Management

„Die Firmen werden an der langen Leine geführt“  

Immer mehr chinesische Unternehmen kaufen deutsche Firmen. Vor allem Maschinenbauer sind beliebte Ziele, weiß Jürgen Heilbock, Partner der Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing. Der Jurist hat in den vergangenen vier Jahren zahlreiche chinesische Unternehmen bei Akquisitionen in Deutschland beraten.

Heilbock: Solche Befürchtungen sind völlig überzogen. In den Fällen, die ich überblicken kann, hat es das nicht gegeben. Im Gegenteil: Viele der Unternehmen, die von Chinesen übernommen wurden, stehen heute viel besser da als vor dem Verkauf. Sie sind noch profitabler geworden und haben zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Firma Waldrich in Coburg, die vor drei Jahren von Beijing No. 1 gekauft wurde.

VDI nachrichten: Aber Sie werden nicht bestreiten, dass die Chinesen vor allem an deutscher Technik interessiert sind?

Heilbock: Natürlich geht es um Knowhow. Aber wichtig ist auch die Marke. Nehmen wir nochmal den Fall Waldrich Coburg. Da wollte der Käufer den Mercedes der Branche haben. Die Chinesen, die selbst vor allem den asiatischen Markt beliefern, waren an einem Flaggschiff interessiert. Es ging darum, Anreize zu setzen für die eigenen Ingenieure. Man will sich an der Weltspitze messen¿

VDI nachrichten: ¿und den Markt komplett beliefern.

Heilbock: Genau, man möchte auch das Topsegment abdecken. Die Käufer sagen sich, unsere Kunden werden immer anspruchsvoller, darauf müssen wir uns einstellen. Hintergrund ist natürlich auch, dass die Margen bei Hightech meist höher sind als bei Standardprodukten. Oben lebt es sich besser. Diese Erkenntnis setzt sich auch in China durch.

VDI nachrichten: Wie sieht der Technologietransfer konkret aus?

Heilbock: Im F&E-Bereich gibt es einen gewissen Austausch. Es kommen regelmäßig chinesische Ingenieure zu Arbeitsbesuchen. Die deutsche Tochter wird für die Fortbildung der eigenen Leute genutzt. Auf diese Weise sollen die Eigenentwicklungen in China verbessert werden.

VDI nachrichten: Helfen Sie Ihren chinesischen Mandanten bei der Suche nach Übernahmekandidaten?

Heilbock: Nein, für die Chinesen sind persönliche Beziehungen ganz entscheidend. Sie würden von einem Berater, selbst wenn sie ihn dafür bezahlt haben, nur ungern eine Kaufempfehlung annehmen¿

VDI nachrichten: ¿das heißt, Käufer und Verkäufer kennen sich bereits.

Heilbock: Ja, in aller Regel gibt es bereits einen Kontakt, sei es, dass man in einem Joint Venture zusammenarbeitet oder eine Lieferantenbeziehung besteht oder man sich auf einer Messe näher kennen gelernt hat.

VDI nachrichten: Was sind das für Unternehmen, die in Deutschland nach Übernahmekandidaten suchen?

Heilbock: Es sind bislang vor allem größere Maschinenbauer mit mehreren tausend Mitarbeitern und Milliardenumsatz. Bestimmender Gesellschafter ist fast immer eine lokale Gebietskörperschaft, eine Gemeinde, eine Stadt oder Provinz. In der Regel stammen die Unternehmen aus Nordostchina, wo die Old Economy zuhause ist.

VDI nachrichten: Wie profitabel sind die Käufer?

Heilbock: Das sind meist renditestarke Firmen, zumindest schreiben sie eine schwarze Null. Und die Chinesen suchen auch in Deutschland nur erfolgreiche Unternehmen, keine Sanierungsfälle. Da traut man sich nicht ran.

VDI nachrichten: Wie sehen die Kaufverträge aus? Werden da Sozialklauseln vereinbart, also etwa Kündigungsschutz oder der Erhalt von Standorten?

Heilbock: Nein, das ist völlig unbekannt. Letztlich zählt für den Verkäufer nur der Preis, den er erzielen kann.

VDI nachrichten: Hohe Preise schrecken die Chinesen nicht?

Heilbock: Kein Chinese möchte mehr bezahlen als nötig. Beim Preis wird deshalb ziemlich heftig verhandelt. Aber es hängt natürlich auch davon ab, wie wichtig den Chinesen ein bestimmtes Unternehmen ist. Wenn es für sie große strategische Bedeutung besitzt, sind sie bereit, tief in die Tasche zu greifen. Ich war da mehrfach überrascht.

VDI nachrichten: Wie wird der Kaufpreis finanziert?

Heilbock: In aller Regel aus eigenen Mitteln. Viele Unternehmen verfügen über die notwendige Liquidität. Banken werden selten zur Finanzierung herangezogen. Ein kleines Problem ist die Devisenbewirtschaftung. Bis alle Genehmigungen erteilt sind, vergehen oft sechs bis acht Wochen. Jetzt kurz vor den Olympischen Spielen dauert es sogar noch länger. Rund drei Monate muss man schon rechnen, bis das Geld dann auch fließt.

VDI nachrichten: Wie geht es nach der Übernahme weiter?

Heilbock: Der Käufer setzt einen weiteren chinesischen Geschäftsführer ein. Der spricht zumindest Englisch, hat in der Regel einige Jahre in Europa gearbeitet¿

VDI nachrichten: ¿und hat künftig das Sagen?

Heilbock: Nein, er ist nur einer von mehreren Geschäftsführern. Die übernommenen Firmen werden an der langen Leine geführt. Der Katalog der zustimmungspflichtigen Geschäfte, der vom chinesischen Aufsichtsgremium abgesegnet werden muss, ist nicht sehr lang. Im Prinzip soll erstmal alles beim Alten bleiben – von den Kundenbeziehungen bis zur Hausbank.

VDI nachrichten: Gibt es für die übernommenen deutschen Firmen nicht ein Imageproblem, wenn sie plötzlich zu einem chinesischen Konzern gehören? Wie reagieren die Kunden darauf?

Heilbock: Natürlich kann es da zu Rückfragen kommen. Aber das legt sich sehr bald, wenn die Kunden merken, dass sich an der Geschäftspolitik nichts ändert nach der Übernahme. Im Übrigen verkaufen die deutschen Maschinenbauer ja ohnehin den Großteil der Produktion ins Ausland, einen wachsenden Anteil auch nach Asien.

VDI nachrichten: Aber deutschen Verkäufern scheint der Deal bisweilen peinlich zu sein. KSL-Kuttler etwa, die gerade von Suntech gekauft wurden, geht reichlich verschämt mit dem Thema um. Dass es sich bei Suntech um ein chinesisches Unternehmen handelt, erfährt man auf der Webseite gar nicht¿

Heilbock: Das mag im Einzelfall so sein, aber normalerweise spielen die Unternehmen mit offenen Karten.

VDI nachrichten: Wird es künftig noch mehr Deals mit chinesischen Käufern geben?

Heilbock: Ja, das ist sehr wahrscheinlich. Das Interesse wächst. Und es wird auch größere Transaktionen geben. Im Moment sind wir beim Kaufpreis schon an der 100 Mio. Euro-Schwelle.

VDI nachrichten: Mehr Deals auch außerhalb des Maschinenbaus?

Heilbock: Auch die Automobilzulieferer sind seit einiger Zeit im Visier der Chinesen. Viele Scouts waren schon in Europa unterwegs. Momentan hält man sich aber noch zurück. Man fürchtet wohl, dass es bei Übernahmen zu Problemen mit den Automobilherstellern käme. Aber auch in diesem Sektor wird es bald Käufe geben.

Sehr interessant ist für die Chinesen auch die Finanzindustrie. Übernahmen von deutschen Banken, vermutlich zunächst kleineren Instituten, halte ich für sehr wahrscheinlich.

PETER SCHWARZ

  • Peter Schwarz

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