Personalmanagement

Die Erfahrung zählt doppelt

Er stellt gezielt ältere Ingenieure ein – und ist mit seinem Modell erfolgreich.

Was ein guter Einfall alles bewirken kann! Vor gut einem Jahr suchte die Fahrion Engineering GmbH nach geeigneten Ingenieuren für die anstehenden Aufgaben – vergeblich. Erst eine zweite Anzeige, mit der gezielt ältere Ingenieure ab 45 angesprochen wurden, brachte den Erfolg. „Plötzlich ging das Maul der Schleuse auf“, beschreibt Firmenchef Otmar Fahrion in unverwechselbar schwäbischem Idiom den einsetzenden nachhaltigen Effekt. Ganz schnell, innerhalb weniger Wochen, gingen über 300 Bewerbungen ein. Bis heute sind es ungefähr 500 und ein Ende ist nicht in Sicht.

Dass Fahrion mit seiner Initiative wirklich einen wunden Punkt getroffen hat, beweist auch das immer weitere Kreise ziehende Medieninteresse. Zum vorläufigen Höhepunkt kam es Anfang dieser Woche, als das Erste Japanische Fernsehen einen längeren Filmbericht in Kornwestheim drehte. „In Japan gibt es ja ähnliche Probleme mit älteren Arbeitslosen. Das wird dort jedoch noch stärker als soziale Katastrophe wahrgenommen, weil älteren Menschen in viel größerem Maße Achtung entgegengebracht wird als bei uns“, hat Otmar Fahrion in den Vorgesprächen erfahren. Wie allen anderen hat Fahrion den japanischen Journalisten mit Geduld und nicht nachlassendem Engagement erklärt: „Es ist ein Fehler, wenn sich jemand vorstellt, wir würden aus rein humanitären Gründen handeln. Als kleiner Betrieb können wir letztendlich nur nach betriebswirtschaftlichen Kriterien entscheiden, wenn wir jetzt verstärkt erfahrene Ingenieure einstellen“, konstatiert Fahrion nüchtern. Nach einer Frist von etwa drei Monaten sind die gestandenen Ingenieure nämlich in der Lage, wichtige Projekte in Eigenregie zu übernehmen. Hinzu kommt, dass ein neu eingestellter Mitfünfziger sehr wahrscheinlich nicht noch einmal wechseln wird – sämtliche Investitionen in die Weiterbildung sich also voll amortisieren.

Und die Rechnung geht auf. Wie in einer erfolgreichen Fußballmannschaft stimmt die Mischung zwischen Jung und Alt in der rund 100 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen starken Belegschaft. „Diese Kombination ist eine wunderbare Sache und hat sich wirklich bewährt. Während die jungen Leute vielleicht besser mit der modernen Kommunikationstechnik vertraut sind, bringen wir eben 20 oder 30 Jahre Berufserfahrung mit“, beschreibt der 55-jährige Maschinenbau-Ingenieur Hans-Jürgen Stöter die Situation.

Seine Auslandserfahrung durch Jobs in vielen Ländern Osteuropas, aber auch in Indien, Korea, Taiwan und China ist genau das, was Fahrion Engineering braucht. Die Kornwestheimer planen, meist im Auftrag von Großunternehmen, Fabriken – und das weltweit. „Die Arbeit, die uns der Markt gibt, liegt heute auf einem höheren Level als in früheren Zeiten“, ist Otmar Fahrion froh, dass seine Firma nicht mehr nur für Routinearbeiten und bei Bedarfsspitzen gebraucht wird. Die Großen hätten irgendwann entschieden, dass Fabrikplanung nicht zu ihrem Kerngeschäft gehört und dann damit begonnen, ihre erfahrenen Fachleute mit riesigem Know-how und entsprechendem Verdienst in andere Bereiche zu versetzen oder eben auch zu entlassen.

Aber die Arbeit ist nach wie vor da, und so haben sich Angebot und Nachfrage zwischen kleinen Dienstleistern und großen Unternehmen auf einem ganz anderen Niveau neu eingependelt. Otmar Fahrion ist heilfroh, dass er inzwischen einige von den entlassenen „1A-Spitzenkräften“, wie er sie nennt, beschäftigen kann. Denn entscheidend sei, den Kunden kurzfristig eine gute Mannschaft präsentieren zu können, um lukrative Aufträge zu bekommen. Die Projekte seien schwieriger und die Projektgruppen kleiner, aber dafür effektiver geworden. Auch Ein-Mann-Projekte sind keine Seltenheit mehr.

„Da brauchen sie dann Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung, die sich in fremden Kulturen auskennen und sich im Ausland nicht wie die Elefanten im Porzellanladen benehmen. Aus dieser Überlegung heraus suchen wir immer wieder erfahrene Ingenieure, die bereits in der Welt herum gekommen sind und beispielsweise spezielle Sprachkenntnisse mitbringen“, erklärt Fahrion. Entgegen den gängigen Vorurteilen weiß der clevere Schwabe, dass gerade Ingenieure über 50 Lust haben Neues kennen zu lernen. Mehr als die Jungen: Junge Familienväter mit kleinen Kindern wären oft gerade damit beschäftigt ein Haus zu bauen und hätten insgesamt einfach unheimlich viel um die Ohren. Deshalb seien sie weniger bereit, für längere Zeit von zu Hause wegzugehen.

Die Defizite bei den Älteren, etwa bei den CAD-Kenntnissen, hält Fahrion für nicht so gravierend. „Natürlich sind viele im Vergleich zu den Jungen nicht auf dem Laufenden, müssen geschult werden und brauchen dafür länger“, erklärt er. Aber Vorurteile wie häufigere Fehlzeiten durch Krankheit, seien einfach nicht berechtigt.

„Der Ausbildungsstand der Jungen ist sicherlich kaum vergleichbar mit dem, was wir vor 30 Jahren gemacht haben. Sie bringen also notwendige Innovationen in die Unternehmen,“ ergänzt Mitarbeiter Günter Doberer, der bereits auf eine 20-jährige Erfahrung als Betriebsleiter zurückblicken kann. Hans Jürgen Stöter findet die Unterscheidung in jung und alt sowieso unsinnig. Die Frage sei doch eher, sind die Leute fähig, ihre Aufgabe zu erfüllen und sind sie motiviert. Da spiele das Alter eigentlich keine Rolle. „Ich kann von jungen Leuten eine Menge lernen und sie können auf meine Routine zurückgreifen und vermeiden so unnötige Fehler.“ MANFRED BURAZEROVIC

Von Manfred Burazerovic

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