Management

Entscheiden mit beschränkter Haftung  

VDI nachrichten, Wiesbaden, 1. 2. 08, Fr – Bei gerichtlich festgestellten Fehlentscheidungen müssen die verantwortlichen Top-Manager den Schaden aus eigener Tasche bezahlen. Freilich nur in der Theorie. Denn Unternehmen klagen selten gegen ihre Leitenden. Falls es aber doch hart auf hart kommt, sorgt die Managerhaftpflichtversicherung für eine weiche Landung.

Nach außen hin mischen sich nur wenige Aufsichtsräte in die aktuelle politische Diskussion um die Höhe der Managergehälter ein. Dabei sind sie es doch, die über Saläre, Boni und Tantiemen der Führungsmannschaft bestimmen. Im Hintergrund werden deshalb fleißig Sicherheitsleinen geknüpft. Die Managerhaftpflichtversicherung, nach ihrer amerikanischen Herkunft Directors & Officers Liability oder kurz D&O-Versicherung genannt, ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Jährlich zwischen 300 Mio. € und 400 Mio. € für Prämien lassen sich die zumeist großen Unternehmen diesen Schutz kosten, Tendenz steigend. Adrian von Borcke, Berater bei dem Hamburger D&O-Versicherungsspezialisten Hendricks, weiß dafür einen guten Grund: „Das Risiko eines Aufsichtsratsmitglieds, insbesondere des Vorsitzenden, steigt, für seine Großzügigkeit irgendwann einmal in die Haftung genommen zu werden.“

Natürlich denkt man beim Stichwort Managerversagen zuerst an die Verantwortlichen für das operative Geschäft. Vorstände und Geschäftsführer treffen täglich weitreichende unternehmerische Entscheidungen. Da für die Beschaffung von Informationen und die Entscheidungsfindung immer weniger Zeit bleibt und sich die Gesetzeslage außerdem immer schneller ändert, stehen die Unternehmensleiter unter einem erheblichen Druck. Von Borcke: „Für die leitenden Mitarbeiter ist die Haftung eingeschränkt und überschaubar. Aber für jeden Vorstand, Geschäftsführer, Beirat oder Aufsichtsrat – also für die Organmitglieder – ist die D&O-Versicherung hoch interessant. Die Organmitglieder haften mit dem gesamten Privatvermögen bei leichtester Fahrlässigkeit und stehen unter dem ungeheuren Druck, sich selbst vom Vorwurf des Sorgfaltsverstoßes entlasten sowie im Prozess entsprechende Tatsachen vortragen und beweisen zu müssen.“

Die D&O-Versicherung übernimmt die Kosten für Rechtsanwalt, Gericht und sogar die Strafzahlungen bis zur Höhe der vereinbarten Deckungssumme. Diese bewegt sich nach Angaben von Towers Perrin Tillinghast in Köln, die ihre periodischen D&O-Marktstudien nun von den USA auch auf Deutschland ausgedehnt haben, bei durchschnittlich knapp 50 Mio. €. Und die Deckungssummen steigen weiter, nicht nur bei Unternehmen in risikoträchtigen Branchen wie Kraftwerksbau, Energieversorgung, Transport und Verkehr. Alle in den USA börsennotierten Konzerne wissen genau, dass sie dort im Ernstfall mit gigantischen Schadensersatzzahlungen rechnen müssen. Deshalb sind die Prämien auch nicht gerade billig. Einen Mittelständler mit bis zu 20 Mio. € Jahresumsatz kostet die Deckungssumme von 2 Mio. € einschließlich Versicherungssteuer jährlich etwa 4200 €.

Dafür muss die Versicherung unter Umständen auch dann zahlen, wenn einem Manager der Tatbestand der Untreue nachgewiesen werden kann. „Es kommt darauf an, gegen wen die Ansprüche geltend gemacht werden. Der Geschäftsführer ist geschützt, wenn er aufgrund eines Organisationsfehlers die Untreue von Mitarbeitern fahrlässig nicht verhindert hat“, erklärt von Borcke. Wer sich aber selbst strafbar gemacht hat, kann nicht auf Deckung hoffen. Der D&O-Versicherer zahlt nicht bei vorsätzlicher Pflichtverletzung. Das freilich muss er erst beweisen. „Das kann mitunter schwierig sein“, weiß der Fachmann, „denn im Haftungsprozess werden diese Dinge nicht unbedingt geklärt.“

Ein besonderes Risiko birgt der so genannte Berufshaftpflicht- oder Dienstleistungsausschluss. Der D&O-Versicherer kann nämlich je nach Deckungsbesonderheit die Leistung verweigern, wenn sich die Haftung des Organmitglieds aus der operativen Geschäftstätigkeit ergibt. „Das aber bedeutet eine Riesengefahr für die Manager“, warnt Adrian von Borcke, „denn Geschäftsführer und Vorstände sind häufig in das Tagesgeschäft eingebunden. Es muss sichergestellt werden, dass der Unternehmensleiter jedenfalls bei der Verletzung von Organisations-, Kontroll- und die Auswahlpflichten Schutz genießt, sollten Mitarbeiter Fehler machen und hierdurch Vermögensverluste herbeiführen.“

D&O ist eine junge Versicherungssparte. Noch in den 80er Jahren wurde die Managerhaftpflicht in Deutschland sehr zögerlich diskutiert. Der Grund: Es gab kaum spektakuläre Haftungsfälle. Außerdem ließen die von amerikanischen Versicherern angebotenen Policen die hierzulande wichtige Frage nach der Haftung im Innenverhältnis, also von Organmitgliedern gegenüber dem Unternehmen, außer Acht. In US-Policen ist die Innenhaftung meist ausgeschlossen. „Attraktiver, aber immer noch nicht besonders gut verkäuflich wurden D&O-Versicherungen erst nach der Anpassung auf deutsche Verhältnisse“, sagt Adrian von Borcke, „das Thema war einfach zu ungewohnt und komplex.“

Das änderte sich erst vor wenigen Jahren nach einer Reihe Aufsehen erregender Schadensfälle. Unter anderen machten DaimlerChrysler, VW, Lufthansa und die WestLB Ansprüche an ihre D&O-Versicherer geltend. Inzwischen ist die Managerhaftpflichtversicherung auf der Spitzenebene ein normaler Bestandteil des vertraglich zugesicherten Einkommenspaketes. Auch „die Organmitglieder der Siemens AG werden grundsätzlich von Ansprüchen Dritter im Rahmen der gesetzlich zulässigen Regeln freigestellt“, lässt ein Firmensprecher des Münchner Konzerns wissen. Dessen Juristen denken gerade über die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen an einige in den Korruptionsskandal verstrickte Manager nach.

„Eine D&O-Versicherung ist üblich auf Vorstandsebene bei börsennotierten Aktiengesellschaften und weitestgehend Standard auf Geschäftsführerebene bei nicht börsennotierten Unternehmen“, sagt Friedrich Wilhelm Graf Pfeil, Senior Client Partner von Korn/Ferry International in Deutschland. „Unverzichtbar ist eine D&O-Versicherung auch bei Landesgeschäftsführern großer internationaler Firmen. Diese müssen schon aufgrund der unterschiedlichen Rechtsprechung in verschiedenen Ländern, zum Beispiel in Bezug auf Produkthaftungsthemen, eine solche Versicherung haben.“

Nach der Studie von Towers Perrin Tillinghast geben die meisten Firmen, die ihre Leitenden gegen Haftpflichtverletzungen versichern, als Motive an: das allgemeine Vorsichtsprinzip, Bilanzschutz und Gesetzesverschärfungen. Gute Gründe liefern weiterhin das USA-Risiko, die in den Medien geschilderten Haftungsfälle – und die Nachfrage seitens der Kandidaten für die Top-Jobs. Denn nicht nur die Unternehmen, auch Manager, die im Fall der Fälle ihre satten Tantiemen zerrinnen sehen, und Aufsichtsräte, die vom Gesetz und von der Öffentlichkeit immer stärker in die Pflicht genommen werden, sehen sich lieber auf der sicheren Seite.

„Noch vor fünf oder zehn Jahren hat niemand auf dieser Ebene nach einer D&O-Versicherung gefragt“, erinnert sich Franz-Josef Nuß, Partner bei der Münchner Personalberatung Ray & Berndtson. „Heute fragt schon hin und wieder einer im Laufe der Vertragsverhandlung nach. So normal wie die Altersversorgung oder der Dienstwagen ist D&O aber noch nicht.“ Ralf Kleine von der SCS Personalberatung in Frankfurt schätzt, dass die Haftpflichtversicherung ab einem Jahresgehalt von etwa 300 000 € und mit der damit einhergehenden Verantwortung für den Arbeitgeber ein Thema sei. „Der Klient erwähnt meist nur im Nebensatz, dass eine D&O zum Gesamtpackage gehört. Und die Kandidaten erkundigen sich danach allenfalls in den abschließenden Gesprächen. Aber dazu gehören muss es. Sonst bekommt man niemanden mehr für solche Jobs.“

CHRISTINE DEMMER

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