Management

„Die Mitarbeiter haben sich schnell verstanden“

Wie man mit solider Technik trotz Konjunkturflaute gute Geschäfte machen kann, demonstriert die INA-Holding, Herzogenaurach. Deren Geschäftsleitungsvorsitzender ist seit vorigem Jahr auch Vorstandsvorsitzender der FAG Kugelfischer in Schweinfurt. Er führte die milliardenschweren Wälzlagerhersteller zusammen.

VDI nachrichten: Wie haben Sie es geschafft, die unterschiedlichen Unternehmenskulturen zusammenzuführen, nachdem sie vor eineinhalb Jahren den Hersteller von Präzisionslagern FAG übernommen haben?
Geißinger: Es war sicher von Vorteil, dass sich die Mitarbeiter schnell über das Produkt verstanden haben. Die Technologien sind sehr ähnlich. Und wenn Techniker zusammenkommen, dann sprechen sie in der Regel ihre Techniksprache. Dann spielt es keine Rolle, ob ein Unternehmen so tickt und das andere eben anders. Das ist ein große Vorteil, den wir nutzen konnten. Insofern hat die Zusammenführung auf der Mitarbeiterseite gut funktioniert.
VDI nachrichten: Und wie war das auf organisatorischer Ebene?
Geißinger: Wir haben die Projekte sauber getrennt, in Einkauf, Produktentwicklung, Branchenmanagement und Personalprojekte, so dass es sauber geordnet war. Vor allem haben wir uns aber Zeit gelassen. Wir haben keine Hektik gemacht. Es hat jeder sein Budget, es hat jeder seine Projekte und jeder ist erfolgreich am Markt. Deshalb gab es auch keinen Zwang kurzfristig große Erfolge vorzuweisen. Wir konnten stattdessen unsere Arbeit machen und beide Unternehmen zusammen wachsen lassen. Zum Beispiel konnten sich die Mitarbeiter in gemeinsamen Projekten und Schulungen kennen lernen.
VDI nachrichten: Dennoch scheint doch ein Konkurrenzkampf zwischen den Mitarbeitern mit gleichem Aufgabenfeld vorprogrammiert, zumal beide Unternehmen als Wälzlagerhersteller etabliert sind?
Geißinger: Im Produktportfolio gab es bei der Zusammenführung lediglich eine Überdeckung von etwa 10 %, die in wichtigen Märkten sogar noch eine deutlich Geringere ist. Die einzelnen Standorte ergänzen sich daher prima. Es entsteht somit kaum interne Konkurrenz.
VDI nachrichten: Wie war die Geschäftsentwicklung 2002 gegenüber dem Jahr der Übernahme, 2001?
Geißinger: 2002 war ein schwieriges Jahr. Dennoch sind wir gewachsen – und zwar sowohl INA als auch FAG. Damit zeigt sich, dass wir nicht gelähmt waren durch die Integration, sondern dass wir uns nach vorne orientiert haben und jeder seine Kundenprojekte durchgeführt hat. Die Integration war eigentlich Nebensache. Aber sie hat funktioniert. Das ist der beste Beweis dafür.
VDI nachrichten: Können Sie das bitte kurz in Zahlen ausdrücken?
Geißinger: Der Umsatz wuchs bei INA um 2,5 % auf jetzt 3,2 Mrd. I Umsatz. FAG legte um 1,6 % auf insgesamt 2,275 Mrd. I zu.
VDI nachrichten: Auf politischer Ebene wird derzeit heftig über notwendige Reformen gestritten. Was halten Sie davon?
Geißinger: Ich denke, wir brauchen dringend Reformen, weil wir ansonsten im internationalen Wettbewerb unsere Probleme haben werden. Egal welche Reformen wir machen, wir müssen unbedingt sehen, dass unsere Arbeitszeiten flexibler werden und wir bei den Lohnkosten sowie den Lohnnebenkosten zumindest an die internationalen Wettbewerber anknüpfen können. Dazu ist eine Sozialreform nötig, aber sicher auch eine Reform bei den Tarifen. Wenn wir jetzt nicht endlich konsequent handeln, statt immer nur zu diskutieren, sehe ich schwarz für den Standort Deutschland.
VDI nachrichten: Welche Rolle spielen für die INA-Gruppe Standardprodukte gegenüber Individuallösungen?
Geißinger: Wenn es Standardlösungen gibt, dann muss man nicht krampfhaft versuchen eine Sonderlösung einzusetzen. Das ist einfach eine Kostenfrage. Wenn Standard einer Anwendung gerecht wird, dann kommt auch Standard rein.
Wir haben dazu eine entsprechende Produktpalette, durch die wir sowohl Katalogprodukte als auch Individuallösungen anbieten können. Der Kunde bekommt dann genau die Lösung, die für ihn die Richtige ist.
VDI nachrichten: Wie setzen Sie sich bei Standardprodukten von den so genannten Billiganbietern ab?
Geißinger: Natürlich ist es bei diesen Produkten eine Frage der Konkurrenzfähigkeit und Kosten – also auch der Kostenführerschaft. Da tun wir einiges und haben deshalb unsere Fabriken in Osteuropa. So haben wir bei vielen Produkten auch die Kostenführerschaft. Da brauchen wir uns nicht zu verstecken.
Das Zweite ist: Auch Standardprodukte brauchen Engineering. Lassen Sie mich das am Beispiel X-life erklären. Hier handelt es sich um Produkte, die zwar ursprünglich Standard waren und jetzt durch konsequentes Engineering dem Kunden einen deutlichen Mehrwert verschaffen. Die X-life-Produkte weisen allesamt besondere Charakteristika hinsichtlich Bearbeitung, Materialien, Lebensdauer und Leistung auf. In Kombination mit umfassender Beratung und begleitendem Service hinsichtlich Berechnung, Schmiermittel und Dimension ergibt sich für den Kunden daraus ein Mehr an Sicherheit, Leistung und Wirtschaftlichkeit. Der Kunde kann ja auch ein Standardprodukt nehmen und es falsch einsetzen, wenn er nicht richtig gerechnet hat. Die Beratung, der Service, sind deshalb Merkmale, die wir uns ganz besonders auf die Fahnen schreiben.
VDI nachrichten: Wie sieht die Berechnungsunterstützung genau aus? Bekommt der Anwender dazu eine Software ausgehändigt? Übernehmen ihre Spezialisten die Berechnungsaufgaben?
Geißinger: Sowohl als auch – Software allein bringt ja noch nicht die Lösung. Da sind so viele Parameter zu berücksichtigen, so dass die persönliche Beratung besser auf Kundenvorstellungen und technische Anforderungen eingehen kann. Aber das Beratungsgespräch wird durch den Einsatz von Software im Vorfeld effizienter, weil der Anwender da bereits nach den wichtigsten Parametern gefragt wird. Die intensive Zusammenarbeit hilft uns natürlich auch die Zusammenarbeit langfristig für beide Seiten effizient zu gestalten.
VDI nachrichten: Können Sie bitte noch einmal auf die Entwicklung bei den kundenspezifischen Lösungen eingehen? Wie macht sich der Trend bei ihnen bemerkbar?
Geißinger: Bei Fahrzeugneuentwicklungen ist es bereits so, dass diese kaum noch ein Standardprodukt haben. Warum das so gemacht wird, ist klar – um ein besseres „Packaging“ zu bekommen und kostengünstigere Lösungen zu realisieren, auch in der Umgebungskonstruktion. Diese Tendenz wird sicher auch im Maschinenbau Einzug halten, gerade dann, wenn es teuer ist, die Umgebungskonstruktion an das Standardteil anzupassen, statt gleich die gesamte Funktionalität in ein Bauteil zu packen. So lässt sich zudem die ganze Maschinenkonstruktion vereinfachen.
VDI nachrichten: Nun sind aber in der Automobilindustrie die Stückzahlen deutlich größer. Lohnt es sich trotzdem für den Maschinenbau?
Geißinger: Am Ende muss es natürlich wirtschaftlich sein. In dieser Richtung haben wir für unseren Teil einiges getan. Wenn es sich also für den Kunden rechnet, wird er es deshalb tun. Es ist nur wichtig, dass man zumindest einmal die Lösungen gegenüberstellt. Dazu muss man gelegentlich im eigenen Haus auch einmal über seinen Schatten springen, weil die Konstrukteure ja schon vorgeprägt sind.
VDI nachrichten: Zuverlässige Prognosen für das laufende Jahr sind wohl schwierig. Wie verhalten Sie sich in dieser Zeit, gerade was z. B. Neuinvestitionen angeht?
Geißinger: Bei Entwicklung und Forschung wird mit Sicherheit nicht gestrichen. Wir können nicht auf der einen Seite ein neues Engineering-Zentrum einweihen, dafür viel Geld ausgeben und es dann leer stehen lassen. Das werden wir sicher nicht tun. Ansonsten bremsen wir natürlich schon, weil keiner weiß, wo es dieses Jahr hin läuft. Wir müssen also vorsichtig sein und tätigen nur Investitionen, die für laufende Projekte notwendig sind. Wir werden sicherlich extrem sparsam sein, bei Projekten die sich verschieben lassen..Unsere jährlichen Investitonen von rund 500 Mio. I zeigen jedoch, dass die
Erhaltung unserer Wettbewerbsfähigkeit für uns höchste Priorität hat
VDI nachrichten: Lässt sich der Anteil, den Sie für Forschung und Entwicklung vom Umsatz aufbringen, genauer beziffern?
Geißinger: Wir geben viel Geld dafür aus. Man muss aber sehen, dass vieles von unseren Mitarbeitern in die Entwicklung einfließt, was sich nicht genau beziffern lässt. Wenn sie dagegen den klar definierten Bereich der F+E-Ausgaben nehmen, fällt der Anteil wie bei vielen Unternehmen eher gering aus. Wenn wir dagegen sagen, wir sprechen von Produktentwicklungen im Sinne von Innovationen, dann ist die Zahl bei uns deutlich größer. An dieser Stelle bauen wir auch künftig weiter aus. Da werden wir weiterhin neue Mitarbeiter einstellen. Heute sind es bereits zwischen 2500 und 3000 Mitarbeiter im klassischen F+E-Bereich. Denn mit Innovationen sichern wir unsere Zukunft. M. CIUPEK

Von M. Ciupek

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