Management

Erfolgreiches Netzwerk der Unternehmer

Die Obstbäume seien es gewesen, sagt Volker Lenz. Im Mai 1986, standen sie in voller Blüte am Berghang jenseits des Flüsschens Kocher darüber spannte sich ein blauer Himmel.

Die Obstbäume seien es gewesen, sagt Volker Lenz. Im Mai 1986, standen sie in voller Blüte am Berghang jenseits des Flüsschens Kocher darüber spannte sich ein blauer Himmel. Bei diesem Anblick habe er beschlossen: „Ja, ich mach“s! Ich kandidiere für das Bürgermeisteramt in Künzelsau.“ Der junge Außenseiter von damals ist heute 52. Gerade wurde er zum zweiten Mal für acht Jahre im Amt bestätigt. Volker Lenz, in Stuttgart aufgewachsen, fühlt sich wohl in Künzelsau.
Auch Prof. Christian Schrödter ist zufrieden. Der Prorektor der Fachhochschule Heilbronn hält sich am liebsten in der Außenstelle Künzelsau auf, wo er drei technische und drei wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge zu betreuen hat. Denn vor den Fenstern des Hochschulgebäudes an der Hofratsmühle rauscht der Kocher entlang. Sein Wohnhaus liegt nur wenige Kilometer stromaufwärts. Wenn er wollte, könnte er mit dem Boot zur Arbeit fahren.
Flusslandschaft und Fachwerkidylle, Schlösser im Tal und Schlösser auf der Höhe – das sind nicht die einzigen Kleinodien, die Künzelsau zu bieten hat. Sichere Arbeitsplätze, ein Überangebot an Ausbildungsstellen, unterdurchschnittliche Kriminalität, neue Wohn- und Gewerbegebiete, eine funkelnagelneue Standseilbahn sowie ein vielfältiges Kulturleben sind weitere Reize der Wachstumsregion Hohenlohe, deren industrielles Zentrum das 15 000-Einwohner-Städtchen Künzels-
au ist. Von einem „baden-württembergischen Zweistromland“ spricht stolz die Imagebroschüre der „Innovationsregion Kocher&Jagst e.V.“.
Sieben erfolgreiche, produzierende Unternehmen haben sich neben Stadt, Kreis und Sparkasse in diesem Verein zusammengeschlossen, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten: Bürkert, ebm, GEMÜ, Kriwan, LTI-Metalltechnik, Stahl und Ziehl-Abegg. Sie versorgen den Weltmarkt mit Ventilen und Ventilatoren, mit Aufzugmotoren, Logistiksystemen, Mess- und Regeltechnik und was die Kunden sonst noch wünschen. Dass es „auf so engem Raum so viele gesunde, in ihrer Branche den Weltmarkt bestimmende Unternehmen gibt wie hier im Kocher- und Jagsttal“, sei einzigartig, sagt ihr Sprecher, ebm-Geschäftsführer Thomas Philippiak – „vielleicht sogar einzigartig in Europa“.
Und die großen lokalen Handelsunternehmen wie Würth („Der Montageprofi“) oder Berner (Direktvertrieb für Handwerksbedarf) sind dabei noch nicht einmal mitgezählt. Doch ob Handel oder Produktion, ganz egal: Die Chefs kennen sich alle. „Sie duzen einander und treffen sich häufig: bei Jubiläen, Gebäude-Einweihungen oder Geburtstagsfeiern“, erzählt Hannelore Gloger, die 42-jährige Geschäftsführerin der Innovationsregion.
Dann wird, etwa in der Abenddämmerung auf einer Jagst-Insel, getrunken und geprahlt, spioniert und gesponnen – und heraus kommen gemeinsame Projektideen. Prompt erfolgreich war im vergangenen Jahr der Einfall, zur Anlockung von FH-Studenten der technischen Fächer Industrie-Stipendien auszuschreiben und noch einen Laptop draufzulegen. „Diese Aktion hat uns bundesweit bekannt gemacht“, freut sich Prorektor Schrödter. „Die Bewerberzahlen haben sich vervierfacht.“
Das informelle Netzwerk der hohenlohischen Familienunternehmer, neudeutsch „Cluster“ und von spitzen Zungen auch mal „Mafia“ genannt, scheint ein ganz besonderes Erfolgsrezept der Hohenloher Wirtschaft zu sein. Noch ist es auf der obersten Ebene weitgehend Männersache nur bei Würth sitzt inzwischen Tochter Bettina im Vorstand.
Für die formelle Vernetzung der regionalen Industrie sorgen dagegen drei junge Frauen, die ihre Büros nahe beieinander im Rathaus haben und sich gut verstehen: Neben Hannelore Gloger von der Innovationsregion sind das Annette Wenk, zuständig fürs Standortmarketing der Stadt, sowie Claudia Krauß, die die Grundstücke des 1990 angelegten Gewerbeparks Hohenlohe verteilt, eines Gemeinschaftsprojekts der Gemeinden Kupferzell, Waldenburg und Künzelsau, direkt an der Autobahn A6 gelegen. „Von den 132 Hektar Land sind bereits 60 Hektar verkauft“, sagt sie. „1600 Arbeitsplätze sind dort entstanden.“
Viel schöner als im Gewerbepark arbeitet sich“s allerdings im Verwaltungsgebäude der Firma Würth in Künzels-
au-Gaisbach. Die Angestellten des weltgrößten Lieferanten für Montagetechnik (Umsatz 5,28 Mrd. €) haben ihre Büros in einem Museum. An den Wänden hängen Kunstwerke aus der Sammlung ihres früheren Chefs, des jetzigen Aufsichtsratsvorsitzenden Reinhold Würth. Im Erdgeschoss sind derzeit großformatige Gemälde und Skulpturen von Markus Lüpertz zu sehen. Touristen flanieren durch die Halle mit dem originellen, an ein Schiff erinnernden Glasdach. Kleinkunst, Talkshows und Konzerte finden hier regelmäßig statt.
Einmal im Jahr steigt das große „Würth Open Air“, eine Freiluftveranstaltung auf dem Verladehof, wo an Werktagen Lastwagen mit Paketen voller Schrauben, Werkzeuge, Arbeitskleidung und Silikontuben bepackt werden.
Künzelsaus große Zeit kam nach dem Zweiten Weltkrieg: Betriebe, die kriegshalber aus Stuttgart und Berlin hierher ausgelagert worden waren wie Stahl (Fördertechnik, Schaltgeräte), Ziehl-Abegg (Elektromotoren) und Sigloch (Großbuchbinderei), blieben und begannen rasant zu wachsen. Dem Schraubengroßhändler Reinhold Würth entstand Konkurrenz durch seinen Klassenkameraden Albert Berner. Und aus der 1932 gegründeten Kleiderfabrik von Luise Hermann machten Sohn und Schwiegersohn, von den amerikanischen Besatzern inspiriert, die Jeans-Firma „Mustang“.
Im Kreis Hohenlohe lässt man sich gerne von auswärtigen Besuchern anregen. Christo verpackte das Treppenhaus bei Würth, vom Besuch des Dalai Lama schwärmen die Menschen noch heute. Aber man ahmt sie nicht nach. Man packt“s lieber selber an. So wollen die Bürger von Künzelsau zusammen mit Landschaftsarchitekten die Parklandschaft „Stadt am Fluss“ gestalten. Bürgermeister Lenz hat sie in einer „Zukunftswerkstatt“ schon einmal Ideen sammeln lassen, „wie sich Freizeitbedürfnisse und Ökologie vereinbaren lassen. Da kam einiges Interessante heraus.“ Moderiert hat übrigens der ehemalige Reck-Weltmeister Eberhard Gienger – auch er ein Kind aus Künzelsau. JUDITH RAUCH
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Künzelsau
Die Stadt im Landkreis Hohenlohe stellt bei knapp 15 000 Einwohnern 12 000 Arbeitsplätze und wächst pro Jahr um rund 200 Personen. 8000 Pendler kommen täglich in die Stadt am Kocher, um in einem der erfolgreichen Familienbetriebe wie Würth, Mustang, Stahl oder Ziehl-Abegg zu arbeiten. Dominante Branchen sind Maschinenbau, Verfahrens-, Steuer- und Regelungstechnik, Elektronik und der Handel mit Handwerkerbedarf. Es gibt zwei Gymnasien, eine Fachhochschul-Dependance und zahlreiche innovative Aus- und Fortbildungen. jr
Bisher erschienen:
Neumarkt in der Oberpfalz (Nr. 25, 21. 6. 02),
Saarbrücken (Nr. 26, 28. 6. 02)
Die Region um Kiel (Nr. 27, 5. 7. 02)
Luckenwalde, (Nr. 29, 19. 7. 02),
Greifswald (Nr. 30, 26. 7. 02),
Aurich (Nr. 31, 2. 8. 02),
Minden-Lübbecke (Nr. 32, 9. 8. 02),
Melsungen (Nr. 33, 16. 8. 02)

Von Judith Rauch

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