Management

„Erhalt des Standortes sehen wir als gesellschaftspolitische Aufgabe“

Im Gespräch mit Christian Schmid, Geschäftsführer der Schmid Maschinenfabrik GmbH+Co.

Welche Herausforderung sehen Sie wirtschaftlich auf sich zukommen?
Christian Schmid: Als zentrale Herausforderung sehe ich die tief greifenden Veränderungen in unserer Kundenstruktur an. Sowohl in der Leiterplattenbranche als auch im Displaybereich führten die letzten Jahre zu einer extremen Verlagerung der Produktion bzw. der Beschaffung in den asiatischen Raum. Unsere Aufgabe ist es, das Unternehmen auf die geänderten Rahmenbedingungen einzustellen und eine Umsatzverlagerung von ursprünglich 30 % im Jahr 1999 auf heute über 80 % in den Ländern China, Taiwan, Korea und Japan aktiv zu unterstützen und auszubauen. Es muss die Balance gefunden werden zwischen unseren typischen deutschen Tugenden mit der nötigen Flexibilität, Kundennähe und Schnelligkeit um dort erfolgreich tätig zu sein.

Christian Schmid
ist Geschäftsführer der Firma Gebr. Schmid Maschinenfabrik GmbH+Co. Geboren am 10. 9. 1968 in Freudenstadt, aufgewachsen in Freudenstadt im Schwarzwald, absolvierte er eine Ausbildung als technischer Zeichner und ein anschließendes Studium als Wirtschaftsingenieur an der Fachhochschule Offenburg, Außenstelle Gengenbach. Nach dem Studium erfolgt eine zweijährige Tätigkeit bei Hahn&Kolb, Stuttgart. 1997 trat Dipl.-Wirtsch.-Ing. Christian Schmid in das elterliche Unternehmen ein und ist seit 2000 dort Geschäftsführer.
Das Unternehmen Gebr. Schmid GmbH+Co.
Schmid wurde 1864 in Freudenstadt als mechanische Werkstatt gegründet und begeht 2004 ihr 140-jähriges Firmenjubiläum. 1965 wurden die ersten Bürstmaschinen für die Leiterplattenindustrie produziert. Heute umfasst das Produktprogramm des – nach eigenen Angaben – weltweiten Marktführers horizontale Nassprozessanlagen (Entwickeln, Ätzen, Strippen, Reinigen, Metallisieren), Handhabungsgeräte (Belader/Entlader, Puffer) sowie Mess- und Prüftechniken für die Leiterplatten-, Display- und Solarstromindustrie. Mit sechs Tochterunternehmen in Asien und Nordamerika erzielte Schmid mit 480 Mitarbeitern weltweit einen Jahresumsatz von circa 110 Mio. €. Produziert wird in Freudenstadt, Niedereschach, Taiwan/Tao-Yuan und China/Shenzhen und Donguan.

Firma: Gebr. Schmid GmbH + Co.
Sitz: 72250 Freudenstadt
Mitarbeiter: 480
Umsatz (2003): 110 Mio. €
Produkte: Nassprozessanlagen und Handling-Geräte für die Leiterplatten-, Display- und Solarstrom-Industrie

Welche Herausforderung sehen Sie im technologisch-wissenschaftlichen Bereich auf sich zu kommen?
Technologie und Technologieführerschaft stellt einen primären Pfeiler unserer Unternehmensphilosophie dar. Neben der rein technischen Problemstellung, in Zusammenhang mit der weiteren Miniaturisierung, höheren Reinraumanforderungen oder neuen Wege der Transporttechnologie, tangiert uns die eigentliche Prozessentwicklung als Anlagenhersteller immer stärker. Die Herausforderung bei dieser Entwicklung liegt allerdings in der Kommunikation und Projektabwicklung. Wie transferiere ich die Bedürfnisse meiner 8000 km entfernten Kunden, wie binde ich diese zeitnah in die Entwicklung ein, wie betreue ich die Beta-Site-Tests? Gerade für einen typischen deutschen Mittelständler ist das die vielleicht größte Herausforderung überhaupt.

Welche Herausforderung sehen Sie im gesellschaftspolitischen Bereich auf sich zukommen?
Der Erhalt und Ausbau des Produktionsstandort Deutschland. Als deutsches Unternehmen sehen wir dies auch klar als unsere oberste gesellschaftspolitische Aufgabe, aber auch als eine Herausforderung, die wir nur im Dialog mit unseren Mitarbeitern erfolgreich bewältigen können.

Senden einige Unternhmen zu schlechte Botschaften, vermiesen sie sich ihr Image und den Bürgern den positiven Blick in die Zukunft?
Ich glaube, dass den Bürgern die Augen geöffnet werden müssen, da die Konsequenzen der Veränderungen in den letzten Jahren noch für Viele nicht erfassbar sind. Wir stehen bei diesem Prozess extrem unter Zeitdruck und laufen Gefahr, vieles zu verlieren. Dies hat nichts mit negativ reden zu tun, vielmehr geht es darum, die Realitäten zu erfassen, um darauf reagieren zu können.

Welche ist in Ihren Augen die wichtigste Erfindung des 20. Jahrhunderts?
Der Mikrochip, der erst alle Entwicklungen im Bereich Telekommunikation, Automatisierung, Internet und tausend andere Beispiele ermöglicht hat. Letztendlich wurde damit die gesamte Basis für die Globalisierung geschaffen.

Haben Sie bereits wegen Fachkräftemangel Entwicklungen nicht oder nur verzögert in Deutschland durchführen können?
Ja, das stellt für uns das massivste Problem für die weitere Expansion in Deutschland dar. Speziell im Ingenieurbereich steht nicht genügend qualifizierter Nachwuchs zur Verfügung, der die Bereitschaft und die Fähigkeiten mitbringt, selbstständig etwas bewegen zu wollen.

Welche Innovationen werden Arbeitsplätze schaffen?
Es gibt eine Vielzahl von Innovationen, die das Potenzial dazu haben, die Frage ist nur, wo werden die Arbeitsplätze geschaffen?

Was wünschen Sie der nächsten Generation?
Den richtigen Instinkt, Flexibilität und ausgezeichnete chinesische Sprachkenntnisse.

Wann startet in Ihrer Branche das virtuelle Unternehmen? Bedeutet: Einer hat die Idee und hält den Markennamen, andere übernehmen Konstruktion, Produktion, Vertrieb und Marketing.
Dies wird in einigen Bereichen von uns praktiziert und wir liefern heute bereits erfolgreich als Hersteller und Distributor, als OEM und ODM, an deutsche und japanische Firmen.

Wie wichtig sind Markennamen für einen Produkterfolg?
In unserem technischen Umfeld unterstützen sie den Verkauf, sind aber nicht der Schlüssel zum Erfolg.

Wird es künftig immer weniger Branchenkonjunkturen, dafür aber mehr Firmenkonjunkturen geben?
Leider wird es beides immer stärker geben. Wie sehen uns mit immer kürzeren und stärkeren Zyklen konfrontiert und dies wird es vielen Unternehmen erschweren Potenzial aufzubauen, um innovative Entwicklungen zu forcieren und auch einfach mal etwas zu versuchen.

Ist kurzfristiges Share-Holder-Value-Denken das Ende von Traditions- und Technologiefirmen?
Es stellt für mich auf jeden Fall ein massives Problem für die langfristige Ausrichtung eines Unternehmens dar.

Wie schaffen Sie es, Zeit für sich zu haben, nicht immer nur von den internen und externen Herausforderungen der Firma in Anspruch genommen zu werden?
Um ehrlich zu sein, dies ist ein Bereich, in dem ich nicht immer erfolgreich bin, es fällt sehr schwer, sich diese Zeit zu nehmen und einfach abzuschalten.

Wer ist Vorbild für Sie?
Mein Vater. Ein Mensch, den ich wirklich bewundere für das, was er und wie er es getan hat.

Was ist Ihr Lieblingssport?
Ich spiele gerne Golf. Für mich ein perfekter Sport, der einfach die Möglichkeit bietet an der frischen Luft aktiv zu sein, sich zu bewegen, abzuschalten und der aber immer wieder auch andere Herausforderungen an einen stellt.

Wo tanken Sie auf?
Zu Hause. Einfach Zeit mit der Familie und Freunden genießen, für mich die beste Art wieder neue Energie zu tanken.

Was ist wichtig bei einem Freund?
Vertrauen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

An wessen Stelle würden Sie gerne sein?
Manchmal an der Stelle des Einkäufers, der mir auf der anderen Seite als Kunde gegenüber sitzt.

Was ist Ihr Lebensmotto?
Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen.

Welche Entscheidung würden Sie gern mal treffen?
Die Reformation der deutschen Steuergesetze.

(Wird fortgesetzt)

 

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