Management

Familienunternehmen: Kein Auslaufmodell

Der industrielle Mittelstand, in vielen politischen Debatten tot gesagt, lebt und ist in keiner Weise zwischen Großunternehmen und internationaler Konkurrenz aufgerieben worden. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn.

Der industrielle Mittelstand ist immer noch eine Sache der Familie – und das ist nach den Ergebnissen einer jüngst veröffentlichten Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) auch gut so. Unter sämtlichen rund 106 000 Industrieunternehmen in Deutschland sind 83 % Familienbetriebe. Hier wird ein Drittel aller Industrie-Umsätze und -Investitionen getätigt, hier findet knapp die Hälfte aller Industrie-Beschäftigten einen Arbeitsplatz.
Das Familienunternehmen ist der Studie zufolge, die im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie erarbeitet wurde, geradezu typisch für die mittelständische Industrie. Auch bei den befragten Firmen sehen sich knapp 73 % als klassischer Familienbetrieb – also als ein Unternehmen, das mehrheitlich im Besitz einer Familie ist oder in der bis zu zwei natürliche Personen geschäftsführend arbeiten.
Dass diese Form der Unternehmensführung keineswegs ein Auslaufmodell ist, zeigt der Befund, dass fast jedes vierte Familienunternehmen erst nach 1990 gegründet worden ist. „Der industrielle Bestand wird also kontinuierlich durch Neugründungen aufgefrischt“, erläutert Frank Wallau vom IfM in Bonn die Konsequenzen.
Dies bietet klare Vorteile für die deutsche Wirtschaft, ist das Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalen überzeugt. Denn familiengeführte Unternehmen orientieren sich weniger an kurzfristigen Erfolgen, sondern verfolgen in aller Regel eine langfristig angelegte Perspektive.
„Hinzu kommt aus politischer Sicht die vergleichsweise starke Bindung an Mitarbeiter und Standorte sowie die geringer ausgeprägte Bereitschaft zur Unternehmensverlagerung“, so Ulrich Cichy, im Ministerium verantwortlich für die move Mittelstands-Offensive NRW. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um Produktionsverlagerungen ins Ausland ist dies für Experten ein wichtiges Argument, ein weiteres Mal auf die Förderung des Mittelstandes zu pochen.
So verweist das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) auf den hohen Anteil von Arbeitsplätzen, den der Mittelstand biete. „Insgesamt stellen kleine und mittlere Unternehmen über 70 % der Arbeitsplätze in der Industrie. Eine Politik, die für den Mittelstand generell bessere Bedingungen schafft, hat also eine viel größere Beschäftigungswirkung als eine – oft ohnehin vergebliche – Rettungsaktion für den Standort eines Großunternehmens“, meint Heiner Röhl vom IW Köln.
Dazu kommt: Aktiengesellschaften oder managementgeführte Unternehmen haben der Studie zufolge vor allem die langfristige Steigerung des Unternehmenswertes und weniger den Erhalt der Firma im Blick. Dagegen sei in Familienbetrieben die Sicherung des Unternehmensfortbestands ein primäres Ziel – hängt doch hiervon meist auch die wirtschaftliche Existenz des Firmenchefs und seiner Familie ab.
Trotzdem ist die Zeit des einsam entscheidenden Familienpatriarchen vorbei. Das zeigt sich daran, dass vor allem in größeren Familienunternehmen Manager die Geschäfte führen. Auffällig ist außerdem, dass Frauen in der Geschäftsführung von Familienunternehmen drei Mal häufiger vertreten sind als in managementgeführten Firmen.
„Die Fähigkeit zur Unternehmensführung ist eine Art „Kulturtechnik“, die im Familienalltag eines Familienunternehmens automatisch vermittelt wird. Das gibt Frauen wohl mehr Chancen, in die Führung zu gelangen, als es der Karriereweg über das Bildungssystem erlaubt“, glaubt Cichy.
Der höhere Frauenanteil in der Führungsebene bei Familienbetrieben führt demnach auch dazu, dass wirtschaftliche und gesellschaftliche Zielsetzungen sich nicht ausschließen müssen: „Die Beachtung moralischer Grundsätze, die Steigerung des gesellschaftlichen Nutzens oder die Verbesserung des Unternehmer-Images liegen dem industriellen Mittelstand fast ebenso am Herzen wie die ökonomischen Ziele“, berichtet Frank Wallau vom IfM in Bonn.
Dabei spiele durchaus ökonomische Notwendigkeit eine Rolle: Mit dem Unternehmens-Image soll oft auch der Bekanntheitsgrad der Firma verbessert werden. Das deutet darauf hin, dass es in schwieriger konjunktureller Lage nicht mehr ausreicht, darauf zu vertrauen, dass ein gutes Angebot praktisch von selbst Nachfrage findet. Selbst Traditionsunternehmen können demzufolge heute nicht mehr allein auf ihren guten Ruf setzen, sondern müssen ihn neu erwerben und publik machen.
Die schlechte Wirtschaftslage führt dazu, dass auch bei den Mittelständlern gespart und gekürzt wird – laut Studie bei Forschung und Entwicklung genauso wie bei der Aus- und Weiterbildung sowie bei den Investitionen.
Wo es um Ausgaben für Innovation geht, ist dies aber nur zum Teil mit finanziellen Engpässen zu begründen. Viele Familienunternehmen beklagen die Bürokratie als Innovationshemmnis Nummer 1. Durch Auflagen, Vorschriften, oder Genehmigungsverfahren wird offenbar mehr Innovation verhindert als durch Personal- oder Kapitalmangel.
Zumindest der „gefühlten“ Bürokratie will die Landesregierung in Düsseldorf etwas entgegensetzen. Neben Ansprechpartnern für Probleme mit der Verwaltung setzt das Wirtschaftsministerium auf ein Pilotprojekt, an dem sich zwölf Kommunen beteiligen und mit dem praktische Dienstleistungen für den Kunden Mittelstand eingeführt werden sollen (s. a. Bericht Seite 27). Darüber hinaus ist ein Gütesiegel für eine „Mittelstandsfreundliche Kommunalverwaltung“ in Planung.
Viele Familienunternehmen starten aber auch jetzt schon durch: Jede dritte Firma will in den nächsten zwei Jahren seine Innovationsaktivitäten ausdehnen. CONSTANZE HACKE

Von Constanze Hacke

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