Management

„Einäugigkeit ist eine schlechte Argumentationsbasis“

VDI nachrichten, Bad Oldesloe, 1. 10. 04 -Unternehmen ordnen ihre Wertschöpfungsketten weltweit neu, Politiker bewilligen regional Solidaritätsleistung, die die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaft überfordert. Für mehr Weitblick statt Verteilungsdiskussion plädiert Eckart Kottkamp, Chef des Reinigungsgeräteherstellers und Pflegedienstleisters Hako. Erfolg beruhe auf Wagemut und Vertrauen in die Zukunft.

Welche Herausforderung sehen Sie wirtschaftlich auf sich zukommen?
Kottkamp: Die wirtschaftlichen Wachstumsregionen liegen zukünftig vornehmlich in Osteuropa und Asien. Der zukünftige Unternehmenserfolg wird nur zu sichern sein, wenn man dort präsent ist und dem aufstrebenden lokalen Wettbewerb entgegentreten kann. Das wird nicht über reinen Export, sondern nur über verteilte Wertschöpfung nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Entwicklung, gelingen. Es gilt, im Unternehmen die langfristig wettbewerbsfähige Mischung zwischen heimischen und auswärtigen Aktivitäten zu finden.
Welche Herausforderung sehen Sie im technologisch-wissenschaftlichen Bereich auf sich zu kommen?
Kottkamp: Für einen Systemhersteller wie Hako bestimmt sich Produktinnovation überwiegend aus der Integration vielfältiger Technologien in ganzheitliche Lösungen. Das verlangt Ingenieure, die die neuesten Anwendungsmerkmale dieser Technologien kennen und die Methoden beherrschen, die für eine schnelle und zuverlässige Umsetzung in marktfähige Produkte erforderlich sind. Die Bereitschaft zur kontinuierlichen Fortbildung ist für Unternehmen und Mitarbeiter unverzichtbar.
Welche Herausforderung sehen Sie im gesellschaftspolitischen Bereich auf sich zukommen?
Kottkamp: Die Politik hat der Bevölkerung Solidaritätsleistungen bewilligt, die die Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft in einem globalen Umfeld zunehmend überfordern. Die Einsicht in die Notwendigkeit von Anpassungen wächst zwar, die individuelle Akzeptanz von beschlossenen Maßnahmen ist jedoch nur selten gegeben.
Mit einer gleichartigen Problemstellung sehen sich fast immer auch Unternehmen konfrontiert, wenn im Rahmen einer globalen Ausrichtung Umstrukturierungen der Wertschöpfungsverteilung erforderlich werden. Der Weg von der Einsicht zur Akzeptanz verlangt das Betrachten und Abwägen aller Gesichtspunkte. Einäugigkeit ist eine schlechte Argumentationsbasis.
Ich würde mir wünschen, dass wir bei der Diskussion von Lösungen mehr Wert auf ihre ganzheitliche Behandlung als auf die heute übliche Reduzierung auf Schlagworte legen.
Senden einige Unternehmen zu schlechte Botschaften, vermiesen sie sich ihr Image und den Bürgern den positiven Blick in die Zukunft?
Kottkamp: Unternehmen sind Teil unserer Gesellschaft. Die Aussagen ihrer Repräsentation werden wie die von Mitgliedern aller anderen Gruppen durch unser aktuell dominierendes gesellschaftliches Bewusstsein geprägt. Und das betrachtet bevorzugt Risiken.
Unser Erfolg beruht auf Innovation; sie beruht auf Einsatz und Wagnisbereitschaft sowie Vertrauen in die Zukunft. Das war die Basis für die gute Position, die sich deutsche Unternehmen und Deutschland im internationalen Vergleich erarbeitet haben. Das müssen sich alle gesellschaftlichen Gruppen klar machen. Das Verhältnis zwischen progressiver Neugier und nachhaltiger Vorsicht ist zu Lasten innovativer Neugier aus dem Lot geraten.
Was wünschen Sie der nächsten Generation?
Kottkamp: Dass – unter Berücksichtigung der demographischen Entwicklung – die aktive Generation aus Eigennutz der nächsten Generation nicht zu viele Lasten aufbürdet, so dass dieser nur das Klagen und Abwehren übrig bleibt und nicht das Gestalten.
Wie könnte man Ihren Umgang mit Mitarbeiter/Innen charakterisieren?
Kottkamp: Das kann man selbst kaum beurteilen. Aber ich kann sagen, welche Beurteilung ich mir wünschen würde.
Ich hoffe, dass ich ausreichend zuhöre und denke, bevor ich spreche und das Verhältnis zwischen Aufnehmen und Äußern dem Verhältnis von Ohren und Augen (4) zur Stimme (1) entspricht.
Aus der hierarchischen Stellung leitet sich keine persönliche Überlegenheit her, aber die Notwendigkeit, Konzeptionen und Ziele zu erarbeiten und vorzugeben. Bei der Erreichung der Vorgaben gibt es viele Freiräume. Darin erwarte ich Eigeninitiative unkoordinierte Abweichungen sind allerdings Vertrauensbrüche und ich kann Illoyalität nicht leiden.
Ihr Lieblingssport?
Kottkamp: Mir macht das ehrgeizige, aber regelgeleitete Spiel Spaß. Lange habe ich deshalb Handball und Tennis gespielt. Heute spiele ich Golf. Das zeigt einem so konsequent die eigenen Grenzen auf.
Welche moralischen Werte sind besonders aktuell?
Kottkamp: Ehrlichkeit, Gradlinigkeit, Toleranz.
Was ist Ihr Lebensmotto?
Kottkamp: Entscheiden, aber vorher denken. fl/rus

Von Fl/Rudolf Schulze

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