Management

Die zweifelhafte Kunst der Bilanzkosmetik

Tasso Enzweiler blickt in seinem Buch hinter die Kulissen großer Unternehmen. Der Wirtschaftsjournalist deckt auf, wie Manager mit Finanzen jonglieren.

Wir hätten es wissen müssen. Holzmann war schon die ganze Zeit marode, nicht erst seit Ende letzten Jahres. Zum ersten Mal wäre Misstrauen angebracht gewesen, als bei Holzmann großspurig ein Sharholder Value-Programm verkündet wurde. Bis zum Jahr 2000 die Gesamtleistung des Konzerns um die Hälfte erhöhen, den Jahresüberschuss verdreifachen, die Kapitalrendite um ein Viertel steigern – das war das ehrgeizige Programm, wie es der Vorstandsvorsitzende vor fünf Jahren verkündete. Investoren und Analysten waren schwer beeindruckt.
Aber hinter den Kulissen begann schon das Desaster: 1996 geriet der deutsche Bauprimus ins Schlingern. Der vom Ehrgeiz getriebene Vorstandschef Lothar Mayer setzte seine Energie fortan dafür ein, die Öffentlichkeit über die wahre Lage in die Irre zu führen. Das ist die Diagnose von Tasso Enzweiler in seinem Buch „Die Bilanzjongleure“. Bilanztricks wurden seit 1996 bei Holzmann angewendet, um die Folgen von Missmanagement und Pannen zu vertuschen.
Manager manipulieren Bilanzen. Der Blick in den Instrumentenkasten der Zahlenkosmetiker zeigt, wie die Grundsätze der wahrheitsgemäßen Berichterstattung über die Lage des Unternehmens verletzt wurden. Die Lage von Holzmann wurde mit zweifelhaften Operationen von Rot in Schwarz umgefärbt. Eigentlich hatte es 1996 hohe Verluste gegeben, die sich zu 1 Mrd. DM aufaddierten. Das Projektgeschäft war schlecht gelaufen, und es gab Wertberichtigungsbedarf aus anderen Quellen.
Das Management aber wollte an seinem Wertsteigerungsprogramm festhalten. Da passen Verluste so gar nicht ins Bild. „Wegrechnen“, erging deshalb der Auftrag an das Rechnungswesen. In der Folge wurden Gemeinkosten als Vermögenswert deklariert, Steuer-Sonderabschreibungen zurückgenommen und Bewertungsreserven aus der Bilanz gehoben. Außerdem verfielen die Holzmänner auf einen Trick, der immer dann angewendet wird, wenn das Kerngeschäft partout nicht laufen will: „Was haben wir denn noch so da, was wir schnell zu Geld machen können?“, lautet dann die Frage. Bei dem maroden Baukonzern fanden sich einige Beteiligungen und Wohnungsbesitz. Beides wurde versilbert, um die Bilanz zu schönen. Zwar laufen die Posten nicht unter „Umsatz“, sondern als „außerordentliche Erträge“ – aber was tut ein vom Schicksal gebeutelter Vorstand nicht alles, um die Lage zu kaschieren? Am Ende der Verschönerungsmaßnahmen stand bei Holzmann nicht 1 Mrd. DM Minus, sondern 1 Mio. DM Gewinn in der Bilanz.
Auch Meyers Nachfolger, der heute noch amtierende Heinrich Binder, übte sich im selben Metier. Schon in seinem ersten Amtsjahr 1998 manipulierte er die Zahlen von Holzmann weiter, wie Enzweiler herausfand: Statt, wie nach Lage der Dinge geboten, 1,4 Mrd. DM Verlust, wurden nur 768 Mio. DM Miese ausgewiesen. Wie das geht, hatte das Management des Vorgängers gezeigt: Binder setzte den Wert zweier Steinbrüche gleich um einen dreistelligen Millionenbetrag herauf, er verkaufte weiter Vermögensteile und veränderte Bewertungen. „Der Konzern wurde zu einer Spielwiese der Bilanztrickser“, so die Einschätzung von Enzweiler, Wirtschaftsjournalist in Hamburg.
Trickser tummeln sich auch in vielen anderen Firmen, fand der Buchautor heraus. Sobald es etwas zu verbergen gibt, wird es verborgen. Wenn ein Unternehmen in Schieflage gerät, wird oft alles getan, um das mit den Mitteln der Bilanzveränderung zu vertuschen – auch auf umgekehrtem Wege. Wenn der Vorstand nicht will, dass Aktionäre, Kunden und die Öffentlichkeit erfahren, dass über die Maßen gut verdient wurde, wird ebenfalls manipuliert. Dann aber in die andere Richtung: nach unten, nicht nach oben. Deutsches Bilanzrecht macht es möglich: Hierzulande ist mehr an Bewertungsveränderungen möglich als in anderen Ländern, fand Enzweiler heraus. In den USA fänden die Praktiken mancher deutscher Manager nach den dort geltenden Bilanzierungsregeln keine Gnade.

Aus kleinem Plus wird plötzlich dicker Gewinn

Beim Renommierflieger Lufthansa waren die Bilanzkosmetiker ebenfalls aktiv – hier aber, um aus einem kleines Plus im operativen Geschäft einen dicken Gewinn in der Bilanz zu machen. „Das war ein gutes Jahr“, soll Jürgen Weber, Lufthansa-Chef, zum 1996er Jahresergebnis gesagt haben: 674 Mio. DM Gewinn wiesen die Bücher aus. Die wahre Geschichte ist anders, weiß der Buchautor: Das Ergebnis aus dem operativen Geschäft lag nur bei gut dem halben Wert, und deutlich unter den Planungen. Der Börse und den Eigentümern sollte aber offensichtlich dennoch eine Fluggesellschaft im Aufwind vorgeführt werden. Also wurde zu Sondermaßnahmen gegriffen, wie Enzweiler herausfand: Die LH löste Rückstellungen auf, verbuchte Buchgewinne aus Anlagenabgängen und verkaufte Flugzeuge, um noch das zusammenzubringen, was das laufende Geschäft nicht hergab. Wie der Jahresabschluss zeigt, gelang das Vorhaben.
Was lehrt Enzweilers Buch? Top-Manager erliegen manchmal der Versuchung, Schlechtes schön zu reden. Weil das deutsche Bilanzrecht die Möglichkeiten dazu bietet, liefern sie auch die passenden Zahlen zur Schönrederei. Jeder Interessierte, egal ob Lieferant, Stellenbewerber oder Aktionär, sollte deshalb zwei Mal hinsehen, wenn sich die Lage in einem Unternehmen wider Erwarten als rosig darstellt. Oft genügen schon ein paar rudimentäre Kenntnisse im Fach Bilanzen lesen, um den Schwindel aufzudecken. Zumindest aber, um ein paar ehrliche Antworten auf direkte Fragen zu bekommen. Enzweilers Recherchen und Erklärungen helfen, die Lage von Unternehmen so zu sehen, wie sie ist – und nicht, wie sie uns verkauft wird. AXEL GLOGER
Tasso Enzweiler, Die Bilanzjongleure, Societäts-Verlag, Frankfurt 1999, , 182 Seiten, DM 39,80
Als quelle ihnen das Geld aus dem Koffer. Oft sieht das Innenleben deutscher Firmenkassen trister aus, als Unternehmer eingestehen wollen.

Von Axel Gloger

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