Personalmanagement

„Emotionale Debatte über Investivlöhne“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 8. 12. 06, has – Über Investivlohn werde emotional und ideologisch debattiert, bemängelt der Ökonom Heinz-J. Bontrup, Professor an der FH Gelsenkirchen. Er fordert, dass Gewinnbeteiligungen on top gezahlt und in Kapitalbeteiligungen umgewandelt werden. Denn selbst über hohe Lohnsteigerungen könnten die Arbeitnehmer mit der Gewinnentwicklung nicht mehr Schritt halten.

Bontrup: Die Diskussion darüber ist nicht ehrlich. Arbeitgeber wie Politiker verbinden damit eine Lohnflexibilisierung: In guten Jahren erhalten die Beschäftigten eine Prämie, in schlechten müssen sie für Verluste mitaufkommen.

VDI nachrichten: Sollte dann auf Mitarbeiterbeteiligungen verzichtet werden?

Bontrup: Nein, aber sie müssen on top, also zusätzlich gezahlt werden.

VDI nachrichten: Warum?

Bontrup: Weil sonst die Beschäftigten diese Beteiligung aus ihrem Lohn bezahlen würden. Damit würde das System auf den Kopf gestellt. Arbeitnehmer würden ein doppeltes Risiko tragen: Neben dem Arbeitsplatz- und dem Lohnrisiko würden sie noch das unternehmerische Risiko teilen, das in marktwirtschaftlichen Ordnungen bei den Unternehmern liegt.

VDI nachrichten: Manche Arbeitgeber sagen, dass zu einer Gewinnbeteiligung auch eine Verlustbeteiligung gehöre.

Bontrup: Das ist falsch. Eine Gewinnbeteiligung heißt nur, dass die Arbeitnehmer am Gewinn teilhaben können, wie es bei Vorständen, Geschäftsführern oder Leitenden Angestellten üblich ist. Deren Tantiemen sind zwar an das Ergebnis gekoppelt, aber das heißt nicht, dass sie an den Verlusten beteiligt sind. Dann verringert sich vielleicht die Tantieme, aber sie geht selten auf null. Sie müssen auch nicht aus ihrem Einkommen oder Vermögen dem Unternehmen Geld zuschießen.

VDI nachrichten: Wie sollte eine Gewinnbeteiligung aussehen?

Bontrup: Sie kann nur aus dem versteuerten Gewinn gezahlt werden, andernfalls entstehen dem Staat enorme Steuerausfälle. Heute fällt dieser Gewinn allein den Anteilseignern zu. Bei einer echten Gewinnbeteiligung müsste der Gewinn, nach Abzug von Aufwendungen für Vorsorge und Investitionen sowie des Unternehmerlohns, zwischen Kapital und Arbeit zu gleichen Teilen aufgeteilt werden.

VDI nachrichten: Gehören Gewinn- und Kapitalbeteiligung zusammen?

Bontrup: Gewinnbeteiligungen sollten in eine Kapitalbeteiligung umgewandelt werden, entweder in eine Eigen- oder Fremdkapitalbeteiligung. Das müssen die Tarifparteien klären, nicht der Gesetzgeber, der kann nur steuerliche Anreize setzen.

VDI nachrichten: Damit verlagern Sie das Risiko doch wieder auf die Arbeitnehmer.

Bontrup: Eingeschränkt. Bei einer Fremdkapitalbeteiligung haftet der Beschäftigte nur im Fall der Insolvenz, und die ist, trotz der hohen Zahl, gesamtwirtschaftlich gesehen, aber immer noch die Ausnahme. Bei Verlusten muss ein Fremdkapitalgeber nicht mit seinem Geld geradestehen, so wenig wie eine Bank, die einem Unternehmen einen Kredit gegeben hat. Anders ist es bei einer Eigenkapitalbeteiligung. Damit wird der abhängig Beschäftigte Gesellschafter des Unternehmen und haftet sowohl bei Verlusten wie bei Konkurs. Dies, und nur dies, schließt dann auch eine Verlustbeteiligung bei dem Vorliegen einer Gewinnbeteiligung ein.

VDI nachrichten: Warum werden in Deutschland Investivlöhne so selten gezahlt?

Bontrup: Es ist nach wie vor der alte Streit, ob Beschäftigte am Gewinn und am Kapital teilhaben sollen. Das wird nicht sachlich, sondern ideologisch und emotional diskutiert – bei Arbeitgebern, aber auch bei den Gewerkschaften. Der ehemalige DGB-Chef Heinz-Oskar Vetter hat das einmal auf den Begriff gebracht: „Wir wollen keine Vermögenseinbildung, wir wollen mehr Lohn.“ Das ist ein großer Trugschluss.

VDI nachrichten: Warum?

Bontrup: In den vergangenen 20 Jahren konnten die Gewerkschaften in den Tarifrunden den verteilungsneutralen Spielraum nicht mehr ausschöpfen…

VDI nachrichten: … Was versteht man darunter?

Bontrup: Das ist die Summe aus gesamtwirtschaftlicher Produktivitätsentwicklung und Inflationsrate, die sich nicht nachteilig auf die Beschäftigung auswirkt. Und bei Lohnerhöhungen, die über diesen Spielraum hinausgehen, würde die EZB sofort mit Zinserhöhungen reagieren und die Konjunktur abwürgen. Eine Gewinnbeteiligung hätte dagegen den Vorteil, dass von ihr keine inflationären Impulse ausgingen.

VDI nachrichten: Sie setzen offenbar wenig Hoffnung in kräftige Lohnerhöhungen. Das passt nicht zu Ihrer Forderung, zur Belebung der Nachfrage die Löhne deutlich zu erhöhen.

Bontrup: Doch, aber noch einmal: Dies müssen produktivitätsorientierte Reallohnsteigerungen sein. Sonst gibt es einen inflationären Impuls. Deshalb soll ja gerade, als Umverteilungskomponente, on top auf die tariflich vereinbarten Löhne eine Gewinnbeteiligung an die Beschäftigten ausgezahlt werden, die dann in einem zweiten Schritt in eine Kapitalbeteiligung umzuwandeln ist. Diese Umwandlung ist Voraussetzung für die Mitsprache der Beschäftigten bei Investitionen.

VDI nachrichten: Eine solche Mitsprache hätte auf Unternehmen die gleiche abschreckende Wirkung wie hohe Lohnforderungen – wahrscheinlich sogar noch eine größere.

Bontrup: Darin liegt der ideologische Charakter dieser zurzeit unehrlich geführten Debatte.

VDI nachrichten: Warum sollten Unternehmen dazu ja sagen?

Bontrup: Die Gewerkschaften müssen diesen Ball aufnehmen, der Hebel sind Tarifverhandlungen. Aber dort findet diese Diskussion nicht statt. Wenn Mitarbeiter 20 % oder 30 % des Kapitals hielten, wären viele Entscheidungen zu Lasten der Beschäftigten nicht mehr möglich. Wenn die Gewerkschaften in ihrer Lohnpolitik nicht begreifen, dass die Arbeitnehmer am Investitionskapital teilhaben müssen, dann werden sie immer nur zweiter Sieger bleiben. Das hat schon Oswald von Nell-Breuning, der Nestor der katholischen Soziallehre, vor 50 Jahren erkannt.

HARTMUT STEIGER

Von Hartmut Steiger

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Stadtverwaltung Altenburg-Firmenlogo
Stadtverwaltung Altenburg Referatsleiter/in Stadtentwicklung und Bau Altenburg
über Rau Food Recruitment GmbH-Firmenlogo
über Rau Food Recruitment GmbH Technischer Leiter (m/w/d) Convenience Lutherstadt Wittenberg
J. Schmalz GmbH-Firmenlogo
J. Schmalz GmbH Leiter (m/w/d) Geschäftsfeld Vakuum-Automation Glatten
Chemische Fabrik Kreussler & Co. GmbH-Firmenlogo
Chemische Fabrik Kreussler & Co. GmbH Leiter Technik und Instandhaltung / Betriebsingenieur (m/w/d) Wiesbaden
Landkreis Stade-Firmenlogo
Landkreis Stade Abteilungsleitung (m/w/d) "Technik" Stade
Andechser Molkerei Scheitz GmbH-Firmenlogo
Andechser Molkerei Scheitz GmbH Ingenieur / Techniker (m/w/d) für Versorgungstechnik Andechs
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Dresden (w/m/d) Dresden-Radebeul
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Leiter Technisches Büro Güstrow (w/m/d) Güstrow
Stadt GÖTTINGEN-Firmenlogo
Stadt GÖTTINGEN Stadträtin / Stadtrat Göttingen
Stadt Langenfeld-Firmenlogo
Stadt Langenfeld Referatsleitung Umwelt, Verkehr, Tiefbau (m/w/d) Langenfeld

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung