Personalmanagement

Die Familie: gebilligt, geduldet und plötzlich geliebt  

Im vergangenen Jahr ermöglichten 73 % der Unternehmen individuelle Arbeitszeiten und gut 67 % flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten. Das hat jüngst die Befragung von 1128 Unternehmen ergeben, durchgeführt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), im Auftrag des Bundesfamilienministeriums.

Es begann vor knapp zwanzig Jahren, als BMW nach Wackersdorf kam. „Das Werk zog scharenweise Fachleute aus der Region an“, erzählt Sandra Schönberger. „Da mussten wir uns hier in Schwarzach etwas einfallen lassen, um unsere Leute zu halten.“ Der Trumpf der Schwestern Sandra und Andrea Schönberger, Geschäftsführerinnen der Anton Schönberger Stahlbau und Metalltechnik, heißt frauen- und familiengerechte Personalpolitik. „Sie funktionierte“, freut sich Schönberger. „Heute liegt der Krankheitsstand bei nur 1,8 % und seit Jahren haben wir null Fluktuation.“

Philanthropie zahlt sich aus. „Familienfreundlichkeit schafft eine typische Win-win-Situation“, kommentiert die 32-jährige Nina Mrugalla ihr anhaltendes Motivationshoch, obwohl sie neben ihrem Job als Leiterin der Personalentwicklung bei Phoenix Contact noch zwei Kleinkinder versorgen muss. Denn der Global Player aus Blomberg sorgt sich mit vielfältigen Angeboten um Gesundheit und Familie seiner Mitarbeiter. „Das ist wie ein Pakt, der beide Seite anspornt, ihr Bestes zu geben.“

Solche Erfolgsdeals nutzen mittlerweile die meisten Unternehmen in Deutschland: Im letzten Jahr ermöglichten 73 % der Firmen individuelle Arbeitszeiten (65 % im Jahr 2003) und gut 67 % flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten (58 % im Jahr 2003) über die Hälfte setzt auf Vertrauensarbeitszeiten, ein Drittel auf Arbeitszeitkonten, die über ein Jahr oder die gesamte Lebensarbeitszeit laufen. Das zeigt die jüngste Befragung von 1128 Unternehmen, durchgeführt vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums.

Bunt ist die Palette der Inspirationen, mit der Unternehmen ihren Beschäftigten die Alltagsmühen zwischen Windeln, Wäsche, Job oder Krankenpflege glätten. Und voller Pragmatismus. So erledigt etwa das Personalbüro von Schönberger im Notfall die Einkäufe gestresster Mitarbeiter, die ihre Kinder bei Betreuungsengpass auch kurzerhand mitbringen dürfen. Zwar stellen erst 3,5 % der vom Kölner IW befragten Betriebe eigene Krippen, Kindergärten oder Belegplätze bereit 27 % aber unterstützen Eltern beispielsweise durch einen Tagesmutterservice.

Bereits die Hälfte der Betriebe billigt spontane Auszeiten von Mitarbeitern, deren Kinder krank sind. Und wenn Vater oder Mutter Elternzeit nehmen, lassen die Firmen den Draht nicht abreißen: Jedes sechste Unternehmen bietet „Patenschaften“ und Weiterbildungsprogramme, die Auszeitler auf dem Laufenden halten. Und parallel zu den sinkenden Telefon- und Internetgebühren steigt die Kontaktbrücke Telearbeit (19 %).

Bloß keine Fachkraft verlieren, heißt die Devise, besonders im technischen Bereich. Denn seit 2004 entscheiden sich Jahr für Jahr noch weniger Studienanfänger für Ingenieurwissenschaften. Also zeigen 83 % der Unternehmen ein Herz für Familie, um qualifizierte Mitarbeiter zu halten oder zu gewinnen, 81 %, um die Arbeitszufriedenheit und Produktivität zu erhöhen.

„Kinderbetten statt Inserate“, lacht Andrea Mathä Bohlmann. Als die Personalmanagerin für ihren Arbeitgeber Rasselstein in Andernach – eine ThyssenKrupp-Tochter – händeringend Fachkräfte suchte, rechnete sie die Kosten für Suche, Einstellung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter gegen beschäftigtengerechte Konditionen auf. Ihr Fazit: Familienfreundlichkeit zahlt sich aus. Also setzte sie bei Rasselstein ihre Einsicht um.

Aus Kriseninterventionen einzelner Unternehmen ist ein mächtiger Trend geworden, beflügelt durch eine zunehmende Zahl ausgelobter Preise, Audits, Awards. Phoenix Contact beispielsweise wurde letztes Jahr mit dem Top Job Award ausgezeichnet. Und Schönberger erhielt unter vielen Auszeichnungen auch das Zertifikat „Deutschlands familienfreundlichstes Unternehmen“ in der Kategorie unter 50 Mitarbeiter. Ein Ausweis des Erfolgs, wie die Null-Fluktuation des Unternehmens beweist.

Während die jahrelang von Arbeitnehmern eingeforderte Mobilität Gehör findet, versuchen nun die Unternehmen, sich Festungen mit standort-treuen Mitarbeitern zu bauen. Denn ausgerechnet im Zeitalter der Globalisierung kann Mobilität zum ungeliebten Bumerang werden, wie der europäische Osten beweist: Investoren wie die deutsche Continental kämpfen in Rumänien um Arbeitskräfte, derweil die Karawane der Arbeitsnomaden den besten Bedingungen nachzieht. Von 21 Mio. Rumänen sollen 2 Mio. ihr Glück im Westen suchen.

Folgerichtig entdeckt auch der Osten die Segnungen familienfreundlicher Arbeitsbedingungen – und den Charme familiärer Betriebswärme. Jedenfalls wetteifern polnische Autozulieferer genauso wie ihre schwäbischen Konkurrenten in Rumänien um optimale Arbeitsgestaltung und ein trautes Ambiente. Ein besonderer Anreiz für Frauen, wie man hofft. Denn sie sind als Qualifizierten-Reservoir besonders gefragt. Doch die neue Familienfreundlichkeit der Wirtschaft verspricht mehr. Sie könnte tatsächlich auf Dauer für die Frauen mehr leisten, als kurzfristige Entlastung. Denn nun sind auch Väter Teil der Strategie. Ähnlich wie die gesetzlich verankerte Elternzeit, fördert bereits jedes zehnte Unternehmen gezielt den neuen, aktiven Vater. RUTH KUNTZ-BRUNNER

www.iwkoeln.de

www.erfolgsfaktor-familie.de

www.schoenberger-web.de

www.phoenixcontact.de

www.rasselstein.com

Immer bessere Arbeitsbedingungen für Eltern

Von Ruth Kuntz-Brunner

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