Management

„Ein fähiges Management muß die Risiken kennen – und beherrschen“

Bei Müller Weingarten, dem international operierenden Hersteller von Großpressen, wurde die Strukturkrise bewältigt; der Erfolgsmanager Markus Reihle hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Nachfolgend analysiert er hausgemachte Probleme der deutschen Investitionsgüterindustrie.

Ein Großteil der Probleme, die wir in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren in der Investitionsgüterindustrie hatten, ist darauf zurückzuführen, daß der Generationenwechsel in den Unternehmensleitungen von inkompetenten Gremien entschieden wurde. Hier gibt es häufig Personen, die mit der Geschäftsstruktur und firmenspezifischen Besonderheiten nicht vertraut sind.
Immer noch sind häufig irgendwelche Testamentsverwalter oder ähnliche Personen mit reiner Verwaltungserfahrung in den Aufsichtsgremien der Unternehmen, die sich nicht in den fachspezifischen Firmenstrukturen auskennen. Von daher herrscht natürlich eine eher äußerliche Betrachtung bei der Auswahl der Manager vor. Die auf die Geschäftstätigkeit bezogenen Aspekte bleiben zu häufig unberücksichtigt.
In Beiräten und Aufsichtsräten sitzende Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer oder Investmentspezialisten, die Kapitalanteile von den ursprünglichen Eigentümern übernommen haben, konzentrieren sich auf den Verwaltungsakzent vorhandener Unternehmenssysteme und vernachlässigen die Überlegungen zur strukturellen Weiterentwicklung.
Man hat bislang geglaubt, in der Investitionsgüterindustrie brauche man eine einmal erworbene Stellung nur noch zu verwalten. In den letzten Jahren hat sich nun deutlich gezeigt, daß dies grundsätzlich nicht so ist. Ohne das Verfolgen einer Perspektive in fachlicher Hinsicht fällt ein Return-on- Investment nur dürftig aus, obwohl die Rendite gerade denen so wichtig ist, die Anteile im Zuge des Generationenwechsels erworben haben. Hier betreiben insbesondere Banken und Fonds eine kurzsichtige Politik.
In der Investitionsgüterindustrie sind also branchenfremde Interessen weitaus schädlicher als nützlich. Das gilt vor allem für die Einzel-, aber auch für die Massenfertigung. Je mehr in einem Unternehmen Anlagen gebaut werden, die individuell auf den jeweiligen Auftrag zugeschnitten sind, desto negativer ist der fach- und sachfremde Einfluß. Denn sobald die Verwaltungsgremien den Auftragseingang als das Maß aller Dinge betrachten, werden sie, wenn sie das Geschäft nicht verstehen, von den Firmenleitungen natürlich hinters Licht geführt.
Einen Auftrag zu schlechten Preisen kann schließlich jeder kriegen. Dies hat sich bei einigen Unternehmen der Anlagentechnik drastisch gezeigt: Zunächst einmal wurden glänzende Statistiken zu den Auftragseingängen und womöglich auch noch zu den Umsätzen vorgelegt. Die Ergebnisse, die erst bis zu drei Jahren später auftauchten, bescherten dann ein großes Dilemma.
Man muß davon ausgehen, daß bei großen Maschinen die Fakturierung erst zwei Jahre nach Auftragseingang erfolgt. Und bis die Auftragsabwicklung letztlich ergebniswirksam in Erscheinung tritt, vergehen drei bis vier Jahre. Gerade ein hoher Auftragsbestand verlangt von einem fähigen Management, die finanziellen Risiken zu kennen und zu beherrschen. Die Firmenleitung muß wissen, wo sie steht, denn an jedem Großauftrag kann sie viel Geld verlieren.
Sowohl die Kalkulation als auch das Hereinnehmen von Aufträgen sind also gut zu durchdenken. Vor allem bedarf es der Einsicht, daß zu große Sprünge im Auftragsvolumen zu eklatanten Fehlentwicklungen der Kostensituation führen können.
Auch das Wachstum durch Firmenaufkäufe birgt in unserer Industrie große Risiken. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß man keine erfolgreichen Akquisitionen machen kann, ohne zugleich eine nach Qualifikationskriterien entwickelte Konzeption für die personelle Betreuung solcher Neuerwerbungen zu haben. Das muß sich sowohl auf die Ausführung der Akquisition als auch auf die spätere Besetzung der neuen Konzerngesellschaft erstrecken.
Wenn man sich beispielsweise im Ausland für eine Gesellschaft, eine Beteiligung oder eine Zusammenarbeit zur Herstellung der eigenen Produkte entscheidet und in finanzielle Verpflichtungen eintritt, braucht man im eigenen Haus Personen, die dies kompetent begleiten können.
In einem solchen Fall muß das Personal nicht nur fachlich qualifiziert sein, sondern auch mit den Eigenheiten eines fremden Landes umgehen können. Wenn diese elementaren Voraussetzungen nicht gegeben sind, sollte man in der Investitionsgüterindustrie unbedingt auf die Internationalisierung der Produktion verzichten. Ein globalisierungswilliges Management muß von vornherein das Wirtschaftsklima und die Machtverhältnisse im Wirtschaftsleben des gastgebenden Landes kennen daran scheitern viele deutsche Investitionsgüterhersteller immer wieder.
Es gibt Firmen, in denen nur ein einziger Mitarbeiter überhaupt die Sprache des Landes beherrschte, in dem man investieren wollte. Um die Verbindung zum neuen Betätigungsfeld herzustellen, wird in solchen Situationen oft ein Außenstehender angeheuert, der zwar das Land einigermaßen kennt, aber noch nie im Leben mit den Produkten seines neuen Arbeitgebers zu tun hatte. Ein Fehlschlag ist hier natürlich abzusehen. Nach meiner Erfahrung können Globalisierungsprojekte nur verfolgt und realisiert werden, wenn gleichzeitig die personellen Frage gelöst wird – in der deutschen Muttergesellschaft und noch dringender am ausländischen Standort.
Trotz der geschilderten hausgemachten Managementprobleme steht die deutsche Investitionsgüterindustrie im internationalen Vergleich besser da als oft befürchtet. Für die Wettbewerbsfähigkeit spricht ein hohes Qualifikationsniveau der Mitarbeiter ebenso wie die jahrzehntelange Erfahrung, die viele Firmen mit weltweit begehrter Spitzentechnologie gesammelt haben. Viele Entwicklungen wurden so vorangetrieben, daß die Produkte heute eine absolut führende Position einnehmen.
Die deutsche Industrie verfügt also in zahlreichen Investitionsgüter-Sparten über einen Vorsprung beim Know-how und in der Technologie. Diesen Vorsprung können wir dann halten, wenn wir die Kostenseite weiterhin einigermaßen wettbewerbsfähig gegenüber den Ländern gestalten können, die als Anbieter auf dem Weltmarkt nachwachsen.
Große Chancen, sich international zu behaupten, haben vor allem solche Firmen, die zur Herstellung von Investitionsgütern so umfangreiche Maschineneinrichtungen brauchen, wie sie nicht beliebig auf der Welt vorhanden sind. Man muß schon die richtige Kapazität haben, um z. B. einen Großauftrag der Automobilindustrie für eine Karosserie-Pressenstraße in einer angemessenen Zeit realisieren zu können. Die Zukunft der Deutschen liegt daher nach meiner Meinung in hochtechnologischen, hochkomplexen Dienstleistungen.
MARKUS REIHLE
Markus Reihle ist für die Perspektive mit Erfahrung: „Gerade ein hoher Auftragsbestand verlangt , die finanziellen Risiken zu kennen und zu beherrschen.“

Von Markus Reihle
Von Markus Reihle

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Total Deutschland GmbH-Firmenlogo
Total Deutschland GmbH Leiter (m/w/d) Produkttechnik & Rangemanagement Berlin
terranets bw GmbH-Firmenlogo
terranets bw GmbH Ingenieur (m/w/d) Elektrotechnik als Leiter (m/w/d) der Betriebsanlage Stutensee-Blankenloch
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH-Firmenlogo
VPA Prüf- und Zertifizierungs GmbH Prüfstellenleitung / Laborleitung (w/m/d) Remscheid
über RSP Advice Consulting & Coaching-Firmenlogo
über RSP Advice Consulting & Coaching Leitung Werksplanung und Instandhaltung (d/m/w) keine Angabe
Bayernwerk AG-Firmenlogo
Bayernwerk AG Leiter Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umwelt (HSE) (w/m/d) Regensburg, München
HEKUMA GmbH-Firmenlogo
HEKUMA GmbH Fachbereichsleiter (m/w/d) Service im Sondermaschinenbau Hallbergmoos
voestalpine Turnout Technology Germany GmbH-Firmenlogo
voestalpine Turnout Technology Germany GmbH Konstruktionsleiter (w/m/d) Bahnanlagen Gotha
Viessmann Group-Firmenlogo
Viessmann Group Leiter Entwicklung Großwärmepumpen (m/w/d) Dresden, Allendorf (Eder)
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Die Autobahn GmbH des Bundes Leitung (w/m/d) für den Geschäftsbereich Planung Euskirchen

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.