Management

„Die Blickrichtung muss sich ändern“

Wer Risiken erfolgreich managen will, braucht Frühindikatoren. „Der Blick in Bilanzen allein hilft nicht“, warnt Werner Blanke von der Initiative Qualitätssicherung „Das ist, als ob ein Autofahrer ständig in den Rückspiegel schaut – irgendwann fährt er gegen die Wand.“

Blanke: Wir haben eine neue Dimension. Es gibt seit 1998 das KonTraG, das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich. Danach müssen mittlere GmbHs und größere Gesellschaften erstmals eine testierte Aussage zum Risikomanagement im Jahresabschluss machen. Risikomanagement ist damit zum Muss geworden.

VDI nachrichten: Wird diese Pflicht schon als neue Managementaufgabe begriffen?

Blanke: Viele Firmen tun sich damit noch schwer. Bisher stützen sie ihre Entscheidungen meist auf Quartalsberichte und Bilanzen. Damit haben Unternehmer Erfahrung. Jahresabschlüsse aber sind Vergangenheitsbetrachtungen. Jetzt gibt es zum ersten Mal ein Muss, sich intensiv mit Risiken auseinander zu setzen. Die Blickrichtung muss sich ändern. Es wird lange dauern, bis die meisten Unternehmen dafür ein geeignetes System gefunden haben. Das gilt vor allem für kleinere Firmen.

VDI nachrichten: Sind einige Branchen weiter als andere?

Blanke: Das sehe ich nicht. Es ist einfach so: Je größer ein Betrieb, desto eher ist er finanziell in der Lage, geeignete Fachkräfte zu engagieren. Risikomanager gehören derzeit zu den am meisten gesuchten Fachkräften. Kleinere Unternehmen sind in der Regel auf externe Hilfe angewiesen.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielt das Land NRW dabei?

Blanke: Wir sind im Auftrag des Wirtschaftsministeriums NRW tätig und informieren über Frühindikatoren, Risikomanagement und Rating. Diese drei Dinge gehören eng zusammen. Mit Frühindikatoren versucht man, Entwicklungen im Unternehmen möglichst frühzeitig zu erkennen. Je eher Sie eine Krisensituation erkennen, desto größer ist die Chance, erfolgreich gegenzusteuern. Das Interesse des Landes ist klar: Arbeitsplätze und Steuereinnahmen gibt es nur von gesunden, zukunftsfähigen Unternehmen.

VDI nachrichten: Wie unterscheidet sich Ihr Ansatz über Frühindikatoren von der üblichen Vorgehensweise?

Blanke: Wir heben sehr stark auf die Prozessanalyse ab. In jedem Unternehmen haben wir Prozesse, die zu Umsatz und Gewinn führen sollen. Wir versuchen, möglichst nah an den Grund heranzukommen.

Ein Beispiel: Was passiert, wenn ein Maschinenbauer eine Maschine repariert? Die muss sofort wieder laufen. Darauf muss der Unternehmer seine Managementfähigkeit konzentrieren. Gelingt das nicht, etwa weil der Monteur ein Ersatzteil oder ein Werkzeug vergessen hat, wird“s schlimm – Stillstand, Konventionalstrafe, Kunden-Unzufriedenheit. Dieses Risiko muss vermieden werden. Das gelingt nicht 100%ig. Der passende Frühindikator heißt First-Time-Fix-Quote: Zu wie viel Prozent gelingt es, Aufträge im ersten Anlauf fehlerfrei zu beenden?

Ganz andere Indikatoren braucht dagegen der Einzelhandel. Standardlösungen, die man auf alle Betriebe setzen kann, gibt es nicht. Man muss sich schon eigene Gedanken machen.

VDI nachrichten: Also auch eigene Kennzahlen entwickeln?

Blanke: Gegebenenfalls ja. Unter den über 100 Frühindikatoren, die unser Buch erläutert, sind sicher für jeden Betrieb einige wichtige Kennzahlen. Trotzdem kann es niemals ausreichen, alle Indikatoren in einem Unternehmen zu finden.

VDI nachrichten: Gibt es eine Faustformel, mit wie vielen Kennzahlen man höchstens arbeiten sollte?

Blanke: Für Mittelständler sollten sechs bis zehn Ziffern ausreichen. Die muss das Unternehmen gut auswählen. Mehr sollten es nicht sein. Denn bei allem Controlling hat natürlich das operative Geschäft Vorrang. Und: Jeder Indikator kostet Geld. Manchmal aber viel weniger als man denkt.

VDI nachrichten: Wer im Betrieb entwickelt die passenden Kennzahlen?

Blanke: Das hängt von der Betriebsgröße ab. Ab einer bestimmten Größe macht es keinen Sinn mehr, dass der Unternehmer die Indikatoren allein definiert. Die Mitarbeiter haben in der Regel viel größere Detailkenntnisse. In kleineren Firmen zieht der Geschäftsführer vielleicht Mitarbeiter hinzu. Gerade durch KonTraG ist aber auch der Steuerberater eine wichtige Adresse in diesem Zusammenhang. Für diesen Berufsstand ist es natürlich auch ein Traditionswechsel: Man hat Jahrhunderte Bilanzen erstellt – vergangenheitsorientierte Instrumente, von denen man weiß, dass sie stimmen. Nun soll er in den strategischen Bereich, in den Zukunftsbereich gehen.

VDI nachrichten: Wer hilft Mittelständlern außerdem?

Blanke: Neben Spezialisten vielleicht auch die Kreditinstitute. Die müssen ihre Kunden gut kennen. Leider ist deren Sichtweise ebenfalls geprägt durch den Blick zurück, in die Bilanzen. Das wird sich ändern. Schon weil Basel II die Banken zum Rating verpflichtet.

VDI nachrichten: Können mir Frühindikatoren denn auch im Ratingprozess helfen?

Blanke: Das Interesse der Banken ist da. Denn die möchten ja wissen: Wird mein Kunde in der Lage sein, den Kredit zurückzuzahlen? Sie interessiert also die Zukunft. Da hilft eine noch so gründliche Analyse der Bilanz allein nicht weiter – die spiegelt nur die Vergangenheit. Die Kreditinstitute haben schon immer versucht, Zukunftsfähigkeit abzubilden. In der Regel geschah das über die Bewertung der Unternehmerpersönlichkeit. Je nachdem, wer den Ratingbogen ausfüllte, gab es dabei große Differenzen. Dennoch spielt die Qualifikation des Managements auch künftig eine große Rolle. Es gibt Ratingverfahren, in denen dieser Faktor ein Drittel der Bonitätsnote ausmacht.

VDI nachrichten: Wie wirkt sich das aus?

Blanke: Beim Preis für Kredite. Bis vor kurzem betrug der Unterschied zwischen dem geringsten und dem höchsten Zins 3 % bis 4 %. Durch Basel II laufen wir nun schon bei einigen Banken auf 6 % bis 8 % zu. Ob ein Unternehmer, der jetzt Bonitätsstufe 1 bekommt oder die Stufe 8, kann also 5 % bis 6 % Unterschied beim Kreditzins ausmachen. Auch dies ist ein Grund für die Unternehmen, sich stärker mit der Zukunftsdarstellung zu befassen.

VDI nachrichten: Wie kann ich aber den Mittelständlern die Hemmung nehmen, Frühindikatoren zu kommunizieren?

Blanke: Es gibt das Bankgeheimnis. Außerdem sehe ich nicht, dass die Unternehmen Angst davor haben müssen, einem Wettbewerber möglicherweise etwas mitzuteilen. Eine Hürde ist eher das manchmal schwierige Verhältnis zwischen Unternehmer und Bank. Aber Basel II und KonTraG können Anlässe sein, das zu verbessern. Die Kreditinstitute müssen mehr berücksichtigen, dass ihre Risiken im Aktivgeschäft nichts anderes sind, als die Summe der Risiken ihrer Kreditnehmer. Und im Vorfeld daran mitzuwirken – und nicht nur zu bewerten – dass Unternehmen sich von ihrer Strategie her verbessern, kann nur im ureigenen Interesse der Banken liegen. Und erst, wenn Banken dem Unternehmer das Verbesserungspotenzial auch mitteilen, wird Rating zu dem Dialog, den es darstellen soll.

Das erfordert einen Bewusstseinswandel bei den Banken, aber erst recht bei den Unternehmen. Viele Mittelständler fragen ja nicht einmal nach ihrer Ratingnote. MARTIN VOLMER

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