Management

Ein Verband braucht Visionen als Führungsinstrument

Der Zentralverband der Elektrotechnischen und Elektronischen Industrie, ZVEI, hat für sich eine Vision formuliert, spricht von verbandspolitischer Heimat, dass der Verband zum Erfolg von Unternehmen beitrage. Sind Verbände noch zeitgemäß angesichts der Globalisierung? Antworten von ZVEI-Präsident Dietmar Harting.

VDI nachrichten: Der ZVEI hat sich als erster Wirtschaftsverband eine Vision, ein Leitbild und eine Mission gegeben. Visionen in einer Zeit des Sparens, Sanierens und des Schrumpfens bis auf das Kerngeschäft?
Harting: Wir erleben gerade in der Politik, was passiert, wenn niemand da ist, der eine generelle, eine langfristige Linie bestimmt, für eine Vision steht.
Eine Vision ist ein Führungswerkzeug. Visionen sind immer dann nützlich und zielführend, wenn Sie Organisationen gestalten und ausrichten müssen, die hochgradig heterogen und damit komplex sind. Der ZVEI bündelt die Interessen von über 1400 Mitgliedsunternehmen. Das Spektrum dieser Mitgliedsunternehmen reicht vom Unternehmen der Unterhaltungselektronik bis hin zu Mikrosystemtechnikherstellern und von unseren großen Mitgliedern, wie Siemens, Bosch, ABB und anderen namhaften Unternehmen, bis hin zum kleinen nur regional arbeitenden Unternehmen des Mittelstands.
Gemeinsame Ausrichtung, eine Vision ist das geeignete Gestaltungsmittel, dieser Komplexität eine gemeinsame Plattform zu geben. Die Entwicklung unserer „Vision für den ZVEI“ hat deutlich gemacht, wie anspruchsvoll dieses Werkzeug ist. Wir haben über zwei Jahre darüber diskutiert – extern und intern. Entstanden ist eine Formulierung, die dem ZVEI Inspiration und Ausrichtung geben wird. Die Vision wirkt vor allem proaktiv, also motivierend.
VDI nachrichten: In der Präambel der Visionsformulierung des ZVEI sprechen Sie von Querschnitts-Technologien und erheben den Anspruch, dass die Elektroindustrie die führende Innovationsbranche sei. Ist das nicht ein bisschen sehr anspruchsvoll?
Harting: Die Ausprägung von Selbstbewusstsein ist eine wichtige Funktion einer Vision. Die Tatsache, dass Sie diese Frage überhaupt stellen, macht deutlich, dass wir mit der Visionsformulierung die Elektro- und Elektronikindustrie im allgemeinen Bewusstsein anders verankern müssen.
Die Fakten zeigen zudem, dass wir hier keinen Anspruch erheben, sondern das aufnehmen, was z. B. das Mannheimer Europäische Forschungsinstitut empirisch nachweist: Wir sind in der Tat die Branche mit der lebhaftesten Innovationstätigkeit. Es sind die elektrotechnischen Innovationen, denken Sie z. B. an das Automobil oder an den Maschinenbau.
VDI nachrichten: Sie sprechen in ihrer Vision von einer verbandspolitischen Heimat – dies in einer Zeit, in der Verbände unter Druck geraten. Ist das nicht eher ein Blick zurück, denn nach vorne?
Harting: Der Trend zur Globalisierung bedeutet nicht die Auflösung des Begriffs der „Heimat“. Wir haben absichtsvoll diesen scheinbar unmodernen Begriff gewählt. Egal wie Sie als Unternehmen weltweit agieren, sie brauchen eine Heimat in der Technologie, aber ebenso in einer Branche und schließlich auch in einer Region, in einem Land. Es gibt keine Globalität ohne Heimat. So einfach ist das.
Der ZVEI bildet in diesem Sinne die Heimat, die Plattform für seine Mitgliedsunternehmen. Gerade in einer Zeit, in der es wirtschaftlich nicht gut läuft, ist der Verband auch ein Ort der Stabilität und der Orientierung. Das mag für ein großindustrielles Unternehmen weniger wichtig sein, für die mittelständischen Mitglieder ist dies ein wichtiger Punkt.
VDI nachrichten: Sie sprechen in Ihrem Verbandsstatement über Werte und die zentrale Rolle unternehmerischen Handelns. Muss man das heute nicht als Ökonomismus bezeichnen, dass Sie versuchen, die Welt rein aus ökonomischer Sicht zu interpretieren?
Harting: In der aktuellen politischen Diskussion geht oft der Zusammenhang zwischen dem Gesellschaftssystem und seinen ökonomischen Bedingungen verloren. Jede Wirtschaftsordnung hat eine Gesellschaftsordnung zur Voraussetzung und umgekehrt.
Die Entfaltung unternehmerischer Energie ist die zentrale Bedingung, um in marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaftssystemen für die Mehrung von Beschäftigung und Wohlstand zu sorgen. Dies einzufordern, ist schon fast ein Stück aus dem Geschichtsunterricht, gleichwohl zeigt die gesetzgeberische Wirklichkeit, dass man nicht müde werden darf, diese Grundlage für das Wohlergehen eines Gemeinwesens einzufordern.
Gerade Eigentümerunternehmen, wie mein eigenes Unternehmen, haben Interesse an einem attraktiven Standort, wir können aber unsere Produktionsstätten nicht zu jedem Preis hier in Deutschland halten. Kurzum: Es geht nicht um Ökonomismus, sondern es geht um die ökonomischen Voraussetzungen für den Wohlstand von Vielen.
VDI nachrichten: Sie behaupten, dass der Verband zum Erfolg der Unternehmen beiträgt. Ist nicht das Gegenteil richtig, dass der Verband ein Kostenfaktor der Unternehmen ist, und der Nutzen nur wenigen großen Mitgliedern wirklich verdeutlicht werden kann?
Harting: Ich könnte mir die Antwort auf diese Frage einfach machen und auf die Lobbying-Erfolge des ZVEI im Bereich bleifreies Löten, oder beim Aufbau eines Rücknahmesystems für Elektroaltgeräte verweisen.
Die Wirklichkeit verbandlicher Arbeit ist weit komplexer und verlangt eine kontinuierliche Arbeit. Die Verbandstätigkeit umfasst grundlegende, kontinuierliche Arbeiten, wie die Klärung von Rechts- und Steuerfragen, Fragen der Außenwirtschaft, oder die Teilnahme am Normungsgeschehen.
Das sind, wenn man so will, die „basics“, das Tagesgeschäft.
Viel entscheidender aber ist der Aufbau einer national und international wirkenden Community, die uns als exportabhängiger Nation hilft, deutsche Technologie erfolgreich zu vermarkten. VDI nachrichten: Lässt sich der Mitgliedsbeitrag in geldwerter Gegenleistung ausdrücken?
Harting: Sie können heute keine direkte Korrelation zwischen Verbandsmitgliedsbeitrag und individuellem Nutzen für das einzelne Unternehmen aufbauen, auch wenn dies hin und wieder gelingen könnte. Das ist auch nicht die Ebene, auf der eine Mitgliedschaft verstanden werden sollte. Die Teilnahme an der Branchenentwicklung, die kontinuierliche Abstimmung der eigenen Interessen mit den großen Playern in jeder Branche, aber auch der Aufbau einer intensiven Vernetzung, das sind die Kernpunkte, die einen Verband leben lassen. Zugleich entsteht für jedes Mitglied ein individueller Nutzen.
Der ZVEI lebt, wie andere Verbände auch, im Wesentlichen durch das Engagement seiner über 5000 Ehrenamtsträger, sie haben einen entscheidenden Anteil an der Dynamik des Verbandes.
VDI nachrichten: Territorial bekennen Sie sich zur europäischen Basis. Muss nicht der globale Aspekt gerade der E+E Industrie sehr viel deutlicher betont werden?
Harting: Mit Blick auf die EU-Beitrittsländer stehen wir vor einer Neubewertung des europäischen Binnenmarktes. Über 500 Mio. Konsumenten, die in der Perspektive mit einer Währung bezahlen und ein gemeinsames politisches System teilen, sind auch industriepolitisch kein Nullsummenspiel. Europa steht am Beginn eines weltweiten Bedeutungszuwachses. Eine unglaubliche Herausforderung für alle.
Die Abbildung der Dimension „global“ ist keine Aufgabe, die sie im Vorbeigehen erledigen können. Dazu braucht es gewachsene Strukturen und bezogen auf die politischen Einflussmöglichkeiten auch die demokratische Legitimation der eigenen Organisation. Vor diesem Hintergrund konzentriert sich der ZVEI auf das Gestaltbare, ohne das Notwendige aus dem Blick zu verlieren. RBI/rok/Rus

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