Management

Die Marktwirtschaft ist kein Spielcasino  

VDI nachrichten, Stuttgart, 12. 12. 08, rus – Bedroht die Finanzkrise die soziale Marktwirtschaft? Nein, meint Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, zumindest dann nicht, wenn die verantwortlichen Akteure die Maßstäbe des grundsoliden Wirtschaftens anwenden. Im folgenden Auszug aus einer Rede bewertet er die Vorgänge, zieht Konsequenzen und wagt einen Ausblick.

Nicht das Erstarken der Schwellenländer wie China und Indien bedroht derzeit die soziale Marktwirtschaft, sondern die globale Finanzkrise. Unsere Hoffnung, dass sich die Krise auf die USA beschränkt und die gesamte Welt mit einem blauen Auge davonkommt, hat sich nicht erfüllt.

Wir haben es mit einer Kapitalmarktkrise zu tun, deren Ursachen weit über rein finanzielle und wirtschaftliche Aspekte hinausgehen. Mit Ursachen, die teilweise in einem abwegigen Verständnis von Wirtschaften liegen und einem Verhalten, das viel zu sehr auf kurzfristige und übersteigerte Ziele ausgerichtet ist.

Wichtig ist, dass die Akteure in der Wirtschaft zu verantwortungsvollem Handeln kommen. Das ist keine Fundamentalkritik an der Marktwirtschaft an sich, sondern an denjenigen, die die Marktwirtschaft mit einem Spielcasino verwechseln.

Es ist an uns, den Unternehmern, den Politikern, den Bankern, das erforderliche Vertrauen durch ein gemeinsames weltweites Krisenmanagement und klare Strategien wieder zurückzugewinnen. Diese Verantwortung scheint vielen Akteuren jetzt bewusst zu werden – für mich ein Lichtblick in der augenblicklichen Situation.

Unterschied zu den 20er Jahren: Es besteht offensichtlich ein breiter Konsens, dass ein solch globales Problem wie der Einbruch der Finanzmärkte und seine Folgen nur gemeinsam gelöst werden kann. Das ist ein klarer Unterschied zur Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre, als die zentralen Fehler Untätigkeit und gegenseitige Abschottung waren.

Neues Vertrauen und Stabilität werden wir nur erlangen, wenn wir überall zu grundsolidem Wirtschaften zurückkehren – das ist meine tiefe Überzeugung.

Mich hat ein Satz unseres Unternehmensgründers Robert Bosch von Anfang an sehr beeindruckt und mein Berufsleben lang begleitet. Er lautet: „Lieber Geld verlieren als Vertrauen.“

Auch wenn sich die Märkte beruhigt haben, werden die Turbulenzen auf dem Bankenmarkt erhebliche Nachwirkungen haben und die Weltwirtschaft insgesamt vor große Herausforderungen stellen. Dies gilt auch für Bosch.

Für Bosch kann die Strategie deshalb nur lauten: Neben einem überlegten Krisenmanagement konsequent auf Innovationen setzen. Denn eine solche Strategie zahlt sich aus. Das haben wir in unserer Unternehmensgeschichte bereits mehrfach erfahren:

– Auf die Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre hat unser Unternehmensgründer Robert Bosch mit Diversifizierung geantwortet und neue Produkte außerhalb der Kraftfahrzeugtechnik – wie die erste elektrische Bohrmaschine – auf den Markt gebracht.

– Als Antwort auf die Ölkrise in den 70er Jahren haben wir das 3S-Programm aufgelegt und durch Innovationen wie die elektronische Benzineinspritzung oder das Antiblockiersystem ABS dazu beigetragen, die Fahrzeuge sicherer, sauberer und sparsamer zu machen.

– Auf die konjunkturellen Probleme Anfang der 90er Jahre haben wir auf Internationalisierung und auch auf neue Produkte wie die moderne Dieseleinspritztechnik sowie das Elektronische Stabilitäts-Programm gesetzt.

– In der jetzigen Situation gilt es, trotz eines erforderlichen vorsichtigen Wirtschaftens, weiterhin in zukunftsweisende Gebiete und gerade auch in Forschung und Entwicklung zu investieren. Ein wichtiger Fokus sind energieeffiziente und umweltschonende Lösungen. Dies gilt nicht nur für den Bereich Kraftfahrzeugtechnik, sondern für alle unsere Unternehmensbereiche. Das jüngste Beispiel ist der Einstieg in die Photovoltaik vor wenigen Monaten durch die Übernahme des Erfurter Unternehmens Ersol.

Es bieten sich damit interessante Perspektiven jenseits des aktuellen Konjunkturabschwungs. Dies gilt im Übrigen auch für viele andere deutsche Unternehmen.

Abkehr vom kurzfristigen Gewinn: Und so schwierig die Zeiten sind – wir erleben an den Finanzmärkten eine dringend erforderliche Bereinigung von Übertreibungen. Dazu gehört eine Abkehr von der ausschließlichen Ausrichtung auf kurzfristigen Gewinn zu Lasten einer nachhaltigen, langfristigen Strategie.

Wir alle müssen als Verantwortliche in der Wirtschaft darüber nachdenken, wie wir künftig unsere Geschäfte machen wollen:

– Das bedeutet eine Abkehr von überzogenen Renditevorstellungen. Häufig wurde in den vergangenen Jahren der elementare Zusammenhang zwischen hohen Renditen und hohen Risiken ausgeblendet.

– Das bedeutet aber auch, über die Anreizsysteme für Manager in den Banken, aber auch in der Industrie neu nachzudenken, die häufig eng an hohe kurzfristige Renditen gekoppelt sind und damit auch zu hohen Risiken verleiten.

– Zudem müssen wir nach den Erfahrungen mit Korruptionsskandalen und Steuerhinterziehung uns nicht nur in Deutschland wieder auf Tugenden wie Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Verantwortung besinnen. Führen heißt vor allem Vorbild sein. Die Erosion des Vertrauens in die Wirtschaft hat lange vor der Finanzkrise begonnen, mit der Folge, dass die Akzeptanz der Marktwirtschaft in Gefahr ist.

Bitte keinen Staatskapitalismus: Es ist positiv, dass derzeit die Regierungen und Notenbanken weltweit mit Nachdruck daran arbeiten, die Ausstrahleffekte der Schwierigkeiten des Finanzsektors zu begrenzen. Die dazu ergriffenen Maßnahmen, so unvermeidbar sie in der gegenwärtigen Lage sind, dürfen aber nicht zu einer neuen Form des Staatskapitalismus führen.

Die staatliche Stützung darf deshalb nur für einen Übergang erfolgen. Sobald sich die Turbulenzen legen, müssen dafür klare Strategien entwickelt werden. Daher begrüße ich die explizite Befristung des Fonds zur Finanzmarktstabilisierung ausdrücklich.

Doch eines müssen wir verhindern: die Notwendigkeit eines funktionierenden, international aktiven Bankensystems an sich in Frage zu stellen. Wir dürfen nicht glauben – trotz aller Bankenschelte – dass der Staat das Finanzgeschäft besser beherrscht.

Bei einer Neujustierung der Finanzmarktregeln müssen wir uns im Klaren sein: Wir brauchen die Märkte als Koordinationsmittel – zumal sich die Marktwirtschaft als die Wirtschaftsform erwiesen hat, die demokratische Freiheiten am besten gewährleistet.

Ich möchte nochmals unseren Firmengründer Robert Bosch zitieren. Er sagte: „Eine anständige Art der Geschäftsführung ist auf die Dauer das Einträglichste und die Geschäftswelt schätzt eine solche viel höher ein, als man glauben sollte.“

Anständig heißt dabei nicht nur, auf dem Boden der Legalität zu stehen. Anständig heißt für mich auch, verantwortlich zu handeln und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Denn Vertrauen ist das Fundament, um langfristig erfolgreich zu sein – und auch dies gilt weltweit. FRANZ FEHRENBACH

Franz Fehrenbach hielt anlässlich einer Veranstaltung der Oskar-Lapp-Stiftung den Vortrag „Infarktgefahr für unsere Gesellschaft – Indien und China erwachen – Kann die soziale Marktwirtschaft in Deutschland bestehen?“ Aus aktuellem Anlass ergänzte er die Rede um die oben auszugsweise wiedergegebenen Passagen.

Von Franz Fehrenbach

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