Beratung

Der Weg führt von der Couch in die Chefetage

Klinische Psychologen, die sich bisher auf die Therapie seelisch Leidender konzentrierten, bieten ihr Know-how der Wirtschaft an und professionalisieren so den Beratungsmarkt.

Psychotherapeuten wollen nicht länger „einem alten Auto“ gleichen, „das den nächsten TÜV nicht übersteht“, erklärt der Heidelberger Professor Peter Fiedler. Statt zum sozialen „Reparaturbetrieb“ zu verkümmern, wollen die klinischen Psychologen künftig mehr mitgestalten – auch in Wirtschaftsunternehmen. Damit wagen sich verbriefte Seelenprofis auf ein Terrain, das sie bisher eher mieden. Gleichzeitig gewinnt das Beratungsgeschäft an Professionalität.
„Bisher haben die Betriebe bei Problemen stets auf “Psycho-Experten“ zurückgegriffen, die sich besonders gut vermarkten konnten – und das waren keine Therapeuten“, erklärt die Organisationsberaterin Monika Basqué, die als klinische Psychologin lange Zeit in der Forensik, der Psychiatrie für Straftäter, gearbeitet hat. „Doch langsam merken die Unternehmen, dass brillante Rhetoriker und gute Entertainer oft nur oberflächliche Effekte erzielen.“ Um längerfristige Veränderungen anzustoßen oder mit problematischen Kommunikations-Dynamiken umzugehen, reiche das Psycho-Wissen, das sich manche Berater nur in Schnelldurchläufen angeeignet hätten, nicht aus.
Auf diesem komplexen Feld sind Psychotherapeuten quasi zu Hause. Ihre klinische Erfahrung und ihr wissenschaftlicher Hintergrund öffnen ihnen einen größeren Aktionsradius. Sie besitzen jene Gestaltungsfreiheit, mit der sie – jenseits dogmatischer Methoden oder modischer Verfahren – problemgerechte, dynamische Konzepte und Schulungen entwickeln können. Ob das Management verschlankt wird, Kooperationen schlecht funktionieren, Fehler passieren, Hoffnungsträger in der Institution verloren gehen, Verkaufsprozesse ins Stocken geraten, Machtspiele über die selektive Weitergabe von Informationen laufen – qualifizierte Psychologen halten sich nicht an Rezepte, sondern an Unternehmensphilosophien. Im Vordergrund stehe meist der mündige Mitarbeiter und die Corporate Identity, erklärt Basqué und erinnert: „Mitdenkende, gut informierte Mitarbeiter sind schließlich kein Luxus, sondern eine Erfolgsstrategie.“ Im Notfall- und Krisenmanagement gewinnen diese Ideale konkreten Sinn. Beispielsweise entwickelt Peter C. Zimmermann – gelernter Psychotherapeut und Geschäftsführer des Instituts für Schulung, Kommunikation, Organisations- und Managementberatung (ISKOM) in Düsseldorf – für Großkunden Gesamtkonzepte für die Sicherheit. Die Beratungsleistungen reichen von Unterstützung bei der technischen Einrichtung von Krisenstabräumen über Optimierung der Aufbau- und Ablauforganisation bis zur Schulung der Funktionsträger.
Im psychologischen Training arbeitet Zimmermann mit realitätsnahen, vielschichtigen Situationen. Fiktives Übungsbeispiel: Ein Unternehmen der chemischen Industrie mit mehreren Niederlassungen stellt das Krebs erregende Produkt EM 609 her. Der Lkw eines ausländischen Spediteurs, der die Chemikalie in Hamburg geladen hat, verunglückt auf dem Weg nach Süden. Stau entsteht, die Feuerwehr rückt in Vollschutz an, das Fernsehen ist bereits vor Ort. Dem Werksleiter, der als erster von dem Unfall erfährt, stellen sich Fragen wie: Wen muss ich informieren? Wie behalte ich einen klaren Kopf? Welche Handgriffe muss ich tun? Wie verhalte ich mich vor der Presse? Die Trainingsschritte: effektive Kommunikation im Ernstfall, folgerichtiges Handeln in der Krisensituation, Stressmanagement, Medientraining. Das eigentliche Ziel aber sei es, so Zimmermann, mit gut geschulten und motivierten Mitarbeitern den Ernstfall nicht nur beherrschbar zu machen, sondern ihn zu verhindern.
„Responsible Care“ heißt diese Prävention im Jargon der “neuen“ Therapeuten. Und nach den Vorstellungen des Bremer Psychologie-Professors Thomas Kieselbach sollte eben diese „verantwortliche Fürsorge“ nicht nur für Krisenstäbe gelten, sondern zur Unternehmensphilosophie schlechthin erklärt werden. Betriebe müssten sich verpflichten, Mitarbeiter auf drohende Entlassungen vorzubereiten und im Ernstfall die Entlassenen weiter zu begleiten und zu beraten, damit sie auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen können. Hier erschließen sich neue Betätigungsfelder für die Seelenheiler. Der Anspruch auf „Outplacement“- und „Replacement“-Beratung jedenfalls sollte, meint Kieselbach, für alle Arbeitnehmer auf allen Hierarchiestufen juristisch verankert werden.
Wie wichtig Auffangprojekte besonders in Deutschland sind, hat Kieselbach in einer Studie zur Ausgrenzung Jugendlicher in drei nord- und drei süd-europäischen Ländern entdeckt. Anders als in Schweden und im Süden rutschen beschäftigungslose junge Menschen hierzulande schnell in die soziale Ausgrenzung: Mit der Arbeitslosigkeit steigt die Bereitschaft zu aggressivem Verhalten merklich, ebenso wie der Alkohol- und Drogenkonsum.
Ähnlich dramatisch sei die Situation nur in Belgien. In Schweden garantiert der Staat die Wiedereingliederung der Jugendlichen. Und in südlichen Ländern agiert die Schattenwirtschaft als Puffer, indem sie die Betroffenen mit Schwarzarbeit weiter beschäftigt. Außerdem leben im Süden 90 % dieser Jugendlichen noch in ihren Herkunftsfamilien und damit in einem festen sozialen Gefüge.
Schließlich macht Kieselbach das Konzept auch Unternehmern schmackhaft: Die begleitende Beratung würde auf die Weiter-Beschäftigten positiv zurückstrahlen, „da sie wissen, dass ihr Betrieb niemanden einfach fallen lässt“. Das stärke die Corporate Identity oder das Wir-Gefühl, mithin die Gesamt-Performance des Unternehmens.
Denn die Psychotherapeuten gehen davon aus, dass sich Identifikationen, Loyalitäten und Verantwortungen nur dann herausbilden können, wenn Institutionen und Arbeitsstrukturen noch als einigermaßen stabil erlebt werden und die individuellen Biographien nicht zerfallen. Ob der grenzenlos flexible Mensch, wie er heute vom Arbeitsmarkt gefordert wird, überhaupt menschenmöglich ist, bleibt jedenfalls für den Münchner Psychologie-Professor Heiner Keupp eine offene Frage. RUTH KUNTZ-BRUNNER
Vertrauen ist gut, professionelle Hilfe noch besser: „Psycho-Experten“ haben das Know-how, im Unternehmen Veränderungen anzustoßen.
Prof. Heiner Keupp ist skeptisch, ob es den vom Arbeitsmarkt geforderten flexiblen Menschen gibt.

Von Ruth Kuntz-Brunner

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