Management

„Ein Japaner werde ich nie, das ist nicht möglich“

Trotz des Medienereignisses Fußball-WM wissen wohl die wenigsten Europäer, wie Japaner und Koreaner abseits vom grünen Rasen agieren. Nur wer sich intensiv mit der Kultur und Mentalität in Ostasien beschäftigt, hat dort gute Geschäftsaussichten, weiß Florian Hesse von der Emka GmbH & Co. KG in Velbert.

Als Teilnehmer des „Executive-Training-Programme“ (ETP) Japan der Europäischen Kommission verbrachte der 43-jährige Bergbauingenieur 18 lehrreiche Monate im Land der aufgehenden Sonne. „Schon als ich 1995 zum ersten Mal für eine Woche in Japan war, um einen Fachvortrag zu halten, hatte ich so viele interessante Eindrücke, dass mir klar war: dieses Land lässt dich nicht mehr los“, erklärt Hesse. Die innere Gewissheit, irgendwann nach Japan zurückzukehren, habe ihn im beruflichen Alltag sehr motiviert: „Es ist ja nicht nur die Faszination der fremden Kultur, die Schönheit der Natur, die Menschen, ich wollte auch Umsatz machen in Japan.“
Anfang der 90er Jahre sah Hesses damaliger Arbeitgeber, die „Deutsche Montan Technologie“ GmbH (DMT), gute Chancen, hoch entwickelte Bergbautechnik nach Japan zu exportieren. Beispielsweise bot es sich an, Untertagebelüftungssysteme mit modernster Mess- und Regeltechnik in den zahlreichen japanischen Autotunneln einzusetzen. Geomesssysteme, speziell Feinstaubmessungen, waren auch Florian Hesses Thema, mit dem er 1992 an der RWTH Aachen promoviert hatte.
Diese Konstellation führte dazu, dass Hesse sich für das ETP-Programm bewarb und schließlich 1997 für eineinhalb Jahre mit seiner Frau und seiner damals zwei Jahre alten Tochter nach Tokio zog. Dort erlernte er in einem extrem harten einjährigen Intensivkurs die für Europäer so fremde japanische Sprache in Wort und Schrift und in weiteren sechs Monaten erlebte er das japanische Wirtschaftsleben und die Arbeitspraxis aus nächster Nähe, indem er ein längeres Praktikum absolvierte, Unternehmen verschiedenster Branchen besuchte und an ergänzenden Seminaren und Workshops teilnahm.
Großen Respekt hatte Florian Hesse vor dem Sprachkurs: „Es ist ein Sturz ins kalte Wasser, denn der Unterricht wird ausschließlich in japanischer Sprache gehalten. Für einen durchschnittlich Sprachbegabten sind 12 Stunden täglich nötig, um das immense Pensum zu schaffen. Aber am Ende konnte ich wirtschaftpolitische Zeitungsartikel lesen und die Sprache im beruflichen Alltag einsetzen“, berichtet Hesse. Dies sei auch dringend erforderlich, wenn eine langfristige, persönliche Beziehung zu den japanischen Geschäftspartnern aufgebaut werden soll. Das notwendige gegenseitige Vertrauen könne sich nur über die japanische Sprache entwickeln. „Man wird leise in Japan, man bewegt sich vorsichtig und tritt einfach nicht so lautstark auf.“
Beeindruckt war Hesse auch von den begleitenden Seminaren auf der Tokioer Sophia-University mit Managern europäischer Konzerne, die ihre Bewertung des japanischen Marktes vermittelten. Marketingspezialisten und Führungskräfte bis zum Vorstand der Deutschen Bank in Japan gaben den damals 38 Teilnehmern aus ganz Europa das Gefühl, an einer wichtigen Aufgabe zu arbeiten. Seit 1979 besteht das EU-Förderprogramm mit dem langfristigen Ziel, die Außenhandelsbilanz mit Japan zu verbessern. Rund 800 Teilnehmer konnten das Stipendium bisher nutzen, pro Person fallen dabei Kosten in Höhe von 120 000 ‹ an, zusätzlich wird von den entsendenden Unternehmen erwartet, ihre Mitarbeiter finanziell zu unterstützen, da nur so ein angemessenes Lebensniveau im teuren Japan möglich ist. „Das Programm kostet die EU eine Menge Geld und der gewünschte Effekt tritt nur ein, wenn man wirklich in der Lage ist, das Erlernte in die Praxis umzusetzen. Für uns wurden wichtige Kontakte geknüpft, etwa zu hochrangigen Vertretern der japanischen Arbeitgeberverbände und der Industrie- und Handelskammern“, so fühlt sich Florian Hesse in der Pflicht, jetzt Taten folgen zu lassen.
Als Exportleiter der Velberter Emka Beschlagteile GmbH & Co. KG sieht Hesse dafür beste Voraussetzungen: „Für mich hatte das mittelständische Unternehmen eine unglaubliche Ausstrahlung. Hier kann ich das in die Praxis umsetzen, was ich im Programm gelernt habe. Ein technisches Massenprodukt für eine Firma zu verkaufen, die bereits ihre Möglichkeiten in Asien gefunden hat und ausbauen möchte“, erläutert er. Emka sei ein typischer Mittelständler, der nach außen gar nicht so auffällig wirke, aber sein Unternehmen stehe als europäischer Marktführer mit einem Bein in der Zukunft der Verschlusstechnik: Elektronische Verschlusssysteme. „Wir haben inzwischen ein marktfähiges Produkt für den elektronischen Verschluss von Schalt- oder Datenschränken für die TK-Einrichtungen und die Dateneinlagerung“, berichtet Hesse. 17 Niederlassungen und weitere elf Agenturen repräsentieren Emka weltweit, doch China, Süd-Korea und auch Japan sieht Hesse als besondere Märkte der Zukunft auf die er sich dank des ETP-Programms gut vorbereitet fühlt.
Von der gerade anstehenden Geschäftsreise nach Tokio wird Hesse wohl wieder ein Andenken mitbringen, das, wie die Geschenke von japanischen Freunden, in der heimischen Wohnung im malerischen Hattinger Stadtteil Blankenstein einen Ehrenplatz erhalten wird. Aber in der typischen Art der Ruhrgebietsmenschen hält Florian Hesse den Ball flach: „Trotz aller Liebe zu diesem Land: Ein Japaner werde ich nie, das ist nicht möglich.“
MANFRED BURAZEROVIC
Bewerbungsschluss für das nächste ETP-Programm im Frühjahr 2003 ist der 1. August.

  • Dr. Manfred Burazerovic

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