Management

Digitales Management von Produktdaten ist Neuland für viele Flugzeugzulieferer  

Anders als in der Automobilindustrie haben Strategien zum Produkt-Lebenszyklus-Management (PLM) bei Zulieferern der Luftfahrtindustrie bisher eher weniger Beachtung gefunden. Eine Studie zeigt suchte die Gründe, warum sich die Branche damit schwer tut.

Hände, die aufeinandergelegt sind

Ob Spezialisten oder Führungskräfte, nahezu jeder Ingenieur arbeitet heute in Teams und braucht dafür soziale Kompetenzen.

Foto: panthermedia.net/baranq

Ähnlich wichtig wie die Integration ist den befragten Zulieferern das Thema Produktdokumentation. Die Anforderungen der Branche an Zertifizierung und Archivierung sind so hoch wie in wenig anderen Branchen. „So müssen 3-D-Produktdaten auf behördliche Anforderung bis zu maximal 99 Jahre aufbewahrt werden, jedes Bauteil eindeutig identifizierbar und zuzuordnen sein – und das bezogen auf das gesamte Produkt, bei der A380 zum Beispiel mit mehr als 8 Millionen Bauteilen. Das ist nur mit einem durchgängigen Produktdatenmanagement zu erreichen“, so Farkas.

Auch die Datenqualität spielt aus Sicht der Zulieferer eine entscheidende Rolle. 49 % der Befragten gab an, dass diese eine sehr wichtige Anforderung der Auftraggeber ist. Weitere 37 % bewerteten den Punkt als wichtig.

Folgen die Zulieferer den Bestrebungen der Hersteller, müssen sie künftig ihr Aufgabenprofil verändern. „Die Flugzeughersteller orientieren sich am Modell der Automobilindustrie und sehen sich langfristig als Integratoren, die nur einen geringen Teil selber produzieren“, so Farkas. „Zulieferern kommt in Zukunft somit die Rolle eines Systempartners zu, mit mehr Forschungs- und Entwicklungsaufgaben, damit aber auch mehr Verantwortung und Risiken.“

Hinzu kommt, dass die Hersteller planen, Komponenten zunehmend in Niedriglohnländern zu beschaffen. „Aus meiner Sicht müssen sich Luftfahrtzulieferer deshalb künftig noch stärker vernetzen, um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können“, sagte der Cimpa-Geschäftsführer.

Dass PLM dabei ein Mittel ist, um nicht nur die Integration mit dem Hersteller zu stärken, sondern auch die eigene Wettbewerbsfähigkeit, scheint bei einem Teil der Unternehmen noch nicht angekommen zu sein. So rangiert bei den Zulieferern, befragt nach dem Nutzen, die „Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“ an letzter Stelle.

Auch mit der Benennung von Vorteilen durch PLM taten sich die Befragten schwer. Zwar gaben 41 % der Befragten an, dass es für sie keine Alternative zu PLM gäbe, doch machte nur ein geringer Anteil der Teilnehmer überhaupt Angaben zum konkreten Nutzen.

Eine Einschätzung dazu lieferte Prof. Martin Eigner von der Technischen Universität Kaiserslautern: „Das zeigt einerseits, dass das Thema PLM im Gegensatz zu der Automobilindustrie bei Flugzeugzulieferern noch verhältnismäßig neu ist. An manchen Stellen fehlen einfach Erfahrungen. Andererseits fehlen noch Methoden des Aufbaus und Customizings von PLM-Lösungen, um diese bei kleineren Unternehmen effizient einführen zu können.“ Dabei sei PLM zweifelsohne der wichtigste Ansatz, um Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. „Gerade in der Luftfahrt kann PLM die hohen Anforderungen an Produktqualität, Abbildung der Produktkomplexität und Sicherheit erfüllen“, so Eigner.

Nachholbedarf gibt es auch in der PLM-Beratung: Nur zwei der Teilnehmer bescheinigten ihren Beratern gute Branchenkenntnisse. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass die meisten Zulieferer bisher ihre PLM-Projekte selbst durchführen.

 

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