Management

„Die meisten Ideen stammen von unseren Kunden“  

VDI nachrichten, Königsberg, 5. 1. 07, ps – Die Fränkischen Rohrwerke sind der weltgrößte Hersteller von Wellrohren. Die Palette reicht von Benzinschläuchen, wo man Weltmarktführer ist, bis zu Regenwasserbewirtschaftungsanlagen. Seit kurzem ist Otto Kirchner alleiniger Geschäftsführer und Gesellschafter. Er wehrte damit einen Verkauf des Betriebes an einen Finanzinvestor ab. Fragen an den fränkischen Unternehmer.

Kirchner: Zuvor führte ich die Geschäfte paritätisch mit meinem Cousin. Doch in den letzten drei Jahren gingen unsere Vorstellungen von der strategischen Ausrichtung zunehmend auseinander. Allen Gesellschaftern wurde klar: Finden wir keine Einigung, muss eine Änderung kommen.

Eine Mehrheit plädierte schließlich dafür, das Unternehmen zu verkaufen, was aber nur möglich war, wenn alle ihre Zustimmung geben. Als der Verkauf spruchreif war, habe ich mitgeboten. Ich sah es als eine große Chance, denn ich habe noch reichlich Interesse, Lust, Kraft und Motivation.

$bild3$

Bei Wellrohren die Nummer eins weltweit: Die Fränkischen Rohrwerke wollen im Ausland weiter expandieren. Foto: Fränkische

VDI nachrichten: Damit verbunden war aber die Vorgabe, Ihre Geschwister, Cousins und Cousinen auszuzahlen. Schreckte das nicht ab?

Kirchner: Das war sicher nicht leicht und letztlich nur möglich, weil ich nicht alles fremd finanzieren musste. Wir hatten eine sehr erfolgreiche Tochterfirma in der Schweiz, die nicht eng mit dem Hauptwerk verbunden war. Sie ließ sich relativ leicht veräußern und brachte einen stattlichen Betrag.

VDI nachrichten: Es gab einen Mitbieter, dem Vernehmen nach ein ausländischer Finanzinvestor. Wer was es?

Kirchner: Das bleibt unter uns. Ich kann nur sagen, ich habe den besseren Preis geboten. Ich wurde nicht besser behandelt als der externe Bewerber, habe nicht weniger zahlen müssen. Das hatte ich auch nie verlangt. Ich besaß nur den Vorteil von mehr Informationen.

VDI nachrichten: Sie sind 53 Jahre alt. Warum tut man sich das an – statt einen Millionenbetrag zu nehmen und den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen?

Kirchner: Ich habe einfach die feste Überzeugung, dass diese Firma gut weiterzuentwickeln ist, dass wir hier sehr viel Potenzial haben. Ich glaube, dass eine sehr große Mehrheit der Belegschaft hinter mir steht, zur Person wie zu diesem Familienunternehmen. Wir haben wirklich eine sehr gute, sehr motivierte Mannschaft, die auch bereit ist, wieder etwas länger zu arbeiten. Nicht zuletzt sehe ich meine Verantwortung hier für den Ort wir sind mit Abstand der größte Arbeitgeber.

VDI nachrichten: Die Verkaufslust Ihrer Ex-Gesellschafter rührte nicht zuletzt daher, dass die Fränkische drei Jahre lang stagnierte¿

Kirchner: Das stimmt nicht. Die letzten drei Jahre waren vom Wachstum her sehr erfolgreich, leider nicht immer vom Ertrag. Aber wir wachsen das dritte Jahr zweistellig. Und wir waren auch immer in der Gewinnzone, wenn auch nicht im erhofften Maße. Erst 2006 hätte die Muttergesellschaft wohl Verluste eingefahren.

VDI nachrichten: Wegen der Baurezession in Deutschland?

Kirchner: Das vor allem. Denn das war mal ein sehr starker Markt für uns – mit einem Umsatzanteil von 80 %. Jetzt sind es nur noch gut 50 %, wobei die deutsche Bauwirtschaft heuer auch wieder etwas Aufwind hat. Aber das muss nicht unbedingt so weiter gehen. Wir sind vorsichtig geworden.

VDI nachrichten: Sie haben kurz nach der Übernahme eine Umstrukturierung angekündigt. Wohin geht die Reise?

Kirchner: Ich will die Fränkischen Rohrwerke stärker internationalisieren, zum kundenorientierten Dienstleister umkrempeln. Außerdem möchte ich den Geschäftsbereich Industrie ausbauen.

Wobei eine sanfte Umstrukturierung schon seit Jahren stattfindet – eben geschuldet der Rezession am deutschen Bau. Wir haben heute einen Teil unserer Baumärkte im Ausland, in einigen umliegenden Ländern ebenso wie in Nahost oder Südamerika. Auch unser Maschinengeschäft ist längst völlig international. Hier machen wir in Deutschland ganz bewusst kein Geschäft, um nicht unsere Technologie noch vor der Haustür zu verbreiten.

VDI nachrichten: Heißt Internationalisierung vor allem Export?

Kirchner: Damit fing es an. In den letzten vier Jahren haben wir aber auch drei Auslandswerke für unser Industriegeschäft aufgebaut, speziell im Automobil-Zulieferbereich. Hier produzieren wir Spritzwasserschläuche, Benzinpumpenschläuche und weitere hochwertige Spezialprodukte mit niedrigen Toleranzen.

Diesen Bereich haben wir in den letzten Jahren umsatzmäßig verfünffacht. Er bringt heute 60 Mio. € im Jahr. Wir sind also in schwierigen Segmenten nicht mit dem Markt geschrumpft, sondern setzen auf neue Märkte, neue Produkte, neue Geschäftsfelder.

VDI nachrichten: Planen Sie weitere Investitionen im Ausland?

Kirchner: Ja, es wird weitere Werke geben, vielleicht nicht 2007 aber ab 2008. Wir wollen in Ländern wie Indien weiter Fuß fassen. Unsere Kunden Bosch und Siemens VDO sind hier schon vor Ort. Indien ist ein unglaublich wachsender Markt für Straßenfahrzeuge fast aller Art. Wir gehen aber auch in anderen Geschäftsfeldern aus Deutschland raus, orientieren uns beim Bau gen Osten. Anderes muss noch reifen, etwa eine Lohnfertigung in Mexiko.

VDI nachrichten: Wo liegen sonst Zukunftsmärkte für Wellrohre?

Kirchner: So pauschal kann man das nicht sagen. Man muss es Produktfeld für Produktfeld analysieren. Beim Bau sind Bulgarien und Rumänien lohnend, auch Russland. Ein anderes Feld, das andere Regionen betrifft, ist die Regenwasserbewirtschaftung. Hierfür verkaufen wir jetzt extrem voluminöse Produkte bis England. Obwohl allein der Transport 30 % der Kosten ausmacht, sind sie überaus gefragt. Solche Nischen wollen wir noch stärker bedienen. Dabei nutzt es uns, dass wir sehr breit aufgestellt sind.

VDI nachrichten: Auch in China haben Sie nun ein eigenes Werk.

Kirchner: Ja, bei Shanghai. Siemens VDO ist schon dort und hatte uns mit sanftem Druck aufgefordert, ebenfalls zu investieren. Sonst hätten wir global nicht der Partner sein können.

VDI nachrichten: Aber das Herz des Konzerns schlägt auch künftig im kleinen beschaulichen Königsberg?

Kirchner: Hier halten wir weiter die komplette Vertriebsorganisation, die komplette Entwicklungsabteilung vor. Aber auch da wird sich etwas ändern müssen. Wenn unsere Auslandsmärkte wachsen, brauchen wir dort bald auch schnelle Eingreiftruppen, die zügig vor Ort kunden- oder länderspezifische Lösungen finden. Im Moment sind es alles noch Produktionsstandorte, die mit der Zeit eigenständige Strukturen entwickeln müssen.

$bild2$Otto Kirchner
Der 53-jährige Diplom-Ingenieur und Enkel des gleichnamigen Firmengründers führt das Unternehmen seit 1991. Bevor er am 1. September die alleinige Leitung übernahm, teilte er sich die Verantwortung mit seinem Cousin Helmut Kirchner (59). Ehrgeiz und Mut, das ertragseitig etwas festgefahrene Unternehmensschiff wieder flott zu bekommen, erwarb er sich vor allem als leidenschaftlicher Sportler: Fußball – bis zur bayrischen Landesliga – und Tennis.

Heute geht er, wenn es die Zeit erlaubt, auf die Jagd. Er sitzt im Stadtrat von Königsberg und im Präsidium der IHK Mainfranken, ist Mitglied bei den Schützen und im Tennisclub sowie im Brauhausverein des Ortes. Kirchner ist verheiratet und Vater zweier Kinder (15 und 14). Er hofft, dass sie den Konzern einmal in vierter Generation weiterführen. lac

VDI nachrichten: Auch 2005 gehörten die Rohrwerke wieder zu den innovativsten Firmen der Republik: Sie erhielten das Gütesiegel TOP 100, speziell für Ihr Innovationsmanagement. Wie sichert man dies stets aufs Neue?

Kirchner: Wir waren halt schon immer sehr innovativ. Wir kreierten in Deutschland nach dem Krieg das erste Metall-Wellrohr für Elektroinstallationen, später das erste PVC-Wellrohr weltweit. Wir galten stets als Wegbereiter für neue Anwendungen, sind so unseren Nachahmern ständig einen Schritt voraus. Damit wurden wir auch der größte Wellrohrhersteller der Welt. Wir fertigen über 2 Mio. Meter Rohr pro Tag. Und in einigen Bereichen, etwa Kraftstoffschläuchen, sind wir auch Weltmarktführer.

VDI nachrichten: Woher kommen die Ideen? Unterhalten Sie Denklabors?

Kirchner: Nein, aber Kunden, die stets mit ihren Problemen zu uns kommen, weil sie wissen, uns fällt schon etwas ein. Die meisten Ideen stammen also von ihnen. Das heißt, wir versuchen, ihnen ihr Anliegen von den Augen abzulesen.

VDI nachrichten: Für Schlagzeilen sorgt seit Wochen ein Tarifstreit zwischen Ihnen, dem Betriebsrat und der IG Metall. Es geht um längere Arbeitszeiten. Sie sind deswegen sogar aus dem Unternehmerverband ausgetreten …

Kirchner: Ich hatte nicht erwartet, dass sich die Sache so hinzieht. Ursprünglich avisierten wir die Rückkehr von 35 zu 40 Stunden. Nun läuft es hoffentlich auf 38,5 Stunden wöchentlich für die nächsten vier Jahre hinaus – plus Lohnerhöhungen. Die Mehrheit der Belegschaft weiß ich dabei hinter mir.

VDI nachrichten: Wagen Sie bitte eine Prognose: Wo sollen die Fränkischen Rohrwerke in fünf Jahren stehen?

Kirchner: Ich gehe davon aus, dass wir jährlich um 7 % bis 10 % wachsen, den Umsatz um gut ein Drittel auf 500 Mio. € steigern sowie zwei bis drei neue Auslandsstandorte eröffnen. Damit würden wir unseren Auslandsanteil von 35 % auf annähernd 50 % erhöhen können. Daran werde ich arbeiten. HARALD LACHMANN

Das Unternehmen

– Die Familienfirma entstand 1906 als Fränkische Isolierrohr- und Metallwaren-Werke in Schweinfurt. – Das Unternehmen entwickelt und fertigt Wellrohre, Rohrsysteme und Wellrohr-Produktionsanlagen. Die Fränkischen stellen u. a. hoch komplexe Entwässerungs- sowie Elektroinstallationssysteme für Hoch-, Tief- und Straßenbau, Wellrohre für die Heizungs- und Trinkwasserverrohrung in der Haustechnik sowie Kabelschutz- und Fluidleitungen für die Autoindustrie her. – Der Konzern beschäftigt weltweit 1600 Mitarbeiter an vier deutschen Standorten (Königsberg, Hofheim, Bückeburg und Schwarzheide) sowie in eigenen Werken in Tschechien, den USA, Großbritannien und China. – Eine Schweizer Tochterfirma wurde im Zuge der Neustrukturierung verkauft. Mit ihr betrug der Umsatz 2005 rund 300 Mio. €, ohne sie etwa 260 Mio. €. – Das Unternehmen, das am Stammsitz im mainfränkischen Königsberg rund 900 Leute beschäftigt, erlöst derzeit rund 35 % des Umsatzes im Export.lac

Von Harald Lachmann

Stellenangebote im Bereich Technische Leitung

Stadt GÖTTINGEN-Firmenlogo
Stadt GÖTTINGEN Stadträtin / Stadtrat Göttingen
Stadt Langenfeld-Firmenlogo
Stadt Langenfeld Referatsleitung Umwelt, Verkehr, Tiefbau (m/w/d) Langenfeld
Stahlwerk Annahütte Max Aicher GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Stahlwerk Annahütte Max Aicher GmbH & Co. KG Ingenieur (m/w/d) als Fertigungsleiter Ainring
Ludwig Meister GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Ludwig Meister GmbH & Co. KG Technischer Leiter (m/w/d) Fluidtechnik Dachau
über ifp l Personalberatung Managementdiagnostik-Firmenlogo
über ifp l Personalberatung Managementdiagnostik Geschäftsführer (m/w/d) Nordrhein-Westfalen
KÖNIGSTEINER AGENTUR GmbH-Firmenlogo
KÖNIGSTEINER AGENTUR GmbH Ingenieur (m/w/d) als Bereichsleitung Technisches Objektmanagement / Immobilien Nordrhein-Westfalen
swa Netze GmbH-Firmenlogo
swa Netze GmbH Stellvertretender Teamleiter (m/w/d) Anlagenbetreuung Gas / Wasser / Fernwärme Augsburg
Giesecke+Devrient Currency Technology GmbH-Firmenlogo
Giesecke+Devrient Currency Technology GmbH Leiter Service Support (m/w/d) München
über ifp l Personalberatung Managementdiagnostik-Firmenlogo
über ifp l Personalberatung Managementdiagnostik Geschäftsführer (m/w/d) München
Stadtwerke Augsburg Holding GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke Augsburg Holding GmbH Stellvertretender Teamleiter Anlagenbetreuung Gas / Wasser / Fernwärme (m/w/d) Augsburg

Alle Technische Leitung Jobs

Top 5 Führung