Management

Die dunkle Seite der Mächtigen

Das Vertrauen amerikanischer Anleger in Manager und Wirtschaftsprüfer ist nach den Skandalen der letzten Zeit erschüttert. Reformvorschläge, um Missbrauch durch Manager zu verhindern, gibt es jetzt. Ein Garant gegen Habgier sind sie aber nicht.

Die amerikanische Wirtschaft hat ihren Schwächeanfall jetzt offensichtlich überwunden. Im ersten Quartal wuchs das Sozialprodukt um 5,8 %. Auch wenn sich dieses Tempo im Verlauf des Jahres nicht durchhalten lassen sollte, ist ein Rückfall in die Rezession wenig wahrscheinlich. Aber die Erholung spiegelt sich noch nicht an den Finanzmärkten wider. Ganz im Gegenteil. Alle führenden Aktienindizes liegen unter dem Stand, den sie am Jahresanfang hatten.
Für diesen unterschiedlichen Verlauf gibt es eine Reihe von Gründen, nicht zuletzt, dass die Unternehmensgewinne am wirtschaftlichen Wachstum noch keinen Anteil haben. Aber das allein kann die auseinander klaffende Entwicklung nicht erklären.
Viel spricht dafür, dass sie auf eine tiefe Verunsicherung der Anleger zurückzuführen ist, die jedes Vertrauen in die Redlichkeit unternehmerischer Rechnungslegung verloren haben. Mehr und mehr stellt sich heraus, dass der starke Anstieg der Unternehmensgewinne Ende der 90er Jahre, der auch die Aktienkurse nach oben getrieben hatte, mehr auf Dichtung als auf Wahrheit beruhte.
Die Desillusionierung der Investoren begann mit dem Zusammenbruch des Energiehandelskonzerns Enron letzten Dezember. Das Unternehmen, das sich als ein Musterbeispiel der Neuen Ökonomie in einer deregulierten Wirtschaft dargestellt hatte, war nur ein Kartenhaus, in dem Verluste verschleiert und Gewinne manipuliert worden waren. Gleichzeitig hatten sich die Manager aber riesige Bezüge in die eigenen Taschen geschoben.
Die Investoren wurden ärgerlich und verbittert, als deutlich wurde, dass es sich bei Enron um keinen Einzelfall handelte. Die dort praktizierten Methoden der Täuschung von Aktionären waren weit verbreitet. Beinahe täglich teilen Unternehmen jetzt mit, dass sie Ergebnisse nachträglich nach unten korrigieren müssen. Wall-Street-Kult-Figuren, wie Bernard Ebbers von WorldCom oder Gary Winnick von Global Crossing, die noch vor kurzem als Manager eines neues Zeitalters gepriesen wurden, sind als Hasardeure entzaubert worden.
Und es löste so etwas wie einen Schock aus, als bekannt wurde, dass selbst feinste Adressen, wie General Electric oder IBM, keine Hemmungen hatten, ihre Bilanzen mit zweifelhaften Methoden zu verschönern. Die Implosion der Wirtschaftsprüfungs-
Gesellschaft Arthur Andersen, die die Enron-Abschlüsse testiert hatte, beseitigte jeden Zweifel: Die Prüfer, die unternehmerisches Glücksspiel eigentlich verhindern sollen, hatten eifrig mitgespielt.
Zu dieser Fehleintwicklung hat ganz wesentlich die Einführung von Aktien-Optionen für Manager beigetragen. Ursprünglich als taugliches Mittel angesehen, die Interessen von Managern und Aktionären gleichzuschalten, fanden die Manager schnell heraus, dass ihnen ein ideales Instrument in die Hand gegeben war, sich selbst zu Lasten der Anteilseigner zu bereichern. Sie brauchten nur dafür zu sorgen, dass der Aktienkurs stetig nach oben ging. Um das zu erreichen, wurden, wenn erforderlich, die Bilanzen ein wenig verbessert.
Die Manager setzten dieses erfolgreiche Spiel sogar dann noch fort, als die Aktienkurse in den Keller fielen und die Anleger Milliardensummen verloren. Diese Orgie der Habgier wurde möglich, weil sich neben den Wirtschaftsprüfern auch Anwälte, Investmentbanken und Aktien-Analysten daran beteiligten oder zumindest ihre Augen schlossen.
Auch das politische Umfeld hat eine wichtige Rolle bei dieser negativen Entwicklung gespielt. In der Administration von Präsident Bill Clinton hatte ethisches Verhalten keine hohe Priorität. Der Präsident selbst schwor vor Gericht einen Meineid, um seine Lewinsky-Affaire zu verheimlichen. Sein Vizepräsident Al Gore erklärte schamlos, als er bei der Einsammlung illegaler Wahlkampfspenden ertappt worden war, dass es für seine Handlungen keine „kontrollierende legale Autorität“ gebe. Solch laxer Umgang mit den guten Sitten an der Spitze des Staates fand in den Chefetagen der Wirtschaft willige Nachahmer.
Das Resultat daraus: Corporate Amerika steckt in einer schweren Krise, denn die Integrität und Offenheit des kapitalistischen Systems haben Schaden genommen. Wenn diese Krise nicht bald überwunden wird und Anleger das Vertrauen in das Funktionieren der Märkte zurückgewinnen, besteht die Gefahr, dass kein Geld mehr in die Unternehmen fließt. Sie können ihre Produkte und Dienstleistungen dann nicht weiter verbessern und nicht mehr zum Wachstum der Wirtschaft beitragen.
Diese Entwicklung hat in Washington Alarmsignale ausgelöst. Neben Untersuchungen von Aufsichtsbehörden und Staatsanwälten haben Politiker, Aufseher sowie Selbstverwaltungsorgane allerlei Reformvorschläge vorgelegt, um Missbräuche wie in der Vergangenheit künftig zu verhindern. Dazu gehören Maßnahmen, um Interessenkonflikte von Aufsichtsräten einzuschränken, Vorschriften über die Verantwortlichkeit von Wirtschaftsprüfern und die Einschränkung von Aktienverkäufen von Insidern. Es geht zudem um die Verpflichtung der Unternehmen, zeitgerecht, ausführlich und ehrlich über ihre wirtschaftliche Lage zu berichten. Schließlich aber auch darum, Aktien-Optionen anders als bisher zu behandeln. Ihre Gewährung soll nicht mehr von der Entwicklung des eigenen Kurses abhängen, sondern vom Vergleich mit Branchenunternehmen. Außerdem sollen die Unternehmen gezwungen werden, die Ausgabe von Optionen wie die Bezahlung von Löhnen gewinnmindernd als Kosten zu verbuchen, was bislang nicht der Fall ist.
Dagegen laufen die Unternehmen allerdings Sturm, und sie haben dabei die Unterstützung von Präsident George Bush. Allerdings hat sich Notenbank-Chef Alan Greenspan für eine solche Regelung ausgesprochen.
Insgesamt können diese Maßnahmen zwar helfen, die System-Krise zu überwinden sie können aber auf keinen Fall sicherstellen, dass sich Fälle, wie Enron oder Global Crossing, nicht wiederholen. Ehrlichkeit lässt sich nun mal nicht verordnen, und Habgier ist ein starkes Motiv.
GERD BRÜGGEMANN

Von Gerd Brüggemann

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