der Abschaffung von Patenten und der kostenlosen Offenlegung des Know-how wohl eher ablehnend gegenüberstehen. Wie soll sich das ändern?

von Hippel: Die Erfahrung mit Open-Source-Software hat zum Nachdenken gezwungen. Ich erwarte nicht, dass sich die ganze Struktur ändert, wir haben eine Infrastruktur mit Patentanwälten und das wird sich nicht ändern. Aber Leute mit intellektuellen Fähigkeiten haben auch Power und jeder Nutzer für sich möchte einen Beitrag zum intellektuellen Eigentum beitragen.

Die „Disneys“ der Welt werden weiterhin ihr geistiges Eigentum behalten, aber die Leute, die es frei zugänglich machen, bilden ein alternatives Gehhäuse, angefüllt mit intellektuellem Eigentum. Die Forschung hat zudem gezeigt, dass der Schutz durch Patente oder andere Maßnahmen für die Firmen nicht unbedingt wirkungsvoll ist.

VDI nachrichten: Innovations-Forschung- und Entwicklung ist traditionell ein Feld für Ingenieure. Wo ist deren Platz in Ihrem Konzept? Die „lead-user“ auszumachen und deren Ideen in die die Massenproduktion zu übertragen?

von Hippel: Ja, das alles. Die Tatsache, dass Innovationen sich in Richtung Anwender verlagern, bedeutet nicht, dass weniger Ingenieur-Tätigkeit gefragt ist. Ein Beispiel: Wenn die Entwicklung von Software von Microsoft zu Amazon oder anderen Nutzern von Server-Software verlagert würde, die einem Pool zugehören, müsste die gleiche Ingenieurleistung erbracht werden. Wir ändern nur den Ort, wo es geschieht.

VDI nachrichten: Als preiswertere Möglichkeit, Innovationen zu entwickeln, empfehlen Sie den Einsatz von „toolkits“. Was steckt dahinter?

von Hippel: Das ist auch ein großes Feld für Ingenieure. Die Idee dahinter: Wenn es viele „Innovatoren“ da draußen gibt, kann eine Firma nicht jeden Wunsch und jedes Design erfüllen. LSI beispielsweise hat deshalb mit dem bereits erwähnten Design-Tool gearbeitet, einem im Haus verwendeten Produkt, dass mit einem nutzerfreundlichen Interface versehen und an Kunden weitergegeben wurde.

VDI nachrichten: Manager müssen ihrer Ansicht nach aufhören, nur auf den Zielmarkt zu blicken. Sie wissen zu wenig über das Konzept und was auf sie zukommt. Was müssen sie lernen?

von Hippel: Auf meiner Website wird in verschiedenen – selbstverständlich kostenlosen – Videos erklärt, wie sich das „user-centered“-Konzept im Unternehmen implementieren lässt. Ich denke, die Leute, die es früh einsetzen, werden einen großen Vorteil haben. Open-Source hat für das Phänomen des freien Zugangs die Augen geöffnet, aber das auch erst seit ein paar Jahren. Ich denke, dass Unternehmen, die eine Pionierrolle in ihrer Industrie einnehmen, mit den „toolkits“ einige Standards setzen können. Ich würde empfehlen, schnell zu handeln. C. HANTROP

www.mit.edu/people/evhippel/index.html

Prof. Eric von Hippel

Eric von Hippel ist Professor für Innovationsmanagement und Leiter der Innovations- und Unternehmensgründer-Gruppe an der Sloan School of Management des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA. Eric von Hippel studierte an der Harvard University, am Massachusetts Institute of Technology und an der Carnegie-Mellon-University. Nach der Gründung eines Hightech-Unternehmens schlug er eine akademische Laufbahn ein und wurde Professor an der Sloan School of Management des MIT in Cambridge, Massachusetts, wo er seit den 70er Jahren forscht. cha

Von C. Hantrop

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