Personalmanagement

Die Machtverteilung in den Betrieben wird sich verändern

Mitarbeiter sind für viele Unternehmen zum wichtigsten Kapital geworden. Doch das möchte anders als eine Aktie behandelt werden. Ulrich Klotz von der IG Metall zeigt im folgenden Beitrag, wie die Zwänge der alten Fabrikkultur verschwinden.

Treffen aktuelle Prognosen zu, werden schon im nächsten Jahrzehnt vier Fünftel aller menschlichen Arbeiten aus dem Umgang mit Information bestehen. Kurz: Die Arbeit von immer mehr Menschen wird darin bestehen, Daten in Wissen zu verwandeln.
Bereits heute lebt fast jeder zweite Erwerbstätige in den hoch entwickelten Ländern von Tätigkeiten, deren Rohstoff, deren Werkzeuge und deren Resultate vorwiegend Informationen sind.
Für Daten und Informationen, für immaterielle Güter gelten andere ökonomische Regeln als für materielle Güter. Durch die fortschreitende Informatisierung verschwimmen grundlegende ökonomische Kategorien in Unschärfe, und manche Regel wird gar in ihr Gegenteil verkehrt.

Produktionsmittel gehören nicht mehr den Kapitalisten

Obgleich Geschäfte mit nichtgreifbaren Werten – Informationen und Dienstleistungen – inzwischen alles andere übertreffen, verfügt die traditionelle Wirtschaftslehre noch nicht einmal über Begriffe für die Ressourcen, auf denen der Wertschöpfungsprozess basiert, geschweige denn über brauchbare Modelle und Erklärungsansätze für diese Art von (Informations-)Ökonomie.
Die rapide wachsende Differenz zwischen Buch- und Börsenwert von Unternehmen der Informationswirtschaft zeigt, dass hier die Mitarbeiter – das so genannte Humankapital – das einzig wichtige Kapital sind. Rohstoffe, Maschinen, Energie, Grundbesitz und Realkapital, die gesamte Palette der traditionellen Produktions- und Wettbewerbsfaktoren verlieren an Bedeutung – und mit ihnen die ökonomischen Theorien, die sich hierauf gründen.
Humankapital unterscheidet sich vom Sachkapital unter anderem dadurch, dass sich an ihm kein Eigentum erwerben lässt. In der Informationsökonomie verändert sich deshalb das Machtverhältnis zwischen Mitarbeitern und Unternehmen. Denn das entscheidende Produktionsmittel gehört nicht mehr den Kapitalisten, sondern den Mitarbeitern: Es ist das Wissen in ihren Köpfen.
Mit Verbreitung der Informationstechnik bildet sich also eine Ökonomie heraus, die sich mehr auf die Produktion von Ideen gründet als ihre Vorgängerin, die auf die Herstellung von Objekten zu möglichst geringen Kosten ausgerichtet war. Damit wandeln sich auch die Aufgabe und der Aufbau von Organisationen.
Zum wichtigsten Wettbewerbsvorteil einer Organisation wird ihre Lernfähigkeit, das heißt die Fähigkeit, aus vorhandenem Wissen möglichst rasch neues Wissen zu erzeugen, also Ideen und Innovationen.
Innovationen erfordern aber ein radikal anderes Klima, als es die Management- und Unternehmensformen zu bieten vermögen, die vor rund 125 Jahren eingeführt wurden, um die Produktion von Waren effizient zu organisieren.
Ein Kennzeichen der Informationsökonomie ist die allmähliche Abkehr von der heute noch vorherrschenden Organisationsform – der funktionellen Hierarchie. Damit verschwindet auch eine der großen Demarkationslinien des Industriezeitalters: die scharfe Trennung zwischen Entscheidungsträger und Ausführer.
Wenn Menschen selbst über ihren Arbeitseinsatz bestimmen können, brauchen sie keine Aufpasser mehr. Wer nach Leistung bezahlt wird, sorgt schon selbst dafür, dass er seine Arbeitskraft optimal nutzt.
In der Informationsökonomie hängt Wachstum vor allem von effizienten Informationsflüssen zwischen Menschen ab. Die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen, ist für wirtschaftlichen Erfolg viel entscheidender als Technik oder Tarifvertrag. Deshalb werden die funktional und hierarchisch gegliederten Organisationen durch Netzwerke aus vielen kleineren Einheiten mit größerer Autonomie abgelöst. Diese Organisationsform ist lernfähiger, weil hier Kommunikation nicht so viele Barrieren – Abteilungsgrenzen und Hierarchieebenen – überwinden muss.
Das Unternehmen von morgen wird häufig nichts anderes sein als ein Kern von wenigen fest angestellten Mitarbeitern, die Fäden zu Lieferanten und externen Spezialisten knüpfen und diese zu einem Wertschöpfungsnetzwerk vereinen, um das gemeinsame Produkt herzustellen.
Industrieproduktion erfordert den Transport des Produktionsfaktors Mensch zu den Produktionsstätten. Computernetze hingegen bringen den Produktionsfaktor Information zu den Menschen.
Bei vielen Formen von Informationsarbeit wird der Zwang zum kasernierten Arbeiten aufgehoben: Arbeit bezeichnet dann wieder das, was man tut, nicht, wohin man geht.
Wie jeder Wandel, so hat auch diese Entwicklung Licht- und Schattenseiten: Gil Gordon, einer der Pioniere der Telearbeit, sagt es lakonisch kurz: „Die gute Nachricht: Die Leute können überall und jederzeit arbeiten. Die schlechte Nachricht: Die Leute können überall und jederzeit arbeiten.“
Wie lange es allerdings dauern wird, bis sich ortsunabhängige Arbeitsformen durchsetzen werden, ist heute weniger eine Frage der technischen Möglichkeiten als vielmehr eine Frage der durch die tayloristische Fabrikkultur geprägten Wertvorstellungen und Karrieremuster im Management.
Informationsarbeit setzt aufgeklärte Manager voraus, die einen Verzicht auf Anwesenheitspflichten nicht als Statusverlust empfinden und die einen Führungsstil praktizieren, in dem Anwesenheit nicht mehr mit Produktivität verwechselt wird.
Das Denken in der traditionellen Kategorie „Arbeitsplatz“ wird aufgegeben werden müssen. Es wird ersetzt durch ein Denken in Fähigkeiten, die Menschen in die Lage versetzen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Im „Globalen Dorf“ sind Arbeitslosigkeit und Sozialabbau weniger eine Folge des Strukturwandels als vielmehr eine Konsequenz unterlassenen Strukturwandels. Jetzt bedarf es eines mutigen Umbaus der Gesellschaft und nicht der ängstlichen Bewahrung eines Auslaufmodells.
Gewerkschaften können durch vielfältige soziale Brücken diesen Umbau aktiv fördern und so auch ihren eigenen Fortbestand sichern. Denn Organisationen, die sich darauf beschränken, mit immer neuen Kassandrarufen tatsächliche oder vermeintliche Fehlentwicklungen zu beschwören, laufen Gefahr, am Ende nur noch für diejenigen interessant zu sein, die von einer Weiterentwicklung der betrieblichen Prozesse keinerlei Vorteile zu erwarten haben.
Alle gesellschaftlichen Institutionen werden auf den Strukturwandel in der Gesellschaft mit ihren eigenen Strukturen antworten müssen – oder sie verlieren ihre Bedeutung. ULRICH KLOTZ

Von Ulrich Klotz

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