Management

Die „höhere Weisheit“ der Topmanager  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 27. 4. 07, ws – Die Affären im Hause Siemens haben Köpfe rollen lassen. Nach Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hat auch der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld seinen Hut genommen. Aber ist die Frage nach der „richtigen“ Person tatsächlich die Wurzel allen Übels? Die VDI nachrichten fragten zwei renommierte Wirtschaftswissenschaftler.

Mit dem Rücktritt des Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer und dem Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld hat der Machtkampf innerhalb der Konzernspitze zwei prominente Opfer hinterlassen. Was nicht heißen muss, dass das Elektronikunternehmen dadurch in ruhigeres Fahrwasser gerät.

Kleinfeld begründete seinen Rückzug mit den Diskussionen über seine Vertragsverlängerung: „In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit für seine Führung. Daher habe ich mich entschlossen, für die Verlängerung meines Vertrages nicht mehr zur Verfügung zu stehen“, erklärte er.

Siemens habe große wirtschaftliche Erfolge vorzuweisen und befinde sich inmitten tiefgreifender Korruptionsermittlungen. „Das Unternehmen muss uneingeschränkt handlungsfähig bleiben“, fügte er hinzu. Kleinfeld stehe noch bis Ende September zur Verfügung, erklärte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.

Ist mit dem Ausscheiden der beiden Top-Manager tatsächlich ein „sauberer“ Schnitt vollzogen? Zwei namhafte Wirtschaftswissenschaftler bezweifeln das. Heinz-Josef Bontrup von der FH Gelsenkirchen glaubt, dass mit dem neuen Aufsichtsratschef keine seriöse Lösung gewählt wurde. „Gerhard Cromme ist gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender bei ThyssenKrupp. Da ergeben sich in vielen Märkten Interessenkonflikte. Wie kann ein Mann in beiden Aufsichtsräten den Vorsitz haben? Das kann ich nicht nachvollziehen.“

Siemens sei aber nur ein Fall, der Bedenken hervorruft. Bontrup stellt das Aufsichtsratssystem generell in Frage: „Wie werden eigentlich die Aufsichtsräte personell besetzt? In der Praxis ist es so, dass Unternehmensvorstände in befreundeten Unternehmen im Aufsichtsrat sitzen. Da tut der eine dem anderen nicht weh.“

Das System gegenseitigen Hofierens sei zudem hochgradig lukrativ. „TUI-Chef Michael Frenzel, Vorsitzender eines angeschlagenen Konzerns, und – so sollte man meinen – damit allein schon gut beschäftigt, sitzt in nicht weniger als acht Aufsichtsräten. Wie machen die Leute das? Allein zeitlich ist das auf seriöse Art und Weise gar nicht möglich.“

Einen weiteren Nachteil sieht Bontrup im Aufrücken ehemaliger Vorstände in den Aufsichtsrat. „Es entstehen Konflikte mit Leuten, die man gut kennt, da lässt man Fünfe auch schon mal gerade sein. Das sind menschliche Züge, die allerdings in dieser Position völlig deplatziert sind.“

Die Lösung könne nur lauten, den Aufsichtsratsvorsitz mit einer externen, unbefangenen Person zu besetzen. „Das Montanmitbestimmungsgesetz bietet hier eine gute Grundlage, ,Interessenklüngel“ zu vermeiden: Bei der paritätischen Mitbestimmung von Arbeit und Kapital ist im Falle der Pattsituation eine neutrale Person, die eine nachgewiesene Distanz zum Unternehmen hat, ausschlaggebend. Das diszipliniert beide Seiten. Dieses Gesetz ist ein Zukunftsmodell.“

Bei diesem personellen Ansatz möchte es der St. Gallener Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann nicht bewenden lassen. Angesichts von Schmiergeldzahlungen und schwarzen Kassen erhöhe sich der öffentliche Druck auf die Unternehmen, integer zu handeln. „Verantwortungsvolle und weitsichtige Unternehmen, die sowohl unter Legitimations- wie unter Wettbewerbsdruck stehen, dürften darum früher oder später selbst nach einer globalen Rahmenordnung rufen – auf dass der Verantwortungsvolle nicht der Dumme ist.“

Laut Thielemann hat das Anwachsen von Korruptionsfällen hauptsächlich zwei Ursachen, eine liege in der „neuen Radikalität des Managements“: „Wenn die Anreiz- und Sanktionssysteme im Unternehmen radikal auf Gewinnmaximierung umgestellt sind, sind Verfehlungen, wie wir sie etwa bei Siemens finden, beinahe vorprogrammiert, und zwar selbst dann, wenn die Konzernspitze ein solches Verhalten gar nicht billigt.“

Die Unternehmensleitung bemerke nicht, so Thielemann, dass sie die Verantwortung für ein ethisch einwandfreies Verhalten auf die Beschäftigten abwälzt, die dann in das Dilemma gerieten, „entweder die Dummen zu sein und zusehen zu müssen, wie andere groß absahnen, oder selbst zu fragwürdigen Mitteln zu greifen“.

Mögliche Schmiergeldzahlungen an die Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger (AUB) und deren Begünstigung könnten hingegen nur auf Betreiben der obersten Geschäftsleitung oder von Kapitalvertretern im Aufsichtsrat ausgegangen sein. Tiefere Hierarchiestufen bei Siemens hätten an einem solchen Vorgehen kein unmittelbares Interesse.

Vorschub leiste das „Amigosystem“, in dem eine Hand die andere wäscht. „Es sind die ,Freunde“, die sich gegenseitig helfen, teilweise eine gewissen Binnenmoral pflegen und die glauben, was sie anpacken, sei stets durch eine höhere Weisheit gerechtfertigt. Sie fühlen sich eher elitären Zirkeln verpflichtet als der breiten Öffentlichkeit.“

Die Mitgliedschaft von Siemens bei Transparency International, einer Organisation mit Sitz in Berlin, die sich der Korruptionsbekämpfung widmet, hält Thielemann nicht für ein Lippenbekenntnis oder für einen Versuch, sich reinzuwaschen. „Wenn das Kind – aus welchen Gründen auch immer – gleichwohl in den Brunnen fällt, kann man ethische Glaubwürdigkeit nur dann zurückgewinnen, wenn man schonungslos nach den Ursachen des Übels fragt und bereit ist, dieses von Grund auf zu beseitigen.“ WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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