Management

Die Moral bleibt oft auf der Strecke

Mensch und Natur führen in der Welt der großen Wirtschaft nur ein trauriges Schattendasein, meint Rupert Lay. Der Jesuitenpater und Unternehmensberater fordert einen radikalen Wertewandel.

Führungskräfte haben keinen leichten Job. Der tägliche Spagat zwischen Mitarbeitermotivation und Gewinnmaximierung zehrt an den Kräften. Nicht selten gehört das mittlere und gehobene Management zu den sogenannten „burn out“-Opfern.
Rupert Lay, Psychoanalytiker in Frankfurt am Main, kann davon ein Lied singen. Während seiner 30jährigen Praxistätigkeit hatte er genügend Möglichkeiten, persönliche Erfahrungen mit Führungskräften zu sammeln. „Gerade die Menschen, die das Schicksal vieler anderer weitgehend bestimmen und selbst seelsorgerisch für diese Menschen tätig sind, brauchen des öfteren einen eigenen Seelsorger“, so Lay. Da sich die Probleme in den vergangenen Jahren in den Führungsetagen der mittelständischen und großen Firmen verschärft haben, sah Rupert Lay stärkeren Handlungsbedarf. Der 70jährige eröffnete vor drei Jahren eine Unternehmensberatung. Lay gehört dem Jesuitenorden an und erhielt 1960 die Priesterweihe. Das sehr weltliche Credo des Geistlichen: Deutschland ist übersät von Führungskräften, was aber deutschen Unternehmen seiner Meinung nach fehlt, sind Führungspersönlichkeiten.
Fünf Merkmale führt Lay an, die harmonieren sollten, wenn es sich um eine „echte“ Führungspersönlichkeit handelt: Individualität, Sozialität, ein Verhältnis zur eigenen persönlichen Geschichtlichkeit, ein Verhältnis zur Welthaftigkeit (zu „Mutter Erde“, unserer Umwelt) und ein Verhältnis zu den eigenen Grenzen. „Eine Persönlichkeit unterscheidet sich von einer Nicht-Persönlichkeit insbesondere dadurch, daß die Persönlichkeit innerhalb der ihr gegebenen Grenzen alle ihre Begabungen und ihr Vermögen zum eigenen Nutzen entfaltet.“
Ein hoher Anspruch, der voraussetzt, die eigenen Grenzen psychischer, sozialer, emotionaler, physischer und moralischer Natur realistisch einschätzen zu können. In seinen Seminaren werden die Teilnehmer dazu angehalten, sich in Selbsterkenntnis zu üben. Zwei Schwerpunkte verfolgt Lay dabei: erstens dogmatische Fehler zu erkennen und zweitens eigene moralische Maßstäbe als allgemein verbindlich zu betrachten. Der entscheidende Dogmatikfehler ist für Lay, von eigenen „Gewißheiten“ zu reden. „Viele Führungskräfte meinen, sie seien im Besitz von irrtums- und täuschungsfreiem Wissen“, klagt der Pater. In seinen mehrtägigen Basisseminaren fordert Lay Manager dazu auf, mit diesem Denkansatz aufzuräumen. Männer und Frauen erarbeiten Lösungen im Team. „Nur das Team kann durch den gemeinsamen Erkenntnisfortschritt die Irrtümer und Täuschungen des einzelnen minimieren.“
Ebenso wie Dogmatikfehler soll auch das moralische Urteilen in den Führungsetagen ein Ende haben. „Urteile nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet. Nach dem Maß, an dem ihr meßt, werdet auch ihr gemessen“, zitiert der Pater die Bergpredigt. Niemand habe das Recht, einen anderen moralisch zu beurteilen, da er nicht die Beweggründe für dessen Verhalten kenne. Einzig und allein juristisch könne jemand verurteilt werden.
Wer bei Rupert Lay in die Lehre geht, gehört meist einem mittleren oder kleinen Unternehmen der Metall- und Chemiebranche an. Zu seinen Kunden zählen aber auch Großkonzerne wie Ciba Geigy aus der Schweiz. Die Manager lernen, ihre Grundüberzeugungen („basic beliefs“) in Frage zu stellen, um den Weg für neues Verhalten frei zu machen. In den sich anschließenden Aufbauseminaren festigen die Teilnehmer das neuerworbene geistige Potential.
Rupert Lay mag für den Außenstehenden ein ungewöhnlicher Berater sein, der sich mit Hilfe der Bibel für mehr Menschlichkeit in der Unternehmenswelt einsetzt. Daß dieser Mann jedoch kein Traumtänzer ist, verdeutlicht sein unternehmerisches Engagement. Lay sitzt in diversen Aufsichtsräten deutscher Großunternehmen oder hat sogar deren Vorsitz inne.
In all diesen Firmen hat Lay einen „Value-Katalog“ eingeführt, zu dessen Unterzeichnung sich jede Führungskraft, die neu eingestellt wird, verpflichtet. Der neue Vorgesetzte versteht sich aufgrund dieser Deklaration als Dienstleister gegenüber den unmittelbaren Mitarbeitern und baut ein „äußeres und inneres Beziehungsmanagement“ basierend auf Vertrauen auf. Sollte eine Führungspersönlichkeit in wesentlichen Punkten gegen die Auflagen des „Value-Kataloges“ verstoßen, sinken damit die Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb des Unternehmens auf ein Minimum.
Der 1996 emeritierte Philosophieprofessor Lay, der an der Katholischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main lehrte, erwarb sich seine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse während eines berufsbegleitenden Studiums. Nachhaltige Eindrücke aus der Praxis ließen ihn zu der Auffassung gelangen, sich die Veränderung der herrschenden Unternehmenskultur zur Aufgabe zu machen. „Die ersten Unternehmer, die ich kennenlernte, waren noch von Erhardt befruchtet. Was sich jedoch heute in den Unternehmen abzeichnet, sind rein monopolare Interessen, die sich ausschließlich auf das Shareholder Value konzentrieren. Wen interessiert denn da noch unsere Umwelt, ein vertrauensvolles Arbeitsklima oder die Menschen und deren Kreativität in den Unternehmen?“ Der Wertewandel in der Wirtschaft werde seiner Ansicht nach noch Jahrzehnte brauchen. „Aber letztendlich wird es sich ökonomisch und gesellschaftlich auszahlen.“
IRIS HOLTZ
Der Chef, das angsteinflößende Wesen. Machthunger, Drohgebärden und imposantes Äußeres machen noch längst keine Führungspersönlichkeit.
Die Priesterweihe hält Rupert Lay nicht davon ab, sich auch um weltliche Angelegenheiten zu kümmern.

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