Management 22.02.2002, 17:32 Uhr

Der Weg vom Trainee zum Boss

Das einzige Geheimnis um die Nachfolge von Louis Gerstner war der Zeitpunkt. Denn dass Samuel J. Palmisano (50) der neue Vorstandsvorsitzende (CEO) von IBM werden würde, daran gab es keine Zweifel.

Sam Palmisano kennt „Big Blue“ (IBM) wie kaum ein anderer und hat unter Gerstner die erfolgreichsten Geschäftsfelder betreut. In einer E-Mail an alle Mitarbeiter schrieb Gerstner: „Sam ist ‚blaublütig’.“ Tatsächlich ist der 50-jährige Palmisano der perfekte IBM-Insider, den außerhalb der IBM kaum einer kennt. Doch innerhalb des Konzerns ist der durchsetzungsfähige Manager bestens bekannt und vor allem respektiert. Palmisanos erste Aufgabe wird es sein, den Kurs des Unternehmens mindestens zu halten, denn Gerstner übergibt ihm ein Unternehmen, das inzwischen wieder in vielen Bereichen weltweit in Führung liegt.

Louis Gerstner war in der IBM-Geschichte der erste Außenseiter, der an die Konzernspitze berufen wurde, um das sinkende Schiff zu retten. Bei seiner Übernahme 1993 musste IBM über 8 Mrd. Dollar Verlust verbuchen. Er hat seine Mission längst übererfüllt. Heute steht IBM wirtschaftlich so gesund da, wie kaum ein Wettbewerber. Mit einem Gewinn von 7,7 Mrd. Dollar in 2001 wurde das zweitbeste Ergebnis der gesamten Branche erzielt nur Microsoft konnte mehr Überschuss ausweisen.

Palmisano hat schon verkündet, dass er Gerstners Strategie fortsetzen und sich auf die Entwicklung von Software und Services konzentrieren will. Hierzu hat er schon sein eigenes, ihm bestens vertrautes Team in wichtige Schlüsselpositionen gebracht: Steve Mills leitet fortan die Software, Linda Sanford die Speichersysteme und Bill Zeitler den Server-Bereich.

Palmisanos Karriere begann vor 29 Jahren nach einem sozialwissenschaftlichen Studium als Marketing-Trainee in der Data-Prodcuts-Unit von IBM in Baltimore. Bereits 1989 wurde er vom damaligen CEO John Akers zum Geschäftsführungsassistenten ernannt, was in der IBM-Kultur der Ernennung zum Kronprinzen gleichkommt, doch bis zum Chefsessel musste er noch 13 Jahre warten. Palmisano hat in den 90er Jahren das PC-Geschäft, das Speichergeschäft und den Server-Bereich geleitet. Und er hat Auslandserfahrung – vor allem seine Jahre in Japan als Senior Manager werden ihm hoch angerechnet.

Sein größter Erfolg gelang ihm an der Seite von Gerstner. Er entwickelte aus verschiedenen verlustreichen Einheiten das Geschäftsfeld Global Services, das heute zu den stärksten bei IBM gehört. Dieser Bereich steuerte im vorigen Jahr über 40 % zum Jahresumsatz bei und brachte fast die Hälfte des Gewinns. Auch IBMs jüngstes Linux-Engagement stammt aus der Feder von Palmisano. Mit diesem Engagement verschaffte er sich den Ruf eines durchsetzungsstarken Mannes, denn für den einstigen Monopolisten IBM war das Bekenntnis zu einem offenen Kode einer der radikalsten Einschnitte in der Firmengeschichte. In seiner Keynote auf der Linuxworld vor einem Jahr in New York sagte er: „Wir investieren nicht zum Spaß mal eben 1 Mrd. Dollar – wenn wir einen solchen Scheck ausschreiben, wissen wir, was in dem Geschäft steckt.“

IBM hat inzwischen den Großteil seiner Großrechenanlagen (Mainframes) und Server linuxfähig gemacht und zum ersten Mal seit 1989 konnte IBM den Umsatz mit Mainframes wieder steigern. Inzwischen haben IBMs Wettbewerber wie Hewlett-Packard und Sun nachgezogen, und auch die großen Softwareanbieter stehen hinter Linux: SAP, Oracle, Peoplesoft und viele andere haben ihre Lösungen umgestellt.

Während Gerstner eher als autoritär und zugeknöpft galt, ist Palmisano mehr zugänglich und gesellig. Er, Vater von vier Kindern, mag nicht viel Personal um sich herum, hatte nie einen Executive Assistenten und beantwortet sein E-Mails gerne alle persönlich. Bis zu seiner Ernennung zum Chief Operation Officer (COO) im September 2000 bestand er darauf, mit dem eigenen Auto zur Arbeit zu fahren anstatt, wie die anderen IBM-Manager, im Lincoln Town Car chauffiert zu werden.

In Sachen Führungsstärke steht sein Ruf aber dem seines Vorgängers in nichts nach. Er will von seinen Managern Ergebnisse sehen und keine hübschen Präsentationen. Als er das operative Tagesgeschäft übernahm, war eine seiner ersten Maßnahmen die monatlichen Umsatz-Erwartungs-Meetings in wöchentliche zu verwandeln. Die entsprechenden Erfüllungs-Berichte mussten dann sieben Tagen später abgeliefert werden.

Doch die Wall Street ist sich nicht so sicher, ob Palmisanos operatives Geschick die strategische Begabung von Gerstner ausgleichen kann. Die Analysten sind gespannt, wie der neue CEO das Wachstum bei IBM wieder ankurbeln will, denn IBM hatte schon lange angekündigt, die 100 Mrd. Dollar-Umsatzgrenze zu überspringen, doch 2001 rechnete Big Blue nur 86 Mrd. Dollar ab.

Rob Enderle, IBM-Analyst bei der Giga Information Group, zeigte einige Schwachstellen auf: „IBM ist noch immer viel zu langsam im Reagieren auf Marktentwicklungen. Sie müssen in Sachen Tempo und Aggressivität mit Dell mithalten können.“ Vor allem für die mittleren und kleinen Geschäftskunden hat IBM keine zwingende Strategie, denn IBMs Server haben noch nicht das Prestige, welches sich Sun in vielen Jahren erarbeitet hat. Und auch IBMs PC-Geschäft muss schwer darum kämpfen profitabel zu bleiben.

Auch die Fusion von Hewlett-Packard und Compaq könnte nach Meinung von Enderle eine ernsthafte Bedrohung im Geschäft mit den kleineren und mittleren Kunden werden.

HARALD WEISS

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